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„Letzte Nacht in Twisted River“ von John Irving
Der Bär ist wieder los
In Folge erzählt uns der Autor auf knapp über siebenhundert Seiten die
Geschichte von dem Halbwaisen Daniel Baciagalupo, der in jener Nacht,
die sein Leben maßgeblich verändern sollte, die üppige Geliebte des
Vaters mit einem Bären verwechselt und mit einer Bratpfanne erschlägt.
Die nächsten Jahrzehnte verbringen Vater und Sohn damit, von Ort zu Ort
zu ziehen auf der Flucht vor dem brutalen Dorfpolizisten, der für den
Tod an seiner Freundin Jane Rache geschworen hat. Der Flößer Ketchum
versucht, wie sich erst herausstellen muss, nicht bloß aus Freundschaft
zum Koch sein Bestes den Freund und dessen Sohn vor dem Verfolger zu
schützen. Aber „Letzte Nacht in Twisted River“ begnügt sich nicht
damit, uns die Flucht der Baciagalupos und den Werdegang Daniels vom
zwölfjährigen Jungen zum erfolgreichen und weltbekannten Schriftsteller
zu schildern. Das Buch nimmt uns nebenbei auf die Reise durch die
amerikanische Geschichte bis in das Jahr 2005. Das Bush-Regime, die
Ereignisse des 9/11 und seine Folgen, der Irak-Krieg und falscher
Patriotismus werden thematisiert, ohne den literarischen Erzählstrang
des Romans abreißen zu lassen.
Der erdachte Schriftsteller
Auch in seinem letzten Werk bricht John Irving nicht mit der
Gewohnheit, Autobiographisches in sein Werk einfließen zu lassen. Wie
der Autor selbst ist beispielsweise die Hauptfigur im neu erschienen
Buch im Jahr 1942 in New Hampshire geboren. Beide lehren als Dozenten,
um sich den Lebensunterhalt zu verdienen bevor ihr literarischer Erfolg
es ihnen ermöglicht, von der Schriftstellerei zu leben. Neben den
biographischen Daten des Autors selbst finden sich im Roman wie in
früheren Werken ebenfalls schon Auseinandersetzungen mit der Tätigkeit
des Schreibens an sich. So kommt es, dass Irving dem Leser Kostproben
aus der Feder des Protagonisten und der schriftstellerischen
Fähigkeiten dieses imaginierten Autors in Form von Buchanfängen,
Absätzen oder Romantiteln liefert.
Es sind keine neuen Kunstgriffe, sondern die Vereinigung der
Irving´schen Stilmittel in einem Buch, die „Letzte Nacht in Twisted
River“ zu einem Lesevergnügen machen. All jene, die sich nicht gerne
mit Details wie der Zubereitung eines Holzfällerfrühstücks oder dem
Aufbau eines Staudammes aufhalten lassen, seien gewarnt: der Roman
könnte sich an mancher Stelle als Geduldsprobe erweisen, die zu
überwinden es aber auf jeden Fall lohnt.
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