08. März 2011 | Gesellschaft

Frauentag im Wandel

wikipedia.org/Bundesarchiv, Bild 183-S83859 / CC-BY-SA (CC)
Der Frauentag 1948 – was hat sich seither verändert und was nicht?

Der Weltfrauentag im Wandel der Zeit.

Ein Blick zurück

 

Den Weltfrauentag, der jedes Jahr am 8. März gefeiert wird, haben wir der zweiten „Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz“ zu verdanken. Seit 1911 wird er jährlich in Österreich, Deutschland, Dänemark, der Schweiz und den USA gefeiert. In den folgenden Jahren kamen Frankreich, Schweden, die Niederlande und Russland hinzu. Ein Blick zurück auf seine Geschichte und den gesellschaftlichen Wandel.

flickr.com/IISG

Früher und heute
Mit dem autoritär geführten Ständestaat 1934 fiel in Österreich die Möglichkeit, den Internationalen Frauentag öffentlich zu begehen. Während des Nationalsozialismus war der Frauentag ebenfalls verboten und wurde durch den für wichtiger erachteten Muttertag ersetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 fand also der erste Frauentag seit elf Jahren statt. 1947 gab es erstmals wieder eine Großkundgebung auf dem Wiener Ring. 1967 wurde das Übereinkommen zur Beseitigung jeglicher Diskriminierung der Frau von den Vereinten Nationen ausgehandelt, das Österreich schließlich 1982 ratifizierte. Die Vereinten Nationen ernannten schließlich 1977 den 8. März offiziell zum „Tag für Frauenrechte und internationalen Frieden“. Seit dem Ende der 1970er-Jahre engagierte sich die autonome Frauenbewegung sehr stark um den Frauentag und damit war dieser nicht mehr rein sozialdemokratisch oder kommunistisch angehaucht. Der Frauentag schaffte gerade in der Mitte der 1990er-Jahre den Sprung in die breite Öffentlichkeit und in die Massenmedien. So kommt heuer, gerade wegen des besonders runden Jubiläums, kein Medium um diesen Tag herum.

 

wikipedia.org/Portrait de Olympe de Gouges (1748-1793), Bild von Alexander Kucharski

Von der Frauenbewegung zum Feminismus
Erste Impulse für die Frauenrechtsbewegung entstanden rund um die Französische Revolution und aus der Emanzipation der Bürger heraus. Zunächst ging es um die Rechte der Bürger, wobei es hier primär um eine Gleichstellung aller Männer vor dem Gesetz ging. Ein wichtiger Gedanke der Französischen Revolution war, dass alle Menschen gleich seien und so forderte Olympe de Gouges – diesen Grundsatz weiterdenkend – bereits 1791 in ihrer „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ dieselben Rechte und Pflichten für die Frauen ein. De Gouges ging von einem egalitären Ansatz aus, der auf alle gesellschaftlichen Bereiche übertragen werden sollte. In Kontrast dazu steht die differenzialistische Auffassung, dass die Geschlechter von Grund auf verschieden seien und das System daher dualistisch und binär aufgebaut sein müsse.

 

 

 

wikipedia.org/Basler Abstimmungsplakat von 1927
Die erste Welle
Die erste Welle der modernen Frauen(rechts)bewegung ist zeitlich gesehen in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts anzusiedeln und ist jene, die sich für grundsätzliche politische und bürgerliche Rechte der Frau einsetzte, wie zum Beispiel das Frauenwahlrecht, das Recht auf Erwerbstätigkeit und auf Bildung. In der späten ersten Welle ist die Initiierung des Internationalen Frauentages zu verorten. Wichtige theoretische Schriften und sogenannte Vorreiterinnen des heutigen Feminismus stammen von Mary Wollstonecraft („A Vindication of the Rights of Woman“, 1792, und „Thoughts on the Education of Daughters“, 1787) und der bereits erwähnten Olympe de Gouges.

wikipedia.org/Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir am Denkmal von Balzac (um 1920)

Die zweite Welle
Der Wertewandel nach dem Zweiten Weltkrieg brachte die zweite Welle der Frauenbewegung zustande. In den 1960er-Jahren wurde die öffentliche Kritik der Studentenbewegung am aktuellen Gesellschaftssystem sehr laut und formierte sich zu einem richtigen Protest. Die gesellschaftlichen Hierarchien wurden analysiert und die Gründe für die Diskriminierung der Frau aufgedeckt. Das Buch „Das andere Geschlecht“ („Le Deuxième Sexe“) von Simone de Beauvoir erschien zwar bereits 1949, wurde aber besonders in dieser Zeitspanne rezipiert.

Die dritte Welle
Der sogenannte third-wave feminism der 1990er-Jahre setzte die Ideen der zweiten Welle leicht verändert fort. Neue Gesichtspunkte, wie die Konstruktion der Kategorien Identität, Sexualität und Geschlecht (sex und gender), wurden in die Diskussion eingebracht. Die philosophische Theoretikerin Judith Butler ist dieser dritten Welle zuzuordnen („Gender Trouble. Feminism and the subversion of identity“, 1990, und „Bodies that matter“, 1993).

 

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