Frauentag im Wandel
Der Weltfrauentag im Wandel der Zeit.
Ein Blick zurück
Den Weltfrauentag, der jedes Jahr am 8. März gefeiert wird, haben wir der zweiten „Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz“ zu verdanken. Seit 1911 wird er jährlich in Österreich, Deutschland, Dänemark, der Schweiz und den USA gefeiert. In den folgenden Jahren kamen Frankreich, Schweden, die Niederlande und Russland hinzu. Ein Blick zurück auf seine Geschichte und den gesellschaftlichen Wandel.
Früher und heute
Mit dem autoritär geführten Ständestaat 1934 fiel in Österreich die Möglichkeit, den Internationalen Frauentag öffentlich zu begehen. Während des Nationalsozialismus war der Frauentag ebenfalls verboten und wurde durch den für wichtiger erachteten Muttertag ersetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 fand also der erste Frauentag seit elf Jahren statt. 1947 gab es erstmals wieder eine Großkundgebung auf dem Wiener Ring. 1967 wurde das Übereinkommen zur Beseitigung jeglicher Diskriminierung der Frau von den Vereinten Nationen ausgehandelt, das Österreich schließlich 1982 ratifizierte. Die Vereinten Nationen ernannten schließlich 1977 den 8. März offiziell zum „Tag für Frauenrechte und internationalen Frieden“. Seit dem Ende der 1970er-Jahre engagierte sich die autonome Frauenbewegung sehr stark um den Frauentag und damit war dieser nicht mehr rein sozialdemokratisch oder kommunistisch angehaucht. Der Frauentag schaffte gerade in der Mitte der 1990er-Jahre den Sprung in die breite Öffentlichkeit und in die Massenmedien. So kommt heuer, gerade wegen des besonders runden Jubiläums, kein Medium um diesen Tag herum.
Von der Frauenbewegung zum Feminismus
Erste Impulse für die Frauenrechtsbewegung entstanden rund um die Französische Revolution und aus der Emanzipation der Bürger heraus. Zunächst ging es um die Rechte der Bürger, wobei es hier primär um eine Gleichstellung aller Männer vor dem Gesetz ging. Ein wichtiger Gedanke der Französischen Revolution war, dass alle Menschen gleich seien und so forderte Olympe de Gouges – diesen Grundsatz weiterdenkend – bereits 1791 in ihrer „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ dieselben Rechte und Pflichten für die Frauen ein. De Gouges ging von einem egalitären Ansatz aus, der auf alle gesellschaftlichen Bereiche übertragen werden sollte. In Kontrast dazu steht die differenzialistische Auffassung, dass die Geschlechter von Grund auf verschieden seien und das System daher dualistisch und binär aufgebaut sein müsse.
Die erste Welle der modernen Frauen(rechts)bewegung ist zeitlich gesehen in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts anzusiedeln und ist jene, die sich für grundsätzliche politische und bürgerliche Rechte der Frau einsetzte, wie zum Beispiel das Frauenwahlrecht, das Recht auf Erwerbstätigkeit und auf Bildung. In der späten ersten Welle ist die Initiierung des Internationalen Frauentages zu verorten. Wichtige theoretische Schriften und sogenannte Vorreiterinnen des heutigen Feminismus stammen von Mary Wollstonecraft („A Vindication of the Rights of Woman“, 1792, und „Thoughts on the Education of Daughters“, 1787) und der bereits erwähnten Olympe de Gouges.
Die zweite Welle
Der Wertewandel nach dem Zweiten Weltkrieg brachte die zweite Welle der
Frauenbewegung zustande. In den 1960er-Jahren wurde die öffentliche
Kritik der Studentenbewegung am aktuellen Gesellschaftssystem sehr laut
und formierte sich zu einem richtigen Protest. Die gesellschaftlichen
Hierarchien wurden analysiert und die Gründe für die Diskriminierung der
Frau aufgedeckt. Das Buch „Das andere Geschlecht“ („Le Deuxième Sexe“)
von Simone de Beauvoir erschien zwar bereits 1949, wurde aber besonders
in dieser Zeitspanne rezipiert.
Die dritte Welle
Der sogenannte third-wave feminism der 1990er-Jahre setzte die Ideen der
zweiten Welle leicht verändert fort. Neue Gesichtspunkte, wie die
Konstruktion der Kategorien Identität, Sexualität und Geschlecht (sex
und gender), wurden in die Diskussion eingebracht. Die philosophische
Theoretikerin Judith Butler ist dieser dritten Welle zuzuordnen („Gender
Trouble. Feminism and the subversion of identity“, 1990, und „Bodies
that matter“, 1993).
Frauen, wehrt euch!
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