Alan Menkens Kultmusical „Sister Act" mischt das Etablissement Ronacher auf
Der 90er Jahre-Hollywoodstreifen „Sister Act" mit Whoopie Goldberg ist wohl jedem ein Begriff. Dieser Erfolg ließ sich dann Jahre später (Uraufführung 24.10.2006 in Kalifornien) problemlos von der Leinwand auf die Bühne transferieren, ohne etwas an Publikum einzubüßen, was wohl nicht zuletzt an dem attraktiven Kreativteam und Whoopie Goldberg als Co-Produzentin selbst lag. Wer mit Disney-Filmen und deren Musik aufgewachsen ist, wird sich bei „Sister Act" ziemlich wohl fühlen, da kein geringerer als Alan Menken („Aladdin", „Pocahontas", „Herkules", u.v.m.) dafür zum Notenblatt griff und den Schwestern zur Heiligen Jungfrau die schwungvollsten Songs in die Kehle legte.
Gönn´ dir eine kleine Sünde, Baby!
Am Beginn der Geschichte stehen Deloris van Cartier, eine etwas erfolglose Clubsängerin, die groß rauskommen möchte, Curtis, ein schmieriger Barbesitzer/Liebhaber/Gangster und ein Mord. Deloris, die gerade von Zweitgenanntem eine Abfuhr einstecken musste, wird Zeugin dieses Mords und muss sich vor Curtis verstecken, damit er sie nicht auch noch umlegt. Der Polizeibeamte Eddie, den Deloris noch von früher kennt, bringt sie folglich an den wohl sichersten Ort in ganz Philadelphia, nämlich in das Frauenkloster zur Heiligen Jungfrau, in dem sie sich bis zur Verhandlung verstecken sollte. Aber mit der Unauffälligkeit ist es auch dort nicht weit her, da sie schon nach kürzester Zeit den Klosterchor ordentlich auf Vordermann und damit auch ziemlich groß raus bringt, was ungeahnte Folgen nach sich zieht.
Jede Nonne eine Wonne
Nach den ersten zwei knalligen Deloris-Auftritten braucht es zwar etwas, um in die Kreuzgänge zu kommen, aber spätestens als sie als Nonne auf die Bühne zurückkehrt, fängt der Spaß so richtig an. Ana Milva Gomes bringt mit ihrem feurigen Temperament und ihrer unvergleichlichen Stimme das Haus zum Beben und lässt die gute Whoopie fast vergessen. Drew Sarich ist als Lolli-süchtiger Krimineller auch mehr als überzeugend und bringt ein großes Maß an Fiesheit und Spaß mit ein. Gott schütze seine Zähne. Aber die eigentlichen Stars sind – wie könnte es auch anders sein – die Nonnen. Dieses Ensemble fordert die Lachmuskeln in jeder Szene und zeigt gesangliche eine große Bandbreite, von grässlich falschem Kirchengesang bis hin zu mitreißenden Gospeln. Davon abgesehen wirken sie wie aus echten Klostermauern entsprungen, jede für sich authentisch und überzeugend, einschließlich der adretten Novizin Mary Robert (Barbara Obermeier), die sich als Goldkehlchen entpuppt. Die Mutter Oberin (Dagmar Hellberg) versucht zwar konstant, dieser einziehenden Sünde in Form von Freude und Gesang Einhalt zu gebieten, aber spätestens als Schwester Mary Lazarus (Kathy Tanner) durch die Apsis swingt und Woodstock die Decke packen und aufstehen lässt, ist es um die Heilige Jungfrau geschehen.
Zwischen Sodom und Gomorrha
Die katholische Kirche und das Klosterleben werden im ersten Akt ziemlich durch das Weihwasser gezogen. Die Nonnen sind schrullig, aber sehr verstaubt, die Schwester Oberin borniert und konservativ und auch der Monsignore ist an Heiligkeit nicht zu überbieten. In dieser Rolle macht Michael Schönborn seinem Bruder ein paar Häuser weiter fast schon Konkurrenz. Und alle zusammen bekommen erst ihre Erleuchtung, als die Nachtclubsängerin Deloris einzieht und alles aufmischt. Aber - das, was vor der Pause oft etwas an der Blasphemie zu kratzen scheint, wird im zweiten Akt durch rührselig-philosophische Ansätze und die mitreißende Musik wieder wettgemacht. Davon abgesehen gebührt den Bühnenbildnern (Klara Zieglerova) ein großes Lob, da sie sowohl die Atmosphäre Philadelphias, als auch die Klostermauern perfekt einfangen und zu Kulissen erweckt haben.Alles in allem ist „Sister Act" eine perfekte, bunte und knallige Show, die ihren Eintritt wert ist. Also, ab ins Etablissement – die Schwestern rocken, bis Jesus zu glitzern beginnt!




































