08. März 2011 | Gesellschaft

Frauen, wehrt euch!

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Clara Zetkin (links) wollte 1910 einen Frauentag einführen

Seit hundert Jahren begehen wir nunmehr den Frauentag. Ist er noch zeitgemäß?

 

Am 8. März vor hundert Jahren gingen mehr als 20.000 Frauen in Wien auf die Straße, um ein Leben zu fordern, das dem eines Mannes gleichgestellt ist. Sie wollten ein selbstbestimmtes Leben, die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit sowie das aktive und passive Wahlrecht. Sie wollten nicht länger Menschen zweiter Klasse sein. Der Internationale Frauentag soll auch heute noch auf die Ungleichbehandlungen von Frauen weltweit hinweisen. Doch braucht es dazu wirklich einen besonderen Tag? Alice Schwarzer fordert etwa seit vielen Jahren: Schafft den „gönnerhaften 8. März“ ab, jeder Tag sollte ein Tag für Menschen sein!

flickr.com/Seattle Municipal Archives

Von Frauenquote zu Beziehungsfrieden
Seit dem ersten Internationalen Frauentag vor hundert Jahren hat sich tatsächlich einiges in der Gleichstellungspolitik getan, doch nach wie vor wird über Ungleichbehandlungen diskutiert. Aktuell werden hierzulande Gehaltstransparenz zur Sichtbarmachung der Gehaltsdiskriminierung, die mögliche Einführung einer verpflichtenden Frauenquote und die weiterhin schwere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, thematisiert.

Und so verändern sich die Forderungen der Politikerinnen und Frauenrechtsaktivistinnen, die traditionell rund um den Frauentag formuliert werden, mit dem gesellschaftlichen Wandel. Nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 1970er-Jahre waren die Forderungen etwa stark vom Frieden dominiert. Frieden bedeutete zunächst die Abwesenheit von Krieg und gewalttätigen Auseinandersetzungen, erfuhr aber mit der Zeit eine Bedeutungsveränderung in Richtung Frieden zwischen den Geschlechtern und in Beziehungen.

 

flickr.com/SuziJane (cc)

Diskriminierung? Endlich verboten!
Die 1970er-Jahre waren auch eine Zeit heftiger weiblicher Proteste, ging es etwa um ein Ausrangieren von Rollenklischees, die heute kaum noch vorstellbar sind: Frauen wollten als Personen mit Persönlichkeit wahrgenommen werden, die Bedürfnisse und Wünsche äußern dürfen. Das Recht auf eine solide Ausbildung und die Ausübung eines Berufs gehörten genauso zur Debatte wie die Gleichbehandlung der Frau vor dem Gesetz, die sich in der Familienrechtsreform von 1975, die etwa das Recht auf Persönlichkeitsentfaltung und Berufstätigkeit der Frau brachte, und dem Gleichstellungsgesetz von 1979 niederschlug, das die Diskriminierung in der Privatwirtschaft erstmals verbot.

 

flickr.com/SPÖ Presse und Kommunikation, Foto: Astrid Knie

Mein Körper gehört mir
Die 1970er-Jahre brachten aber auch die Fristenregelung, also die Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen bis zur 12. Woche. Heute wird die Fristenregelung oft als Meilenstein in der Zurückeroberung des weiblichen Körpers bezeichnet. Die Umbrüche, die schließlich in den 1980er-Jahren deutlich zu spüren waren, wurden in Österreich vor allem von einer Politikerin angetrieben: Johanna Dohnal, erste Frauenministerin Österreichs (SPÖ). Bereits Mitte der 1980er-Jahre startete sie eine Initiative, die sich darum bemühte, Mädchen für technische Berufe begeistern und interessieren zu können. Bislang als „typisch männlich“ geltende Berufe sollten geöffnet werden. Ähnliche Projekte sind heute noch am Laufen, weil sich Geschlechterstereotype hartnäckig halten. Auf Initiative von Dohnal wurden Anfang der 1990er-Jahre auch elementare Frauenrechte umgesetzt: die Beseitigung der Amtsvormundschaft bei ledigen Müttern und das Verbot der sexuellen Belästigung sind nur zwei von vielen Rechten, die für uns heute selbstverständlich sind.

 

1997 fand schließlich auch das sogenannte Frauenvolksbegehren statt, das zentrale Forderungen wie etwa die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Verfassung, die Schaffung von (Chancen-)Gleichheit am Arbeitsmarkt und den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, beinhaltete.

 

flickr.com/DerrickT

Und heute?
Der Slogan „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist zwar nicht neu, hat aber leider noch immer nicht an Aktualität verloren. Wachsende Einkommensungleichheiten zwischen Männern und Frauen sind zu verzeichnen, bestätigt der „Global Gender Gap Report“ aus dem Jahr 2009. Weltweit wurden 134 Länder auf ihre Einkommensunterschiede für gleiche Tätigkeit untersucht und Österreich findet sich in dem Ranking tatsächlich am 122. Platz wieder. Im EU-Vergleich ist nur noch Estland hinter uns.

Bei der Einkommensungleichheit sind wir damit wieder auf dem schlechten Stand von 1980 angelangt. Die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeitszeit ist besonders ungleich aufgeteilt: Der Großteil der Haus- und Kinderbetreuungszeit fällt noch immer den Frauen zu, obwohl sie oftmals ebenso berufstätig sind. Außerdem gibt es nach wie vor hierzulande Lohndiskriminierung. Daraus ergibt sich auch die erschreckende Zahl, dass etwa 13 Prozent der Frauen in Österreich armutsgefährdet sind, wobei besonders alleinerziehende oder alleinlebende Frauen betroffen sind.

 

Uns gehts doch eh gut ...

Viele Frauen in den Zwanzigern und Dreißigern halten den Frauentag und Feminismus generell für überflüssig. Warum diese Frauen so denken, erklärt Ministerin Heinisch-Hosek damit, dass sie in eine Welt hineingeboren wurden, in der sich für die Frauen schon viel zum Besseren verändert hat. Tatsächlich kämpften ihre Mütter und Großmütter dafür, dass sie heute ein Leben mit guten Chancen führen können. Doch das Gefühl der Gleichbehandlung kann auch heute noch in vielen Bereichen täuschen, Studien wie der „Gender Gap Report“ halten uns das eindrücklich vor Augen.

 

 

 

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