22. Juli 2011 | Gesellschaft

Der Guide für die Mongolei

 
mokant.at > foto: julia wojta
Die mongolische Jurte schützt sogar bei minus vierzig Grad
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Die Mongolei ist das am dünnsten besiedelte Land der Welt

Reisetipps für die Mongolei: Dschingis Khan, Ringkämpfe und gegorene Stutenmilch

 

Wer nur Kluburlaube kennt, muss in der Mongolei seine Ansprüche zurückschrauben oder für ein paar Wochen gänzlich einstellen. Mongoleireisende müssen vor allem viel Geduld, Abenteuerlust und Liebe zur Natur einpacken. Hier neun Gründe, in die Mongolei zu fahren, oder es vielleicht doch bleiben zu lassen.

 

Tipp 1: Mongolei zu Pferde

Wer es liebt, auf dem Pferderücken die Umgebung zu erkunden, ist in der Mongolei genau richtig. Auf 2,4 Millionen Einwohner kommen 2 Millionen Pferde, ein Pferd findet sich also leicht. Mongoleireisende haben schier endlose Weiten vor, hinter und neben sich. Ob Wüste, Wald, Steppe, Seen oder Gebirge: Mit dem Pferd ist alles zu erreichen. Ein mongolisches Sprichwort besagt: „Ein Pferd ohne Reiter ist immer noch ein Pferd, aber ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch.” Wer noch nicht geübt ist im Reiten, sollte höchstens einen kurzen Reitausflug einlegen. Um die Pferde muss man sich keine Sorgen machen. Sie sind bei Weitem nicht die schönsten, aber dafür die zähesten Pferde der Welt. Bocken, Beißen und Ausschlagen kann alles schon mal vorkommen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Ein mehrtägiger Reitausflug kann daher für Anfänger schnell zu einer sehr schmerzhaften Angelegenheit werden.

 

Tipp 2: Fleischliebhaber vortreten

In der Mongolei steht Fleisch ganz oben in der Nahrungsmittelpyramide; es gibt reichlich Auswahl an Schaf, Hammel, Kamel, Pferd und Ziege. Das Fleisch wird in der Jurte (dazu später) über dem Feuer gekocht und dann gemeinsam verzehrt. Das Fett wird gerne gegessen, schließlich macht es dick und schützt vor der Kälte im Winter. Beilagen gibt es naturgemäß kaum. Es ist nicht leicht, im harschen Klima der Mongolei mit seiner extremen Hitze und Kälte Gemüse anzubauen. Außerdem „essen nur Tiere Grünzeug“. In der mongolischen Kultur gibt es keine Fleischverweigerer, es hat auch wenig Sinn, zu erklären, was es mit dem Vegetarismus auf sich hat.

 

Tipp 3: Schlafplatz Jurte

Die Mongolei ist das am dünnsten besiedelte Land der Welt, die Bevölkerung besteht überwiegend aus Nomaden. Eine knappe Million Mongolen, also mehr als ein Drittel der Bevölkerung, lebt in der Hauptstadt Ulan Bator. Nomaden müssen aufgrund der launenhaften Natur praktisch denken und hausen daher in sogenannten Jurten. Die Jurte ist ein rund 25 Quadratmeter großes Zelt und dient als Wohnung für die gesamte Familie. Sie lässt sich innerhalb einer Stunde komplett aufbauen, abbauen und aufs Kamel laden. Dank der Feuerstelle im Inneren schützt sie vor Temperaturen von bis zu minus vierzig Grad im Winter. Im Sommer ist sie dennoch kühl. Manche Jurten sind mit harten Holzbetten ausgestattet, in anderen heißt es am Boden schlafen. Mongoleireisende sollten auf das korrekte Verhalten in der Jurte achten.

 

Tipp 4: Benimmregeln einstudieren

In einem fremden Land sollte man sich zu benehmen wissen. Das gilt besonders für die Mongolei mit ihren zum Teil jahrhundertealten Sitten und Bräuchen. Wichtig ist, immer alles mit der rechten Hand zu geben und entgegen zu nehmen, nie mit der linken! Niemals anklopfen beim Betreten einer Jurte und auch niemals gegen die Türschwelle treten! Auch sollten Reisende darauf achten, niemals Abfall oder Zigarettenasche in das Jurtenfeuer zu werfen, denn das Feuer ist heilig. Auf keinen Fall beim Sitzen die Füße in Richtung Feuer ausstrecken! Frauen ist die rechte Seite der Jurte zugedacht, Männern die linke. Angebotenes Essen immer probieren, eine Ablehnung gilt als äußerst unhöflich! Wichtig ist es auch, immer ein Gastgeschenk für die Jurtenbewohner dabei zu haben. Gerne gesehen sind Alkohol, Schokolade, Seife, Batterien und Tageszeitungen.

 

Keine Sorge, nach drei Wochen Mongolei-Urlaub steigt man ganz automatisch von links auf ein Pferd. Auch Autos immer von links betreten, wenn möglich! Sich diese Verhaltensregeln der Heimat wieder abzugewöhnen, fällt schwerer als man denkt.

 

Tipp 5: Dinosaurierknochen sammeln

Für alle, die schon als Kind davon geträumt haben, einen Dinosaurierknochen auszugraben, ist die Mongolei der Place-to-be. Dinoknochen zu finden, ist dort so leicht wie Gänseblümchen pflücken auf einer Wiese im Salzburger Land. Es heißt, in der Mongolei gäbe es mehr tote Dinosaurier als lebende Wesen. Augen auf und schon kann es losgehen mit der Suche! Die Einheimischen werden allerdings nur kopfschüttelnd bei der fanatischen Graberei nach Knochen zusehen. Für sie waren das alles Drachen. Dennoch nicht den Spaß verderben lassen! Und noch ein Tipp: Im Juni, nach acht Monaten Winter, in denen sich kein Mensch zu den Gräbern gewagt hat, liegen manchmal Skelette ganzer Dinosauerierfamilien frei.

 

Tipp 6: Stutenmilch gegoren genießen

Ablehnen ist unhöflich, schon vergessen? Also einfach mal probieren! Am besten nicht daran riechen, sondern einfach runter damit. Was genau trinkt man da eigentlich? Es handelt sich um „Airag“, gegorene, leicht alkoholische Stutenmilch. Achtung, nur nicht zu viel! Die gegorene Milch fördert die Verdauung, ist also gut für jene, die an Verstopfung leiden. Am besten danach einfach „Arkhi“ nachschütten. Der Milchschnaps wird aus Airag destilliert und hat einen Alkoholgehalt von zehn Prozent. Wer dann noch nicht genug hat von der mongolischen Getränkevielfalt, sollte auch vor „Suutai“ nicht haltmachen. Das ist ein Milchtee, der meistens mit Salz zubereitet wird. Es kann aber auch vorkommen, dass dem Tee Butter, gerösteter Reis, in Fett erhitztes Mehl oder getrocknetes Fleisch hinzugegeben wird.

 

Tipp 7: Im Jeep überleben

Wenn die Reitoption mangels Komfort und Übung wegfällt, bleibt nur das Fahren im Jeep. Wer ohne ortskundigen Fahrer losziehen möchte, wird es schwer haben. Zwar gibt es Navigationssysteme, die finden sich aber nicht zurecht in einem Land ohne Straßen. Und was die GPS-Geräte schon gar nicht können, ist Jurten aufstöbern. Also besser mit einem erfahrenen Fahrer durch die Mongolei ruckeln, der sich auskennt. Der weiß zum Beispiel, wie man den Jeep wieder flott bekommt, wenn er im feinen Sand der Wüste Gobi feststeckt.

 

Tipp 8: Meide die Hauptstadt, raus in die Natur

Der erste Eindruck von Ulan Bator, UB („YouBee“) genannt, erweist sich bei näherer Betrachtung als richtig: Die Stadt ist trostlos, langweilig und nach Einbruch der Dunkelheit außerhalb des Zentrums auch gefährlich. Die Straßen sind voller teurer Autos, während zahlreiche Kinder im Kanalisationssystem leben. An der Stadt, deren Name übrigens „der rote Held“ bedeutet, kommen Reisende aber nicht vorbei. Immerhin gibt es eine internationale Verkehrsanbindung nur in Ulan Bator. Wer also schon mal dort ist, sollte versuchen, das Beste daraus zu machen. Es heißt, hier werden die wildesten Partys gefeiert. Man hört Geschichten von turbulenten Parforcejagden von einem Klub zum nächsten, wo halbnackte Mädchen im Trockeneisnebel in Käfigen tanzen.

 

Tipp 9: Naadam, die Olympischen Spiele der Nomaden

Wer sich entscheidet im Juli die Mongolei zu bereisen, hat Glück! Das größte und wichtigste Fest des Jahres findet am 11. und 12. Juli statt. Es handelt sich um ein Sportfest, wo Mann sich in drei Disziplinen übt: Ringen, Bogenschießen und Pferderennen. Der Wettbewerb, bei dem mit der Handkante die Wirbelsäule eines Rindes zertrümmert wird, wurde mittlerweile abgeschafft (puh, das anzusehen, hätten wohl die wenigsten Touristen und Touristinnen ertragen). Es geht wild zu bei dieser Veranstaltung. Sportlich gesehen ist das Land aber noch nicht in der Gegenwart angekommen. Der Gewinner gilt als Held der Nation und als Sexsymbol aller Frauen. Jeder im Land kennt seinen Namen und Postkarten mit seinem Gesicht werden verkauft. Dem Sieger schenkt der Staat ein Haus und einen japanischen Jeep. „Wer Sieger ist, ist fast Gott“, heißt es.

 

Drei Insider-Tipps:

1. Nicht vergessen, deine Lieblingssongs auf Kassette zu überspielen! Lange Jeepfahrten können unerträglich werden, wenn Mongolen ihre Lieblingsmusik auspacken. (Modern Talking ist sehr beliebt!)

2. Ein dicker Schlafsack ist wirklich wichtig. Wenn das Feuer in der Nacht ausgeht, wird es eisig in der Jurte.

3. Lern ein paar Wörter auf Mongolisch, das schindet Eindruck und kann auch mal Lachanfälle auslösen.

 

Was du auf keinen Fall machen solltest:

1. Einfach mal drauf losfahren. Das ist einfach zu gefährlich und Verlorengehen macht auch keinen Spaß.

2. Als Vegetarier auf Verständnis hoffen. Nimm dir deinen eigenen Vorrat an Dosenravioli oder Knäckebrot mit.

3. Die Benimmregeln vergessen. Also präg sie dir gut ein, bevor es losgeht! Wir wollen doch in einem guten Licht dastehen vor unseren Gastgebern.

 

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