Frauen und Technik
Wie fühlt man sich als Frau in einem technischen Studium? mokant.at fragt nach
Alexandra Hochreiner ist eine Exotin. Zumindest wird sie so von ihren Mitmenschen behandelt, wenn sie von ihrem Studium erzählt. Und das nervt Alexandra. „Da seid ihr aber nicht viele Frauen, oder?“ ist mitunter das erste, was vielen zu einer Studentin des Faches Maschinenbau einfällt. Doch während die wenigen Technikerinnen sich so gar nicht über ihren Minderheitenstatus definiert sehen wollen, so berechtigt erscheint die Neugierde am Hochschulleben dieser Exotinnen.
Die Fakten
Trotz unzähliger Initiativen wie dem „Töchtertag“ und „FIT – Frauen in die Technik“ halten sich die Mehrheitsverhältnisse in der technischen Hochschulbildung zugunsten der Männer seit vielen Jahren hartnäckig. Auch das Mehrangebot durch die Fachhochschulen (FH) hat daran wenig geändert. Die größte technische FH Österreichs, die FH Technikum Wien rechnet auch heuer mit knapp 15 Prozent weiblicher Studierender: ein ähnlicher Wert wie in den vergangen Jahren. Doch es gibt auch Erfolgsgeschichten: Architektur an der Technischen Universität (TU) Wien studieren mittlerweile beinahe 50 Prozent Frauen. Und auch die Fachhochschulen, die sich seit 1994 besonders im technischen Bereich einen Namen gemacht haben, liefern mit Produktdesign und Technische Kommunikation eine weibliche Erfolgsgeschichte. Diese Studienrichtung schaffte es im Wintersemester 2009/10 gar unter die Top Ten der FH-Studiengänge, gereiht nach ihrem Frauenanteil.
Der Alltag der wenigen Frauen
„Viel selbstbewusster und selbstreflektierter“ hat Johanna Kivalo ihre wenigen Kolleginnen erlebt. Den Minderheitenstatus während ihres Studiums der Technischen Physik an der TU Wien und System Engineering an der FH Kärnten, hat sie als sehr angenehm in Erinnerung. Besonders im Vergleich zu einem Job vor dem Studium, den sie nur unter Frauen verbrachte. Und ähnlich wie für Alexandra Hochreiner spielte das Frausein für sie selbst weniger eine Rolle, als es Studien und dergleichen oft glauben lassen (wollen). „Ich wusste ja schon im Vorhinein, worauf ich mich einlasse“, schildert sie ihre Erwartungshaltungen und spielt dabei auch auf männliche Traditionen an. Das obligatorische Prüfungsbier ist so eine, und ist dennoch weniger obligatorisch als es vermuten lässt. Denn die Geschlechter untereinander kommen sehr gut miteinander aus. Dies bestätigen sowohl die Genderbeauftragten der FH Technikum Wien als auch Juliane Mikoletzky vom Arbeitskreis für Gleichbehandlung der TU Wien. „Bis auf ein paar wenige anonyme Mails männlicher Studenten, die sich über eine Bevorzugung von Frauen beschweren“ hätte sie keinen Argwohn unter den Geschlechtern erlebt, daher sieht sie auch kaum Handlungsbedarf.
Benachteiligung oder Bevorzugung?
„Ein Professor gab mir bei einer Prüfung eine Marketingaufgabe, mit den Zusatz, dass mir das als Frau ja liegen müsse“, erzählt Johanna Kivalo schmunzelnd und betont gleichzeitig vehement die Einmaligkeit einer solchen „Bevorzugung“. Solche Ritterlichkeiten haben aber – genauso wie offene Formen von Diskriminierung – eher Seltenheitswert. Alexandra Hochreiner sieht diese seltenen Vorkommnisse als unvermeidbar. „Auch wenn sich 99,5 Prozent korrekt verhalten, gibt es immer ein paar schwarze Schafe“. Im Großen und Ganzen ist man(n) ihr aber respektvoll gegenüber gestanden.
Einen kleinen Vorteil besitzen die Frauen aber doch. Wenn sie sich für eine Stelle an der Uni bewerben, werden sie bei gleicher Qualifikation gegenüber dem männlichen Bewerber bevorzugt. Anlässlich der geringen Frauenquote beim Lehrpersonal ist das vielleicht ein Grund mehr, dass sich in Zukunft auch mehr Mädchen in das Männerterritorium Technik wagen.
mokant.at collage > fotos: Universität Innsbruck, technikum-wien.at/Lukas Beck (2), flickr.com (2)/ME-Arbeitgeber, huronbikes (CC)
Titelbild: technikum-wien.at






































