Der große mokant.at Kulturguide zum Sommer 2011
Der Sommer ist da und damit für viele die langersehnten Ferien. Doch was tun mit der neugewonnenen Freizeit? Der Sommer 2011 hält in ganz Österreich kulturelle Veranstaltungen zu den Sparten Film, Theater, Musik, Kleinkunst und Literatur bereit. mokant.at hat die besten Kultur-Tipps für dich zusammengetragen. Bei aller Lieber zur Kultur ist es jedoch auch interessant die Schattenseiten der instutionalisierten Großveranstaltungen, wie den Salzburger Festspielen, zu beleuchten.
Freier Himmel oder freier Eintritt?
Wer Lust hat auf Kultur, findet diesen Sommer ein vielfältiges Angebot in ganz Österreich. Interessierst du dich für Filme, locken auch dieses Jahr wieder zahlreiche Open-Air-Kinos. Cineasten mit schmalem Geldbörserl haben Glück: Bereits zum 21. Mal findet heuer am Wiener Rathausplatz das Film Festival bei freiem Eintritt statt. Geboten werden dem Zuseher eine vergrößerte Leinwand, neueste tontechnische Ausstattung sowie zwei sechsstöckige Zuschauertribünen. Gezeigt werden dabei primär Musik-, Opern- und Tanzfilme. Einen besonderen Schwerpunkt bietet Gustav Mahlers 100. Todestag. Produktionen mit Stars der klassischen Musik wie Anna Netrebko oder Aufführungen mit bekannten Jazzmusikerinnen wie Diana Krall sollen an den Komponisten erinnern. Zu Gast sein wird auch der britische Funkmusiker Jamiroquai, der Fans im März bereits in der Wiener Stadthalle begeisterte.
Auch am Karlsplatz gibt es bei heuer wieder feinstes Filmprogramm unter freiem Himmel: so ist am 20. Juli beispielsweise der Film „The Letter“ zu sehen, eine US-Produktion aus dem Jahr 1940. “With all my heart I still love the man I killed ...”, sagt Bette, die Gattin eines Gummiplantagenbesitzers, die aus Eifersucht ihren Geliebten ermordet. Am 24. Juli, dem Abschlusstag der Filmreihe, setzt man auf den Klassiker King Kong (USA, 1933). Auch das „Kino unter Sternen“ lockt Zuseher mit freiem Eintritt. Am Dach der Wiener Hauptbiblithek am Urban-Loritz-Platz kommen Filmsfans zum achten Mal auf ihre Kosten. „Reisefieber“ ist das Motto der diesjährigen Filmauswahl. Ein besonderes Schmankerl ist zum Beispiel „Into the Wild“ (USA, 2009), der am 10. August gezeigt wird. Der Film erzählt die Geschichte des Studenten Christopher McCandless, der per Autostopp in die Wildnis Alaskas zieht, um den Zwängen der Gesellschaft zu entfliehen. Der Eintritt für Schüler und Studierende beträgt 6 Euro.
Lieder aus der Dusche
Wer genug hat von Filmen, der gehe zwischen 28. und 30. Juli auf das erste Wiener Kabarettfestival. Unter künstlerischer Leitung von Viktor Gernot spielen drei Abende lang bekannte Kabarettgrößen im Arkadenhof des Wiener Rathauses auf. Vom Reinerlös des Events gehen 10.000 Euro an den Verein „Flora – Wienerinnen gegen Brustkrebs“. Am ersten Abend erleben die Zuseher Christoph Spörk mit „Lieder der Berge“ und Monica Weinzettl und Gerold Rudle mit ihrem neuen Programm „Träum weiter …“, indem das Duo über geplatzte Lebensträume philosophiert. Nadja Maleh gibt am zweiten Abend ein Best Of des Programms „Radio-Aktiv“, während Viktor Gernot & His Best Friends Swing & Comedy in Concert geben. Am Samstag schließlich singen Heilbutt und Rosen „Lieder aus der Dusche“ und Viktor Gernot übt sich als Soloartist in „Nicht ganz allein“. Tickets sind ab 25 Euro auf www.wien-ticket.at zu haben.
Bunt wird es auch in Linz, wenn vom 21. bis 23. Juli das 25. Linzer Pflasterspektakel über die Bühne geht. Bei der Premiere 1987 trafen sich 145 Straßenkünstler aus fünf Ländern in Linz. Heute ist das Pflasterspektakel eines der bedeutendsten Straßenkunstfestivals in Europa. 400 Akteure aus der ganzen Welt werden heuer wieder rund 200.000 Besucher mit Objekt- und Improtheater, Musik aller Art, Poesie, Tanz, Zirkusartistik, Hochseil- und Feuerakrobatik, Malerei, clownesker und komödiantischer Klein- und Performancekunst in ihren Bann ziehen. Die Künstler performen in der Altstadt, zwischen Promenade, Herrenstraße und Spittelwiese, auf der Landstraße sowie am Pfarr- und Domplatz. Für drei Euro Kaution lässt sich am Infopoint Hauptplatz ein Pflaster-Hocker ausleihen, um für einen langen Tag voller Straßenkunst bestens gerüstet zu sein.
Liedermacher-Musik am Traunsee
Auch in Gmunden in Oberösterreich wird Kulturfreunden diesen Sommer bei den Salzkammergut Festwochen wieder einiges geboten. Am idyllischen Traunsee treffen sich jeden Sommer bedeutende Künstler und Geistesgrößen, um gemeinsam ein mehrwöchiges Fest der Musik und Literatur, des Films und des Tanzes zu feiern. Der aus Linz stammende Pianist Andreas Eggertsberger wird am 3. August Werke von Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven darbieten. Zudem wird an diesem Abend die Ballade von William Bolcom, einem bedeutenden zeitgenössischen Komponisten, in Europa erstaufgeführt. Einen weiteren musikalischen Höhepunkt markiert am 14. August das Konzert der Zwillingsschwestern Ferhan und Ferzan Önder. Sie konnten sich als eines der vielversprechendsten Klavierduos der jüngeren Generation auf den großen Konzertpodien der Welt etablieren.
Aber nicht nur Klassik steht in Gmunden auf dem Programm: Am 22. Juli wird Singer-Songwriter-Musik des Wiener Liedermachers und Schriftstellers Ernst Molden geboten. Der Clou: Das Ganze findet auf einer Schifffahrt am Traunsee statt. Einen bayerischen Abend gestalten Zwirbeldirn und Dorothee Hartinger am 26. Juli. Das Ensemble Zwirbeldirn präsentiert Volksmusik aus aller Welt, angerichtet mit drei Geigen, Kontrabass, der Bratsche Konrad, Dreigesang und einer Prise trockenen Humors. Afrikanische Sounds gibt es dann am 27. Juli, wenn der mosambikanische Sänger Stewart Sukuma einen musikalischen Mix aus Jazz, Rock und Groove präsentiert. Russkaja, die man aus der TV-Show „Willkommen Österreich“ kennt, geben am 2. August ihr Gastspiel. Ska-Punk und fette Polka-Beats sind charakteristisch für die Musik der Österreicher, deren Wurzeln unter anderem nach Russland, Ungarn, Großbritannien und die Ukraine reichen. Auch die Literatur kommt bei den Salzkammergut Festwochen nicht zu kurz: So wird von 28. bis 31. Juli beispielsweise ein Schwerpunkt um den Kärntner Schriftsteller Josef Winkler veranstaltet. Otto Brusatti wird am 7. August ab 11 Uhr in einer Matinee „Über das Marionettentheater“ lesen, nacherzählen und mit einem Kompendium an Briefzitaten und Erlebnisberichten über den Selbstmord des Dichters den Vormittag beschließen. Schüler und Studenten erhalten 50 Prozent Ermäßigung auf alle Veranstaltungen der Salzkammergut Festwochen.
Kärnten und Salzburg
Einen abwechslungsreichen Mix an kulturellen Veranstaltungen bietet auch der Kultursommer Kärnten. Ob Theater, Musicals, Galerien, Klassik, Tanz oder Pop: Für jeden Geschmack dürfte etwas dabei sein. Mehr als 300 Veranstaltungen finden bis Oktober statt. Am 15. Juli feiert das Theaterstück „Amphitryon“ auf Schloss Porcia in Spittal an der Drau Premiere. Dabei geht es hinauf ins Reich der Götter und mitten in eine ausgemachte Sinnkrise eines gar nicht so starken Allmächtigen. Am 23. Juli gibt Wiener Liedermacher Peter Cornelius, der 1981 mit dem Gassenhauer „Du entschuldige – i kenn di“ ein halbes Jahr auf der Spitze der Austrocharts thronte, in der Burgarena Finkenstein in Latschach ein Konzert. Reinhard Fendrich gibt sich an gleicher Stelle am 5. August die Ehre. Am 9. August liest Edith Kneifl in Klagenfurt im Schloss Loretto aus ihrem Roman „Stadt der Schmerzen“, einem Florenz-Krimi und Alfred Komarek aus seinem Kriminalgeschichten-Band „Zwölf mal Polt“.
Prädestiniert für Sommerkulturangebote ist natürlich Salzburg. Heuer findet die 91. Auflage der Salzburger Festspiele statt. Geboten werden Opern, Schauspiel und Konzerte. Ein Klassiker ist mittlerweile Hugo von Hoffmannsthals „Jedermann“, dessen Aufführungen den ganzen Sommer über ausverkauft sind. Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr spielen heuer Jedermann und Buhlschaft. Neben Hoffmannsthal gibt man u. a. Peter Handkes „Immer noch Sturm“ und Roland Schimmelpfennigs „Die vier Himmelsrichtungen“.
Die Festspiele geraten regelmäßig unter Kritik, so kritisiert der Rechnungshof 2011, dass angeblich im Wert von 1,4 bis 2,1 Millionen Freikarten vergeben werden. Der Rechnungshof kritisiert zudem Kontrollschwächen der Institution Festspiele: Die Verrechung der Salzburger Festspiele und der Osterfestspiele ist aufwändig und fehlerhaft. Festspieldirektorin Helga Rabl-Stadler weist die Vorwürfe zurück, berichtet Die Presse. Der Festspielfonds hätte sich freiwillig zu umfassenden Kontrollen verpflichtet. Zudem sei der Anteil unentgeltlich abgegebener Karten zwischen 2005 und 2010 von 5 auf 4,2 Prozent gesunken. Ob Salzburger Festspiele, Open Air Kino oder Pflasterspektakel in Linz, wir mögen uns auf einen kulturreichen Sommer freuen.




























