Sag mir, wie du wohnst ...
... und ich sage dir, wer du bist. Und zu welchem Wohntyp zählst du?
Ob du aus einem 900-Seelen-Dorf in Vorarlberg oder der Hauptstadt kommst: Wenn du ein Studium beginnst, musst du dich auch fragen, wo du logieren willst. Ob die Wahl auf Komfortzone Hotel Mama oder ein WG- oder Studierendenheimzimmer fällt, ist nicht zuletzt eine Frage des Geldbeutels. Aber auch persönliche Neigungen und Macken spielen eine wichtige Rolle.
Typ 1: Das Nesthäkchen
Das Nesthäkchen ist untrennbar mit dem Ort, in dem es aufgewachsen ist, verbunden. Ob Kirtag oder Feuerwehrfest: Das Nesthäkchen lässt kein regionales Event aus. In Liezen, Wattens oder Schrems ist das Nesthäkchen stadtbekannt und hat 1039 Facebook-Freunde, wenn die beiden Angefragten von heute morgen noch bestätigen. Nur ungern würde das Nesthäkchen seinen Wiegenort verlassen, warten dort doch langjährige Freunde ungeduldig, bis Donnerstagmittag der Rollkoffer gepackt und die Heimreise angetreten wird: Schließlich ist Schützenfest angesagt. Und wenn das Nesthäkchen Freitagmittag verkatert aufsteht, steht das Lieblingsessen – selbstgemachte Pizza – schon am Tisch und frische Wäsche im Kinderzimmer. Immerhin jeder fünfte Studierende entscheidet sich dafür, nach der Matura weiter bei den Eltern zu wohnen. Allerdings würden laut Studierendensozialerhebung knapp 80 Prozent lieber in einem eigenständigen Haushalt leben. Mit 28 Prozent findet sich diese Wohnform überdurchschnittlich häufig in Linz.
Pro: Keine Miete, Mamas Essen, frische Wäsche
Contra: Das mit dem Erwachsenwerden wird auf unbestimmte Zeit vertagt.
Typ 2: Der Netzwerker
Der Netzwerker hat einen großen Freundeskreis und erträgt Einsamkeit so gut wie Chinesen ein Glas frische Kuhmilch. Folgerichtig hat der Netzwerker, bevor er sich für Jus in Innsbruck eingeschrieben hat, zuerst das Schwarze Brett der Rechtswissenschaftlichen Fakultät studiert, ob ein passendes WG-Zimmer frei wird. Mehrere Telefonnummern im Gepäck und die Bewohner der ersten WG sind bereits so begeistert vom charmanten Jungspund, dass er dort einen Tag später einziehen kann. Der Netzwerker ärgert sich zwar gelegentlich über schimmelnden Käse im Gemeinschaftskühlschrank oder Zahnpastaspritzer am Badezimmerspiegel, genießt ansonsten aber die Zeit mit seinen neugewonnen Freunden. Ob beim Wasserpfeiferauchen oder dem neuen Vin-Diesel-Film: Der Netzwerker ist immer eine angenehme Gesellschaft. Ebenfalls jeder fünfte Studierende entscheidet sich für ein Leben in einer Wohngemeinschaft. Für ein Viertel entspricht das auch dem tatsächlichen Wunsch. Mit 33 Prozent wählen Studierende diese Wohnvariante überdurchschnittlich oft in Innsbruck.
Pro: neue Freunde, WG-Parties, Austausch über das Studium
Contra: mangelnde hygienische Zustände
Typ 3: Die Pärchenhälfte
Die Pärchenhälfte ist genau am 16. Dezember seit acht Jahren mit ihrem Partner zusammen und eine gemeinsame Wohnung steht für sie außer Frage. Daher hat sich die Pärchenhälfte am Tag nach der bestandenen Matura gemeinsam mit dem Partner, der bereits in Klagenfurt Publizistik studiert, nach einer neuen Bleibe umgesehen. Liegen die Strapazen der Uniwoche endlich hinter der Pärchenhälfte, geht es mit Schatz Richtung Videothek, um sich Stoff für den gemeinsamen Fernsehabend zu besorgen. Nach „Kokowääh“ und „Ein Plan zum Verlieben“ wird „gekuschelt“ – und sich früh schlafen gelegt, um für den Thermalbadausflug am nächsten Tag nach Bad Bleiberg fit zu sein. Fast 30 Prozent der Studierenden entscheiden sich für diese Wohnform. Für vier von fünf Studierenden entspricht die Wohnform auch dem tatsächlichen Wohnwunsch. Mit 40 Prozent findet sich diese Wohnform überdurchschnittlich oft in Klagenfurt.
Pro: Unabhängigkeit von den Eltern
Contra: Abhängigkeit vom Partner
Typ 4: Die Wohnheim-Partyqueen
Die Wohnheim-Partyqueen sucht nach der Matura pragmatisch nach einem Schlafplatz in ihrem Studienort. Da die Wartelisten lang sind, hat sie sich bereits ein halbes Jahr vor Beginn der Sommerferien für mehrere Heime beworben und siehe da, sie wurde erwählt. Nach quälenden Lernmarathons entspannt sie sich am liebsten bei einem (oder mehreren) Gläschen Wein auf einer der zahlreichen Studentenfeten ihres eigenen oder des Nachbar-Wohnheims. Ob Semesterstart-Party oder Psychologiefest: Die Wohnheim-Partyqueen weiß, wo man Spaß hat und ist gern gesehener Gast auf allen Feten, lässt sie dort doch schon mal die Hüften kreisen zur neuen Lady-Gaga-Nummer und geizt nicht mit Einblicken in ihr Dekolleté. Mit dem Pädagogik-Studium liegt sie zwar über der Zeit, dafür weiß sie, wo nächsten Mittwoch die Post abgeht. Etwa jeder zehnte Studierende in Österreich lebt im Wohnheim. Die Wohnform entspricht nur bei 11,2 Prozent dem tatsächlichen Wohnwunsch, 60 Prozent würden lieber in einem eigenständigen Haushalt leben.
Pro: Mobiliar vorhanden, (relativ) günstig, Kontakt zu anderen Studierenden
Contra: Doppelzimmer, verdreckte Gemeinschaftsküchen
Typ 5: Die Unabhängige
Die Unabhängige ist 27 Jahre alt und müsste ihr Medizinstudium in absehbarer Zeit beendet haben. Während sie sich in ihren ersten Semestern an der Uni in Studierendenheimen und Wohngemeinschaften herumgeschlagen hat, hat sie vor zwei Jahren endlich ihre persönliche kleine Oase mitten in der Stadt gefunden: ihre Wohnung. Nach dem Motto „My home ist my castle“ tut und lässt die Alleinlebende, was ihr gefällt. Weil es sich kaum auszahlt, für eine Person zu kochen, steht sie mit der Tütensuppenindustrie auf Du und Du. Wenn sie sich einsam fühlt, trifft sie Freunde im Café oder lädt sie ein, um für sie zu kochen. Jeder fünfte Studierende lebt in einem Einzelhaushalt, für vier von fünf ist es die gewünschte Wohnsituation.
Pro: Unabhängigkeit
Contra: Einsamkeit
Liebe Leserin, lieber Leser: Jetzt musst du dich entscheiden ...
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