Feindbild EU: Verschwörungstheorien und Hetze (2)

illuminati

Ein Ausflug in die drei absurdesten Verschwörungstheorien über die derzeitigen Fluchtbewegungen. Teil 2 des Artikels.

Mit Häme beschreibt Vylíčil, wie die EU, die an einem Übermaß politischer Korrektheit, an einem „gebrochenen Feminismus“ sowie an einem „Homosexualismus“ leide, nun vor den Scherben einer gescheiterten Ideologie stehe. Die Lösung, um dem Genozid zu entgehen, sieht Vylíčil in einem Rückgriff auf familiäre und patriotische Werte – und in einem Austritt aus der EU.

Schließlich kommen auch oft die immer wieder als geheime „Drahtzieher“ vermuteten Illuminati vor, wie zum Beispiel auf der tschechischen Seite svobodnenoviny.eu. Auf der selbsternannten „unabhängigen Online-Zeitung gegen die Mainstreammedien“ veröffentlichte ein anonymer Autor einen Artikel mit dem Titel „10 Anzeichen dafür, dass die Migranten Teil einer unterirdischen Armee sind“. Laut dem Autor seien die Fluchtbewegungen von Illuminati-Bankern und Geheimdiensten (allen voran dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad) organisiert. Über dem Text prangt ein Foto von einer Vielzahl an Männern, scheinbar Asylwerber, die im Schneidersitz ihre Smartphones aufladen. Das beliebte Argument, warum so viele Migranten teure Smartphones besitzen würden, wenn sie doch eigentlich „arm“ seien, fällt somit auch hier: Der Autor sieht darin eine Verbindung zwischen Asylwerbern und Geheimdiensten, welche für die Smartphoneausstattung sorgen.
Die vielen falschen Pässe, die laut dem Artikel viele Einwanderer mit sich tragen, führt der Autor auf den Geheimdienst Mossad zurück, da dieser besonders bekannt dafür sei, auf die Verwendung gefälschter Pässe zurückzugreifen. Des Weiteren spricht der Autor von „Aggressionen“ und „schierem Hass“ seitens der Asylwerber, die auf deren Angriffsbereitschaft auf die europäische Kultur hindeuten würden.

Screenshot von www.express.co.uk

Screenshot von www.express.co.uk

Fake News wie diese werden in wöchentlichen Zusammenfassungen auf euvsdisinfo.eu online gestellt, analysiert und widerlegt. Komplexe Verschwörungstheorien wie die obigen finden sich eher selten, vielmehr liegt der Fokus auf Falschnachrichten, deren Opfer an Beschuldigungen meist die europäische Union ist. Auch die Ukraine ist eine beliebte Angriffsfläche russischer Medien. Der EU werden dabei meist ihre politische Korrektheit und Toleranz vorgeworfen, die in den medialen Darstellungen wie das Feindbild Osteuropas und deren christlicher Tradition dargestellt wird. Dieses Motiv zieht sich auch durch die obigen Verschwörungstheorien, in denen die Fluchtbewegungen den Zerfall der Europäischen Union illustrieren sollen.

Die Frage, die sich stellt, ist: Wie ernst sind solche Webseiten und ihre Betreiber überhaupt zu nehmen? Die Seite svobodnenoviny.eu besitzt über 16.000 Facebookfans, veröffentlichte Artikel ernten in der Regel zwischen 50 und 200 Likes. Die Facebookseite von www.svetkolemnas.info zeichnet über 20.000 Fans auf, es regnet an beipflichtenden Kommentaren, die Artikel werden mehrfach geteilt. Die britische Zeitung Daily Express veröffentlichen einen Artikel zu David Ickes Theorie. Unter dem Text findet sich eine Umfrage, in der gefragt wird, ob Icke mit seiner „Neuen Weltordnung“-Theorie Recht hat: 86 % der Teilnehmer stimmen dem Verschwörungstheoretiker zu. Die Zahlen zeigen, dass die Blogs somit über eine beträchtliche Leserschaft verfügen und dass die Artikel nicht nur gelesen, sondern auch ernst genommen und verbreitet werden. Verschwörungstheorien wie die obigen schüren Hass auf Migranten, auf die Fluchtbewegungen und zuletzt auch auf die europäische Union. Sie sind deswegen sehr wohl ernst zu nehmen – nicht wegen ihrem Inhalt, sondern wegen ihrer Wirkung.

Zurück: Verschwörungstheorien zu einer „Neuen Weltordnung“

Titelbild: (c) Elisa Leclerc


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Blase_rotEine Task Force der EU beschäftigt sich mit der Kampagne „EU vs Disinformation“ damit, Fake News mit Fokus auf den osteuropäischen Raum aufzudecken. Der Hetze gegen die Europäische Union mangelt es dabei nicht an Kreativität. Unsere Artikelreihe „Feindbild EU“ nimmt sich jeweils einen Themenbereich vor.

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