14. April 2011 | Meinung

Liederreigen der Depression

ARGE Kultur Salzburg
Christiane Rösinger reißt ihr Publikum in der ARGE Salzburg mit

Christiane Rösinger gastierte in der ARGE Kultur in Salzburg

 

Christiane Rösinger schreibt seit zwanzig Jahren deutsche Lieder über sich selbst, Alltagsbeobachtungen und die Gesellschaft. Die tiefe Melancholie der Songs kommt manchmal durchaus mit einem Augenzwinkern daher. Die Wahlberlinerin hat in Salzburg Halt gemacht

 

Eine Frau um die fünfzig betritt die Bühne. Die erklärte Pärchen-Gegnerin trägt eine braune Tunika und eine brünette Wuschelhaarfrisur. Es handelt sich um Christiane Rösinger, die an einem verregneten Frühlingsabend in Salzburg gastiert. „Ich präsentiere Euch heute Abend einen bunten Liederstrauß der Depression“, verkündet Rösinger. Die Singer-Songwriterin präsentiert ihr neues Album „Songs of L. and Hate“, eine Anlehnung an Leonard Cohens Album „Songs of Love and Hate“.

 

Im Hintergrund sitzen Andreas Spechtl, den man als Frontman der Band Ja, Panik! kennt, ein junger Mann am Klavier und eine junge Frau an der E-Gitarre. Die Bandmitglieder haben es sich in schlichten, schwarzen Klamotten bequem gemacht. Mit „Sinnlos“, einem Lied über das abgrundtiefe Elend sämtlichen Alltags, beginnt Rösinger ihren Liederreigen. „Es ist ja alles so sinnlos/Das hält ja gar kein Mensch mehr aus“, singt die geborene Baden-Württembergerin.
Die Lieder gleichen Stimmungsbildern einer Melancholikerin. Rösinger singt über Vergeblichkeit und Depression, während der Darbietung tänzelt sie in leichten Schritten, beinahe mädchenhaft, über die Bühne. „Das nächste Lied ist eurer Sprache angepasst, also direkt anbiedernd“, kündigt Rösinger die zweite Nummer an. Schließlich ist, „Es geht sich gut aus“ eine typisch österreichische Wendung. Der Titel heißt allerdings „Es geht sich nicht aus“. Darin kommt eine Ohnmacht gegenüber der Gesellschaft zum Ausdruck. Auch in „Mein zukünftiger Exfreund“ dreht sich alles um nicht erfüllte Erwartungen. Rösinger erweist sich neben ihren Qualitäten als Singer-Songwriterin auch als gute Entertainerin auf der Bühne und erzählt zwischen den Stücken kleine Geschichten. „Andere haben ein neues Frühjahrskostüm, ich hab die Platte.“ Das Publikum lacht. Die Wahlberlinerin trinkt Wein, das Glas stellt sie entweder am Boden oder am Klavier ihres Kollegen ab. Das Publikum zeigt sich von der Darbietung begeistert und honoriert jede Nummer mit lebhaftem Applaus.

 

Hauptsache Raus
Christiane Rösinger setzt mit „Hauptsache Raus“ fort. „Doch ich tu was ich kann/ Und ich lass mir nicht gehen/ Mich wird keiner am Boden sehen/ Ich wart bis sich das nächste Unglück anbandelt/ Sich das symbolische Kapital in echtes verwandelt“ singt die 50-Jährige über beschwingte Pianotöne. Zur Auflockerung schließlich nimmt Rösinger Anleihen an Musik aus den 1960ern und covert den Nico-Song „These Days“. Für die älteren Semester bringt Rösinger schließlich eine Nummer, die bereits zwanzig Jahre auf dem Buckel hat: „Die Pärchenlüge“. Das Lied erschien 1991 auf der Platte „Die Lassie Singers helfen Dir“, einer Band, der Rösinger angehörte und die in den 1990ern große Erfolge feierte. Feine Beobachtungen der Gesellschaft liefert auch das darauf folgende Stück „Büro Büro“. Es erschien 2006 auf dem Album „Das schöne Leben“ der Band Britta, der Rösinger ebenfalls angehört. Auf ironische Weise erzählt „Es ist so arg“ von der Kaputtheit der Individuen unserer Gesellschaft und wie sich jeder in seinem Schmerz noch überbieten möchte. „Das Blumenstrauß depressiver Lieder ist fast abgepflückt“, verkündet Rösinger und setzt zum finalen Stück „24 Stunden sind kein Tag“, auch ein Britta-Song, an.
Das Publikum hat noch nicht genug gehört und bittet die Songpoetin mit lauten Zugabe-Rufen abermals auf die Bühne. Das gibt Rösinger die Gelegenheit, weitere Schmankerl ihres musikalischen Schaffens zu performen.

Rösinger beobachtet nicht nur das Innen, sondern auch das Außen, so auch in ihrer etwas anderen Berlin-Hymne, deren Text für ein Schmunzeln sorgt. „Wenn die Fahrradfahrer/ Uns vom Bordstein fegen/ Die Verrückten in der U-Bahn wieder laut mit sich selber reden/ Ja dann sind wir wieder in Berlin.“ „Desillusion“ rundet die Zugabe ab. Die Band zieht sich abermals von der Bühne zurück, das Publikum fordert erneut eine Zugabe. Rösinger und Spechtl betreten die Bühne, Spechtl mit E-Gitarre. Sie performen den Leonard-Cohen-Song „One Of Us Cannot Be Wrong“. Das Musikduo ergänzt sich perfekt. „Der Blumenstrauß depressiver Songs ist inzwischen in der Biotonne“, verabschiedet sich Rösinger. „Danke für's hier sein dürfen.“ Es war sicherlich nicht das letzte Mal.


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Offizielle Webpräsenz von Christiane Rösinger

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