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John Irvings Protagonist tappt wieder einmal in eine Bärenfalle

„Letzte Nacht in Twisted River“ von John Irving

 

Vier Jahre mussten John Irving Fans nach seinem letzten Roman „Bis ich dich finde“ ohne literarischen Nachschub ausharren. Nun ist es endlich wieder so weit: das Cover des neuesten Irving-Werkes „Letzte Nacht in Twisted River“ ziert die Auslagen der Buchhandlungen. Für all jene, die „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ oder „Garp und wie er die Welt sah“ nicht aus den Händen legen konnten, hat sich das Warten gelohnt. In gewohnt brillantem Ton und der Neigung zu skurrilen Details präsentiert der 68jährige Schriftsteller die Geschichte eines jungen Mannes, der versehentlich ein Verbrechen begeht und daraufhin mit seinem Vater, dem Koch im Holzfällercamp Twisted River, die Flucht antreten muss.
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Der Bär ist wieder los
In Folge erzählt uns der Autor auf knapp über siebenhundert Seiten die Geschichte von dem Halbwaisen Daniel Baciagalupo, der in jener Nacht, die sein Leben maßgeblich verändern sollte, die üppige Geliebte des Vaters mit einem Bären verwechselt und mit einer Bratpfanne erschlägt. Die nächsten Jahrzehnte verbringen Vater und Sohn damit, von Ort zu Ort zu ziehen auf der Flucht vor dem brutalen Dorfpolizisten, der für den Tod an seiner Freundin Jane Rache geschworen hat. Der Flößer Ketchum versucht, wie sich erst herausstellen muss, nicht bloß aus Freundschaft zum Koch sein Bestes den Freund und dessen Sohn vor dem Verfolger zu schützen. Aber „Letzte Nacht in Twisted River“ begnügt sich nicht damit, uns die Flucht der Baciagalupos und den Werdegang Daniels vom zwölfjährigen Jungen zum erfolgreichen und weltbekannten Schriftsteller zu schildern. Das Buch nimmt uns nebenbei auf die Reise durch die amerikanische Geschichte bis in das Jahr 2005. Das Bush-Regime, die Ereignisse des 9/11 und seine Folgen, der Irak-Krieg und falscher Patriotismus werden thematisiert, ohne den literarischen Erzählstrang des Romans abreißen zu lassen.

 

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Der erdachte Schriftsteller
Auch in seinem letzten Werk bricht John Irving nicht mit der Gewohnheit, Autobiographisches in sein Werk einfließen zu lassen. Wie der Autor selbst ist beispielsweise die Hauptfigur im neu erschienen Buch im Jahr 1942 in New Hampshire geboren. Beide lehren als Dozenten, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen bevor ihr literarischer Erfolg es ihnen ermöglicht, von der Schriftstellerei zu leben. Neben den biographischen Daten des Autors selbst finden sich im Roman wie in früheren Werken ebenfalls schon Auseinandersetzungen mit der Tätigkeit des Schreibens an sich. So kommt es, dass Irving dem Leser Kostproben aus der Feder des Protagonisten und der schriftstellerischen Fähigkeiten dieses imaginierten Autors in Form von Buchanfängen, Absätzen oder Romantiteln liefert.

Es sind keine neuen Kunstgriffe, sondern die Vereinigung der Irving´schen Stilmittel in einem Buch, die „Letzte Nacht in Twisted River“ zu einem Lesevergnügen machen. All jene, die sich nicht gerne mit Details wie der Zubereitung eines Holzfällerfrühstücks oder dem Aufbau eines Staudammes aufhalten lassen, seien gewarnt: der Roman könnte sich an mancher Stelle als Geduldsprobe erweisen, die zu überwinden es aber auf jeden Fall lohnt.

 

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