01. Dezember 2011 | Gesellschaft

Leistung auf Pump

 
flickr.com/Juliana Coutinho
Nehmen immer mehr Studierende Lerndrogen?
mokant.at > foto: judita huber
Grabenhofer: „Es gibt keine zuverlässigen Zahlen"

In den USA liegen Lerndrogen längst im Trend. Wie sieht die Situation in Österreich aus?

 

Kaffee, Energy Drinks und Traubenzucker gehören zur Standardausrüstung bei der Prüfungsvorbereitung. Doch wie sie sieht es mit Pillen aus, die Studierende einnehmen, um die Aufmerksamkeit zu steigern? In den USA werden Lerndrogen immer mehr zur Normalität. Der Anteil der Studierenden, die etwa das Medikament Ritalin beim Lernen einnehmen, liegt je nach Studie zwischen fünf und 35 Prozent.
 
Kein Thema in Österreich?
Doch wie sieht die Situation in Österreich aus? Tatsächlich ist es schwer Personen zu finden, die zugeben, solche Lerndrogen einzunehmen, um bessere akademische Leistungen zu erbringen. Bei einer Internetrecherche findet man in einem Forum einer österreichischen Studienvertretung eine Diskussion über Ritalin. Selbst hier gibt es aber niemanden, der sagt, selbst Erfahrungen mit diesen Medikamenten gemacht zu haben. Man kenne nur andere, die Ritalin zur Leistungssteigerung einnehmen und sich dieses aus der Türkei mitbringen lassen würden. Sind Lerndrogen also kein Thema in Österreich? Sonja Grabenhofer, Einrichtungsleiterin der Drogenberatungsstelle „Checkit“, bestätigt diese Vermutung zumindest teilweise. Allerdings gebe es für Österreich, wie auch für Europa, keine zuverlässigen Zahlen.
 
„Leistung auf Pump“
Der Trend zu Lerndrogen wie Ritalin ist dennoch ernst zu nehmen. Ritalin wird normalerweise zur Behandlung von Menschen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verwendet. Durch Ritalin wird die Aufmerksamkeit gesteigert und hilft so Betroffenen im Alltag.
 
Auch bei gesunden Menschen können leistungssteigernde Medikamente kurzfristig die Aufmerksamkeit erhöhen – allerdings ist das, laut Grabenhofer, eine „Leistung auf Pump“. Nach einer Weile wirkt das Gehirn dem Medikament entgegen und dämpft dessen Wirkung wieder ein. Langfristig können solche Lerndrogen daher sogar genau das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich gewollt war: Aufmerksamkeitsdefizite, Konzentrationsschwäche und verminderte Merkfähigkeit.
 
Legal und gefährlich
Ritalin ist als Medikament erhältlich. Dennoch machen sich Personen, denen es nicht verschrieben wurde, laut Suchtmittelgesetz strafbar, wenn sie es konsumieren. Erwerb und Besitz, aber auch das Anbieten, Überlassen oder Verschaffen für einen anderen ist strafbar, nur für medizinische oder wissenschaftliche Zwecke ist es erlaubt, heißt er hierzu aus dem Gesundheitsministerium. Doch – wie Grabenhofer betont – auch legale leistungssteigernde Substanzen können sich, wenn sie in großen Mengen eingenommen werden, negativ auf die Gesundheit auswirken. „Nur weil etwas legal ist, heißt das nicht, dass es auch risikoärmer ist“, mein Grabenhofer. So kann etwa Abhängigkeit auch von legalen Suchtmitteln oder Medikamenten entstehen.

Verbot wie bei Doping?
In Zukunft wird man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Frage stellen, wie mit solchem Lerndoping umgegangen werden soll. Mit der Geschwindigkeit in der heutzutage geforscht wird, wird es immer bessere Medikamente mit spezifischerer Wirkung und weniger Nebenwirkungen geben.
 
Man könnte Parallelen zum Doping im Sport ziehen und die Einnahme von gewissen Medikamenten gesetzlich verbieten. Dann aber müsste man die Drogeneinnahme kontrollieren – ähnlich wie beim Doping im Sport etwa durch Drogenscreenings. Das Gesundheitsministerium sieht sich allerdings nicht in der Lage zu beurteilen, ob solche Methoden sinnvoll sind. Allerdings wird betont, dass Screenings allgemein mit einer Reihe von Unsicherheitsfaktoren, wie etwa Fehlerquoten, verbunden sind. Daher sollte Information und Bewusstseinsbildung im Vordergrund stehen.
 
„Brave New World“ als Zukunftsvision
Nicht nur neue Medikamente könnten hergestellt werden. Es könnten auch Gehirnoperationen, die die Aufmerksamkeit erhöhen, entwickelt werden. Das klingt heute noch sehr nach Science-Fiction und liegt (wenn es überhaupt jemals realisiert wird) noch in weiter Ferne. Allerdings werden schon heute Elektroden in das Gehirn von Parkinson-Patienten implantiert – diese stimulieren dann deren Gehirn, um die Symptome zu lindern. Solche Elektroden könnten theoretisch auch eingesetzt werden, um die geistigen Fähigkeiten zu verbessern. Es bleibt abzuwarten, wie weit wir für perfekte Leistungen gehen werden.

 

Artikel von

Judita Huber

 

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