05. März 2011 | Gesellschaft

„Zustände wie in Afghanistan“

mokant.at > foto: raimund appel
„Niemand weiß, was in einem Minarett passiert“, meint Kaya

Cahit Kaya erklärt, was in seinen Augen den Zentralrat von der FPÖ unterscheidet

 

 

mokant.at: Welcher Partei würdest du die größte Kompetenz in Sachen Integrationspolitik attestieren?
Cahit Kaya: Keiner. Die größten Probleme machen aus meiner Sicht Grüne und die FPÖ. Die Grünen verhindern jede Kritik, die notwendig wäre. Wahrscheinlich aus Angst, dass die FPÖ jede Kritik, die gerechtfertigt wäre, pauschalisieren würde und für sich nutzt. Was sie auch tut. Es gibt problematische Bereiche bei Migranten, aber es gibt auch genug vorbildliche. Genau das sollte man betonen. Ich habe wirklich ein Problem mit dieser zwanghaften Islamverteidigung bei den Grünen. Für die gibt es ja keine säkularen Muslime. Immer wenn von Muslimen gesprochen wird, ist es eine Frau mit Kopftuch. Genau das ist wieder dieser Zwang, irgendwo hinein gedrückt zu werden, dieses Unmündigmachen. Die Grünen sprechen nur für den orthodoxen Teil der Migranten.

 

 

 

mokant.at collage > fotos: raimund appel
Kaya möchte den Islam ohne Konsequenzen kritisieren können

mokant.at: Was unterscheidet eure Kritik von der der FPÖ?
Cahit Kaya: Das Ziel. Wenn Strache selber in einer deutschnationalen Burschenschaft ist, nehme ich ihm nicht ab, dass er aufgeklärt genug sein kann, um aufgeklärte Kritik zu üben. Sein Ziel ist und wird immer Nationalismus sein. Nationalismus geht in Richtung Rassismus. Und Nationalismus lehnen wir aus dem Grund auch ab. Die Spitzen der FPÖ sind Deutschnationale, keine Österreicher im Grunde, also selbst nicht integriert. Unsere Kritik ist eine säkular-humanistische. Wer den Funken der Aufklärung nun auch unter Muslimen entzünden will, der darf nicht mit dem Kreuz fuchteln. Aufklärung kann auch die säkularen Muslime erreichen. Aber nicht so. Aber genau das scheint er auch nicht zu wollen, denn das würde die ganze Strategie seiner Partei durcheinander bringen. Wir guten christlichen Österreicher, sie, die bösen muslimischen Belagerer.

mokant.at: Wie steht ihr zu einem Kopftuchverbot?
Cahit Kaya: Wir fordern ein Kopftuchverbot in öffentlichen Gebäuden, also in Schulen und auch im öffentlichen Dienst. Was auf der Straße getragen wird, sollte nicht unser Problem sein, das ist die Entscheidungsfreiheit, die man haben sollte.

mokant.at: Warum sollte es dann ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst geben?
Cahit Kaya: Weil Österreich laut Verfassung ja eigentlich ein laizistischer Staat ist. Deswegen würde ich auch sagen: Kreuze genauso raus wie Kopftücher. Und wenn es eine Freiwilligkeit ist, das Kopftuch zu tragen, wird es auch kein Problem sein, dieses während der Dienstzeit abzulegen. Wenn nicht, dann ist es ein Misstrauen in die Umgebung, in die Männerwelt, wenn man das Kopftuch zwanghaft tragen muss, um sich von den Blicken abzugrenzen. Obwohl das Kopftuch genau das Gegenteil bewirkt, es zieht ja die Blicke an. Der Grund, das Kopftuch zu tragen, ist ja nicht wirklich geklärt. Die freiwilligen Muslime tragen das Kopftuch aus religiösen Gründen und drücken damit aus, dass sie unter den Muslimen die frommen sind und deswegen näher an den islamischen Überlieferungen sind und sich deswegen selber über die anderen Muslime stellen, was eigentlich eine Diskriminierung der säkularen Muslime wäre und genauso eine Diskriminierung der Nicht-Gläubigen, also eine doppelte Abgrenzung. Wenn Kritik am Islam Rassismus ist, dann ist das genauso Rassismus.

mokant.at: Bestünde nicht die Gefahr, dass durch ein Kopftuchverbot Frauen oder Mädchen aus frommen Familien noch weniger Chance hätten, auf eine Universität zu gehen oder im öffentlichen Dienst zu arbeiten, wenn sie dort das Kopftuch ablegen müssten?
Cahit Kaya: In der Türkei war es immer so, dass das Kopftuch verboten war. Und ich glaube nicht, dass es sie hindern würde. Wer wirklich Bildung will, muss sich eben entscheiden, ob Bildung oder Religion.

mokant.at: Diese Entscheidung trifft aber oft der Mann in diesen Familien.
Cahit Kaya: Sie wird dadurch nicht freier, wenn man sie das Kopftuch tragen lässt, weil es der Mann entschieden hat. Dann gibt man erst recht nach und sagt: Der Mann entscheidet und wir geben allem nach.

mokant.at: Deine Meinung zu den Anti-Moschee-Initiativen: berechtigte Sorgen oder Folge politischer Angstmache?
Cahit Kaya: Die Sorgen sind berechtigt, aber es wird instrumentalisiert, vor allem von der FPÖ und auch von anderen Parteien. Sowohl die Befürworter als auch die Gegner, die Islamgegner bisher von der FPÖ. Ich hatte auch Kontakt mit ihnen, da sind zum Teil sehr dubiose Leute dabei. Der Grund, sich als Anrainer darüber aufzuregen, weil über ihren Kopf hinweg entschieden wurde, ist berechtigt. Aber die Art, wie es dann gemacht wird ... die Leute, die dahinter stehen, sind zum Teil nicht wirklich glaubwürdig. Genauso ist es aber auch der falsche Weg, jeden, der gegen den Bau von Moscheen oder Islamzentren ist, als Rassist einzustufen. Also die Initiativen finde ich gut, aber dann sollte eine sehr deutliche Abgrenzung zu jeder Form des Rassismus stattfinden, erst dann könnte ich mir vorstellen dies zu unterstützen.

England ist ein typisches Land, wo die Scharia in den islamischen Parallelgesellschaften schon zum Teil Einzug gefunden hat. Es gibt gerade einen aktuellen Vorfall in einer Schule. Dort hat ein Fernsehteam heimlich gefilmt, wie der Islamlehrer die Schüler verprügelt und auch gepredigt hat, dass Ungläubige, also alle Europäer, in die Hölle kommen und man keinen Kontakt mit ihnen haben sollte. Auch der Hass auf liberale Muslime wurde geschürt. Solche Aufnahmen gibt es auch längst in Deutschland. Niemand weiß genau, was in diesen Moscheen und Islamzentren passiert. Genau das ist die Kritik. Bevor man wirklich daran denkt, dort etwas zu bauen und von staatlicher Seite zu fördern, müsste einfach volle Transparenz da sein. Vor allem, wenn die Muslime, die Islamverbände, Interesse an der Integration haben, dann wäre es ihre Pflicht, alles offen preiszugeben, was dort passiert. Wenn sie nichts zu verbergen haben, wird es ja kein Problem sein. Aber im Moment ist es so, dass dort alles geheim gehalten wird und Medien und Politiker nur bis zur Eröffnung erwünscht sind. Danach ist es sehr schwierig für die Medien.

mokant.at: Elisabeth Sabaditsch-Wolff wurde im Februar nach einem Sager während ihres Vortrags im Freiheitlichen Bildungsinstitut, Mohammed habe „gern mit Kindern ein bisschen was“, wegen Herabwürdigung religiöser Lehren zu einer Geldstrafe von 480 Euro verurteilt – ihr kritisiert das Urteil auf eurer Website scharf, warum?
Cahit Kaya: Es geht nicht um die Verteidigung dieser Frau oder ihrer Weltanschauung, die mir eigentlich egal ist, sondern um das Urteil. Dass die Kritik an einer Religion und an einer Aussage, die eigentlich auch so in den Überlieferungen des Islam steht, bestraft wird. Das sind Zustände wie in Afghanistan, wo jemand, der Mohammed kritisiert, umgebracht wird. Hier wird er zwar nicht umgebracht, aber genauso vor Gericht gezerrt und bestraft. Die Kritik geht dahin, dass man aus dieser Sicht keine Religion, vor allem nicht den Islam, kritisieren darf, ohne dann Probleme zu bekommen. Von islamischer Seite oder von religiöser Seite allgemein kommen ständig homophobe Äußerungen, mit denen Ungläubige kritisiert werden. Wir kritisieren diese Einseitigkeit, dass Religion, die einfach auf irgendwelchen Glaubensgrundsätzen und angeblichen Offenbarungen basiert, von denen die meisten schon widerlegt sind, geschützt wird und wissenschaftliche Aussagen oder Zitate aus islamischen Quellen als Hetze bezeichnet werden. Das läuft genau verkehrt. Wenn es nämlich Hetze wäre, dann müsste der Islam an sich verboten werden. Das, was sie macht, ist, aus islamischen Quellen zu zitieren und der Rest ist Interpretation. Wegen Hetze wurde sie ja nicht verurteilt, sondern weil sie gesagt hat, Mohammed sei pädophil gewesen, und genau das steht ja in islamischen Quellen drin und ist in der islamischen Rechtssprechung anerkannt.

mokant.at: Wie hättest du bei der Schweizer Anti-Minarett-Volksabstimmung gestimmt?
Cahit Kaya: Gegen das Minarett. Nicht, weil ich grundsätzlich gegen den Bau solcher Gebäude bin, sondern weil niemand weiß, was dort passiert. Vorher müsste auch geklärt werden, wer dort von welcher islamischen Strömung predigt, wer das finanziert. Durch die Finanzierung wird indirekt politischer Einfluss genommen.

mokant.at: Abgestimmt wurde nur über das Minarett, nicht über Moscheen allgemein.
Cahit Kaya: Trotzdem, das hängt alles zusammen. Das ist aus islamischer Sicht ein Statement, um deutlich zu machen, dass sie da sind. Auch hier werden säkulare Muslime über den Tisch gezogen und es wird wieder so getan, als ob es sie nicht gäbe. Damit wird der orthodoxe Islam, mit seinen meist nicht gerade aufgeklärten Vertretern, als Vertreter aller Muslime dargestellt. Jede Kritik an diesen Leuten wird dann als Kritik an jedem muslimischen Ausländer präsentiert, was nicht der Fall ist. Man sollte beginnen, die Kritik am Islam und die Kritik an den Muslimen allgemein zu trennen, denn genau das wäre für den Rassismus von Nachteil. Man könnte nicht pauschalisieren, sondern könnte nur auf bestimmte Teile hinweisen. Diese Unterscheidung existiert momentan nicht, weder von links noch von rechts.

 

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Cahit Kaya im Wordrap

 

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