Felix Gottwald über Doping
Felix Gottwald über seine Ernährung und die Möglichkeiten im mentalen Bereich
mokant.at: Thema Doping: In Zeiten, wo Doping ein großes Thema ist, hast du ganz auf Nahrungsergänzungsmittel verzichtet, die ja bereits auch von vielen Hobbysportlern eingenommen werden. Erstens: Warum? Zweitens: Wie schwer war die Ernährung?
Felix Gottwald: Dass wir nicht alle Nährstoffe bekommen und Nahrungsergänzungsmittel brauchen, ist ja nur ein genialer Schachzug der Marketingschiene von den Produzenten und Anbietern. Dass man uns einredet, dass unsere Lebensmittel keine Lebensmittel mehr sind, das ist das andere. Natürlich musst du dich vernünftig ernähren, sprich als Ausdauersportler brauchst du viele Kohlenhydrate, die kannst du in Form von Nudeln am besten aufnehmen. Gesunde Mischkost ist wichtig, bei Fleisch war ich sehr heikel. Schweinefleisch habe ich gar keines mehr gegessen, und Fleisch nur, wenn ich gewusst habe, von welchem Bauer es her ist. Aber das Thema Doping an sich oder das Thema Betrug ist nicht nur auf den Sport begrenzt, sondern ist breit gefächert. Die Idee, dass du einen Abschneider nimmst, ist ja nicht neu, das haben einige probiert. Das hat zur Folge, dass maximal eine Katastrophe dabei herauskommt, unter Garantie ein Flächenbrand. Das sieht man jetzt in der Wirtschaft, wie alle „aufgeplattlt“ werden, das ist im Sport das gleiche. Du solltest dich ein Leben lang im Spiegel anschauen können, egal ob du im Sport unterwegs bist, in der Wirtschaft oder als Journalist.
mokant.at: Wenn man Aussagen eines Bernhard Kohl oder von vielen anderen verfolgt, bekommt man als Außenstehender den Eindruck, dass es ohne Doping im Ausdauersport gar nicht mehr geht …
Felix Gottwald: Ich bin überzeugt, dass sich manche, die diesen Abschneider wählen, nicht bewusst sind, was im mentalen Bereich alles möglich ist. Der Abschneider ist natürlich bequemer als sich jeden Tag mit sich selber zu beschäftigen. Aktiv war das bei mir seit 1995 der Fall, also es sind alleine elf Jahre bis Turin, in denen ich in einem Bereich gearbeitet habe, bei dem andere gar nicht wissen, dass es ihn überhaupt gibt. Wenn du die vollen Möglichkeiten erkennst, brauchen wir über das Doping gar nicht mehr reden, weil es eigentlich lächerlich ist.
mokant.at: Bist du optimistisch, dass man das Problem in den Griff bekommt?
Felix Gottwald: Das ist ungefähr die gleiche Frage, wie wenn du mich fragst: „Bist du optimistisch, dass es in der Wirtschaft nie mehr einen Betrug gibt?“ Wenn wir das Geld abschaffen, dann ja, solange wir das Geld haben, wird es auch Betrug geben.
mokant.at: Wie schon von dir erwähnt, hältst du Vorträge und leitest Impulstage in Loipersdorf. Was kann man sich darunter vorstellen?
Felix Gottwald: Es geht in Wahrheit um meinen Zugang zum Leben, verpackt in viele Metaphern und kombiniert mit Übungen, um es nachvollziehbar und für jedermann anwendbar zu machen. Das ist die große Kunst, die ich versuche weiterzugeben. Zum Teil auch auf die kleinste Zelle herunterzubrechen, die es gibt: das ist für viele dieser Effekt, dass Erfolg nur das ist, was aus unseren Gefühlen, aus unseren Gedanken und unseren Handlungen folgt. Es geht ums Tun. Nur zu wissen, dass unsere Gedanken die Realität abschaffen, nur zu spüren, dass es möglich wäre, ist zu wenig. Ich muss dann die Sache auf den Punkt bringen, das ist das Entscheidende.
mokant.at: Du arbeitest gerade an einem neuen Buch - um was wird es gehen, wann wird es erscheinen?
Felix Gottwald: Es ist ein Hörbuch. Es geht um die erwähnten Dinge und dass sie jeder nachvollziehen und mit Übungen kombiniert darin einsteigen kann, egal in welchem Bereich er arbeitet. Erscheinungsdatum sollte sich Ende Oktober ausgehen, spätestens aber 2012.
mokant.at: Welche Sportarten betreibst du seit deinem Karriereende, welche verfolgst du passiv?
Felix Gottwald: Passiv Sport verfolge ich ganz wenig, erstaunlich wenig, weil dann grundsätzlich weniger Zeit ist, um sich mit sich selbst zu beschäftigen, in sportlicher Hinsicht. Meine Devise ist die tägliche Sportstunde. Wenn ich – so wie heute – weniger Zeit habe oder das Wetter nicht passt, setze ich mich zumindest für eine Stunde auf den Ergometer. Heute hat es nämlich bei uns in der Ramsau geschneit - zum Langlaufen war es zu wenig Schnee, zum Laufen schon zu viel. Sonst Radfahren-Biken, Berg gehen, Laufen und Golf spielen, obwohl Golf für mich mehr ein Spiel ist. Es ist jedenfalls sehr facettenreich und der Hobbysport ist ohnehin ungleich schöner als der Spitzensport.
mokant.at: Wird man dich – wie in deiner Karrierepause – im kommenden Winter wieder als Co-Kommentator im ORF erleben?
Felix Gottwald: Nein, da wird man mich jetzt einmal nicht erleben, weil ich momentan andere Aufgaben habe. Da bleibt eigentlich zu wenig Zeit, dass ich den ganzen Winter von Donnerstag bis Montag mit dem ORF unterwegs bin. Es war eine lässige Zeit und gute Erfahrung, aber jetzt stehen einfach andere Sachen an.
mokant.at: Kannst du dir längerfristig vorstellen im Verband oder als Trainer tätig zu werden?
Felix Gottwald: Längerfristig denke ich sowieso nicht vor, weil es unsinnig ist. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Die Zukunft ist ohnehin nur ein Konstrukt unserer Vorstellung. Jetzt ist es mir einmal wichtig, dass ich in ein neues Fahrwasser hineinkomme, dass ich neue Erfahrungen sammeln kann. Gleich wieder einzutauchen und nur die Seite zu wechseln, also zum 19. Mal im November nach Kusamo zu fahren … Da ist es mir lieber ich mach etwas anderes. Auf mich warten neue Herausforderungen, auf die ich mich schon freue!








































