„Da können wir gleich ein Puff aufsperren!“
Poledance-Trainerin Mona Arbinger über „Popowackeln“ und Unkrautzupfen
Poledance ist schwieriger als es aussieht. Was anfangs wie eine Mischung aus „Popowackeln“ und Herumwirbeln um eine Metallstange erscheint, stellt sich später als intensives Krafttraining heraus. Doch wer macht bei etwas mit, das in erster Linie mit schlüpfrigen Erotik-Shows assoziiert wird? Das und noch viel mehr hat mokant.at die Poledance-Trainerin Mona Arbinger gefragt. Seit zwei Jahren praktiziert sie Poledance und betreibt das Studio „Polearts“ in Wien. Im Interview erzählt Arbinger, was es mit dem Sport auf sich hat, wieso er manchmal an Unkrautzupfen erinnert und warum Männer beim Poledance im Vorteil sind.
mokant.at: Poledance ist ja nicht ganz unumstritten. Hast du schon einmal erlebt, dass Leute die Nase gerümpft haben?
Mona Arbinger: Definitiv! Mein Papa und meine Oma haben am Anfang auch ganz böse geredet: „Da können wir ja gleich ein Puff aufsperren!“ Ganz oft, wenn ich erzähle, dass ich Poledance mache, fragen die Leute entgeistert: „Was?“ Aber dadurch, dass man das doch hin und wieder im Fernsehen sieht oder in der Zeitung davon liest, werden die Leute offener. Natürlich ist „Popowackeln“ dabei, aber wenn ich oben an der Stange arbeite, muss ich mein Gesamtkörpergewicht tragen, so, dass es auch wirklich leicht ausschaut. Das ist echt schwere Arbeit. Und spätestens dann, wenn es die Leute am eigenen Leib gespürt haben, merken sie, dass es nicht so einfach ist, wie es ausschaut.
mokant.at: Ist Poledance ein reiner Frauensport oder hast du auch Männer in deinen Gruppen?
Mona Arbinger: Ich habe auch einen Mann in der Gruppe, der immer fix dabei ist. Es ist eigentlich so eine Gemeinheit: Männer sind leider von der Kraft her anders gebaut als Frauen. Wofür ich monatelang trainiere, macht der einfach so. Das Programm, das wir hier anbieten, ist aber sehr auf Frauen zugeschnitten, weil viele Dancemoves dabei sind, viel „Popowackeln“. Da meinen Männer immer gerne: „Das ist schwul“. Würde ich mehr für Männer anbieten, würde ich mehr in die Akrobatiklinie reingehen, also von dem „Popowackeln“ etwas weggehen.
mokant.at: Wie würdest du deine Schüler beschreiben?
Mona Arbinger: Das ist ganz, ganz verschieden. Ich habe teilweise Anfragen: „Bin ich zu alt?“ – „Nein.“ „Bin ich zu jung?“ – „Wahrscheinlich auch nicht.“ Wir machen ja keine unseriösen Sachen, dass wir uns an primäre oder sekundäre Geschlechtsteile greifen oder sonst irgendetwas. Wenn die Einverständniserklärung der Eltern da ist, haben wir auch überhaupt kein Problem. Von den Berufsgruppen her ist es auch ganz verschieden: Bankangestellte, eine Ärztin, eine Ingenieurin. Ab und zu auch Gogo-Tänzerinnen und Striptease-Tänzerinnen, aber das ist eher ein Minimalprozentsatz.
mokant.at: Hat dich schon mal etwas, was deine Schüler gemacht haben, ins Schmunzeln gebracht?
Mona Arbinger: Mit meiner Art wirke ich ja ab und zu etwas schroff und gebe auch gerne mal Kommentare von mir, so wie: „Das schaut jetzt aus, wie eine alte Frau beim Unkrautzupfen“. Oder ab und zu, wenn ich dann im Augenwinkel sehe, dass das nicht so der Move war, dann sag ich auch immer: „Das war jetzt eine Eigenkreation.“ Schadenfroh bin ich schon sehr, aber Fehler sind eigentlich ganz normal.
mokant.at: Wie hast du dich am Anfang beim Stangentanzen angestellt? Hast du dir sofort leicht getan?
Mona Arbinger: Ich glaube, ich habe mir leicht getan – was für mich aber eine irrsinnige Überraschung war. Natürlich ist „leicht“ relativ. Aber so ein begleitender Gedanke war: „Verdammt, das tut weh! Verdammt! Das tut weh!“ Und auch wenn ich mit allem gerechnet hätte, dann aber nie damit, dass das auf so eine Art und Weise in den Schenkeln zwickt.
mokant.at: Beschweren sich deine Schüler oft, dass es so weh tut?
Mona Arbinger: Ja, definitiv. „Au, das tut weh“ hör ich ganz oft und immer wieder. Am Anfang tut es in den Schenkeln weh, dann tut es in der Kniekehle weh, dann wieder in den Ellbogenbeugen und so weiter. Es kommen neue Druckpunkte dazu, sag ich ihnen immer. Und: Es wird noch schlimmer.
mokant.at: Das bedeutet, am Anfang hat man besonders viele blaue Flecken?
Mona Arbinger: Ja, die blauen Flecken kommen vorallem dadurch, dass am Anfang die nötige Kraft noch nicht da ist. Man bringt am Anfang die Beine relativ unkontrolliert in die Höhe, weil man glücklich ist, dass man die Stange irgendwie „fängt“. Je mehr Kraft du bekommst, desto kontrollierter kannst du arbeiten, desto langsamer geht das Bein zur Stange. Du haust dir das Schienbein eben nicht mehr an, weil du schon weißt, wann du bremsen musst. Das sind Kraftkoordinationsgeschichten. Wenn das besser wird, werden auch die blauen Flecken weniger.
mokant.at: Es gibt beim Poledance Positionen, die sehr dramatisch und auch ein bisschen gefährlich aussehen. Gab es bei dir oder deinen Schülern bereits einen gröberen Unfall?
Mona Arbinger: Bei mir gab es gottseidank noch keine gröberen Unfälle, aber es kann definitiv was passieren. Das gilt speziell am Anfang beim Kopfüberhängen, weil man sich unsicher ist, weil man sich über die Positionen nicht im Klaren ist. Ich hab gehört, dass ein Mädel mal von der Stange gefallen ist und sich das Genick gebrochen hat. Es passieren wirklich auch schlimme Sachen. Ich bin selber schon mal auf den Kopf gefallen, einfach aus Übermut. Meine Empfehlung ist: Wenn man solche Sachen probieren möchte und sich nicht sicher ist, sollte immer jemand dabei sein, dem erklärt wurde, wie er helfen kann.
mokant.at: Hast du irgendwelche Lieblingspositionen? Lieblingsmoves?
Mona Arbinger: Hmm, das ist schwierig. Was im Moment meine Nemesis ist, ist eine ganz bestimmte Position. Die bringe ich einfach nicht zusammen. Grundsätzlich mach ich aber gerne diese Handspin-Sachen mit zwei Armen an der Stange. Wenn du zwei Beine weg streckst, parallel zum Boden bist, dann sprechen alle von der „Fahne“. Alle Männer wollen die Fahne machen. Das ist mit geöffneten Beinen etwas leichter – das mag ich auch ganz gerne. Trotzdem ist es sehr kraftintensiv.
mokant.at: Wie lange hast du gebraucht, bis du in der Lage warst, das zu machen?
Mona Arbinger: Ich mache das jetzt insgesamt zwei Jahre. Ich glaube aber, es kommt immer auf die persönliche Motivation an und auch auf die Zeit, die man investiert. Ich habe das Glück gehabt, einen Papa mit Fitnessstudio zu haben. Da habe ich immer meine Stange aufstellen können. Es ist also sehr individuell.
mokant.at: Auch wenn manche es nicht so sehen, ist Poledance eigentlich eine Sportart. Du hast bereits an einigen Wettbewerben teilgenommen und gewonnen.
Mona Arbinger: Ich hab 2010 an meinem ersten Wettkampf teilgenommen. Da hab ich den Titel „Miss Aerial Pole Austria Professional“ geholt. Die darauffolgenden Wettkämpfe sind international gewesen. Da ist das Level echt verdammt hoch. Die Mädels, die da an der Spitze mittanzen, kommen alle vom Tanz oder vom Kunstturnen. Die haben auf richtigen Grundlagen aufgebaut und besitzen eine wahnsinnige Flexibilität. Weil ich recht spät mit der Sache angefangen hab, weiß ich, dass irgendwo Schluss ist für mich. Aber am Limit fühl ich mich noch nicht.




















