10. November 2011 | Gesellschaft

Studieren auf Schottisch

 
mokant.at > foto: judita huber
St Andrews ist die älteste Universität Schottlands
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In den „Societies“ lässt es sich gut schlemmen

Schokolade und Harry Potter: Der ganz normale Studienalltag an einer schottischen Uni

 

Das britische Universitätssystem gilt weltweit als äußerst angesehen – doch wie sieht das Studentenleben auf der Insel wirklich aus? Wie sind die Studienbedingungen? Und wie verbringen Studentinnen und Studenten ihre Freizeit in einer schottischen Universitätsstadt, in der es gerade einmal drei Hauptstraßen gibt? mokant.at hat sich an der University of St Andrews umgesehen. 

 

Schoko-Studium

Es herrscht reges Gedränge im Gebäude der Studentenvereinigung der St Andrews-Universität. Auf zwei Stockwerken wurden Tische aufgestellt, um die sich Trauben von Studierenden bilden - die Fresher’s Fayre, die Messe für die Erstsemestrigen, ist im vollen Gange. Hier können sich Studierende für Societies anmelden – Interessensvereinigungen, die regelmäßig Treffen veranstalten. So seriös das klingen mag, der Spaß steht hierbei aber im Vordergrund. Man kann sich etwa bei der „Harry Potter and Gin Society“ anmelden und sich vom sprechenden Hut in eines der vier Hogwartshäuser einteilen lassen. Wenn man doch lieber Schokolade mag, kann man für fünf Pfund ein Jahr lang Mitglied der „Fine Chocolate Society“ werden und Verkostungen besuchen. Ernsthaftere Gruppierungen gibt es auch, von NGOs wie Amnesty International bis hin zu politischen Gruppen wie der Left Society. Insgesamt kann man aus über hundert Studentenvereinigungen wählen, kein Wunder also, dass viele Erstsemestrige etwas überfordert wirken.

 

Feiern als Mittel gegen Heimweh

Wie bringt man für solche Aktivitäten überhaupt Zeit auf, wenn man doch eigentlich zum Studieren hier ist? Studierende kommen hier aus allen Teilen Großbritanniens und sogar der Welt. Für mehrere Wochen oder gar Monate sehen sie ihre Familie und Freunde nicht mehr und müssen sich einen vollkommen neuen Freundeskreis suchen. Die Freizeitgestaltung wird noch weiter dadurch erschwert, dass es in St Andrews gerade einmal drei Hauptstraßen mit ein paar Pubs und Geschäften gibt. Da wird einem schnell klar, dass die Societies dringend notwendig sind, wenn man einmal eine kurze Pause vom Lernen einlegen und neue Leute kennenlernen möchte.

 

Gefeiert wird ähnlich wie in Österreich, nur sind die Studentinnen meist leichter bekleidet und auch ist üblicherweise (noch) mehr Alkohol im Spiel. Der Betrunkenheitszustand wird dann mit einem kurzen „I am wasted“ zusammengefasst. Nach der Party geht man dann, neben der klassischen Pizza oder dem Kebap, auch Toasties essen (Toasts mit diversen Füllungen). Wenn man etwas abenteuerlicher ist, kauft man sich eine „Deep-fried Mars Bar“ – einen frittierten Mars Riegel.

 

Studienwechsel ist kein Problem

Vier Jahre muss man in Schottland studieren, um einen Bachelor-Titel zu erlangen (im Unterschied zu Österreich gliedert man das Studienjahr nicht wirklich in Semester, eher schulmäßig in Jahre). Die ersten zwei Jahre sind eher auf Allgemeinbildung ausgelegt, man kann bis zu drei verschiedene Fächer belegen. Bis zum dritten Studienjahr ist es dann unter gewissen Voraussetzungen sogar noch möglich, die Studienrichtung komplett zu wechseln. „Bummelstudenten“ gibt es nicht – das liegt vor allem daran, dass es fixe Prüfungstermine gibt, zu denen man antreten muss. Werden diese nicht wahrgenommen oder nicht bestanden, gibt es nur noch einen weiteren Antrittstermin, danach muss man entweder das ganze Jahr wiederholen oder man wird gebeten zu gehen.

 

Eine der besten Unis

Saskia Kaerns ist Managementstudentin im dritten Jahr und gebürtige Schottin. Sie ist der Meinung, dass die schottische Universitätsausbildung extrem hochwertig ist, vor allem die St Andrews-Universität habe eine sehr gute Reputation. Dass ihre Ausbildung vier Jahre dauert, sieht sie nicht als Nachteil. „In Schottland schließt man die Schule etwas früher ab, es ist also gut, dass man im ersten Jahr noch ein paar andere Fächer kennenlernt. Und selbst wenn man diese dann nicht weiterstudiert, hat man sich immer noch wertvolles Wissen angeeignet“. Sie selbst besuchte in ihrem ersten Jahr etwa auch Kurse in Psychologie und Biologie.

 

Saskias Meinung über die Qualität an der Universität wird teilweise durch das „QS World University Ranking“ bestätigt, auch wenn Rankings generell kritisch zu betrachten sind: Die St Andrews-Universität findet sich unter den besten hundert Universitäten der Welt.

 

Hilfe bei Problemen

Saskia muss, wie andere Schotten und EU-Studenten auch, keine Studiengebühren zahlen. Trotzdem sieht man keine überfüllten Hörsäle – der Anmeldeprozess, um auf Universitäten aufgenommen zu werden, ist langwierig, ausgezeichnete Noten sind zumindest für St Andrews notwendig, um überhaupt erst in Frage zu kommen. Zusätzlich zur Anmeldung muss man ein Motivationsschreiben beilegen, das vor allem durch außerschulische Aktivitäten überzeugen soll.

 

Ist man dann aber einmal angenommen, ist man nicht auf sich allein gestellt. Ein „Advisor of Studies“ steht einem bei akademischen Fragen zur Seite. Auch bei Problemen persönlicher Natur wird einem beigestanden. Falls man bei Vorlesungen einmal nicht alles verstanden hat, ist es überhaupt kein Problem sich einen Termin mit dem Vortragenden auszumachen. Manchmal wird man angewiesen, einfach im Büro vorbeizuschauen, wann immer man Zeit hat.

 

Vom lieben Geld ...

Doch auch in Schottland ist nicht alles rosig. Wie in Österreich gibt es eine Debatte um die Finanzierung des Universitätssystems. Bis jetzt mussten Nicht-EU-Studierende 20.000 Pfund pro Studienjahr bezahlen. Ironischerweise müssen auch Studierende aus Irland, Wales und England, im Gegensatz zu ihren schottischen Landsleuten, Studiengebühren zahlen. Bis jetzt handelte es sich um knapp 2000 Pfund, die man jährlich zahlen musste, doch ab nächstem Jahr wird die sogenannte RUK-fee (rest-of-UK) dann auf 9000 Pfund pro Jahr steigen.

 

Diese Situation löst in Schottland allerdings nur mäßigen Protest aus. Dies mag eventuell daran liegen, dass die Reform jetzige Studierende nicht betrifft. Anstatt zu protestieren, geht man dann eben lieber Schokolade verkosten.

 


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