11. Oktober 2011 | Meinung

Aufgeblättert: „Der Maler des Verborgenen“ von John Vermeulen

 
Foto: Archiv Diogenes Verlag
Vermeulen auf den Spuren eines Künstlers, Forschers und Genies

„Der Maler des Verborgenen. Roman über Leonardo da Vinci“ von John Vermeulen

 

Leonardo da Vinci ist seit einigen Jahren in aller Munde, alles was lesen kann, hat sich Dan Browns „Sakrileg“ zu Gemüte geführt und der Rest hat die Buchverfilmung im Kino gesehen. Fans des Künstlers, Erfinders und Genies dürfen sich derzeit doppelt freuen: einerseits haben sie seit letzter Woche die Gelegenheit in der Wiener Minoritenkirche über zwanzig Replikationen des Malers zu begutachten. Andererseits können sie seit diesem Frühjahr einen guten historischen Roman über den Meister endlich auch in deutscher Übersetzung lesen. John Vermeulen hat sich der Lebensgeschichte Leonardo da Vincis angenommen, um den Schöpfer Mona Lisas zu neuem Leben zu erwecken. Entstanden ist ein lebendiges, mitreißendes Werk über eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unseres Kulturkreises.

Foto: Archiv Diogenes Verlag

Sehnsüchte und Gedanken eines Genies
„Der Maler des Verborgenen“ bemüht sich nicht primär Fakten aus der Biografie einer historischen Berühmtheit wiederzugeben, sondern versucht viel eher dem Leser von heute eine mögliche Version da Vincis zu präsentieren. Der belgische Journalist und Schriftsteller eröffnet eine Sicht auf den Künstler, die das Genie als Menschen zeigt. Seine Ängste, Hoffnungen und Träume ziehen alle begeisterten Anhänger auf fast 600 Seiten in den Bann. Auf diese Weise gelingt es dem 2009 verstorbenen Autor mit seinem letzten historischen Roman für die eine oder andere schlaflose Nacht zu sorgen. Außer Leonardo da Vinci hat Vermeulen auch schon Gerhard Mercator, den Begründer der modernen Kartographie, sowie die beiden Maler Pieter Brueghels und Hieronymus Bosch in neuem Licht erstrahlen lassen. Auf jene, die nach „Der Maler des Verborgenen“ auf den Geschmack gekommen sind, warten also noch weitere Reisen in die Vergangenheit.

 

Foto: Archiv Diogenes Verlag

Leonardo da Vincis Geheimnissen auf der Spur
Die Erfindungen Leonardo da Vincis sind bekannt, seine Kunstwerke berühmt, aber über seine Lebensgeschichte können die wenigsten etwas sagen. Seine Kindheit als unehelicher Sohn eines wohlhabenden Mannes, die Auseinandersetzungen mit der römisch-katholischen Kirche und dem Papst, die Erfahrungen an den Herrscherhöfen des 16. Jahrhunderts, seine für die damalige Zeit verpönte Homosexualität, sowie die unerfüllten Sehnsüchte eines Visionärs hat John Vermeulen in seinem Roman zu beschreiben versucht. „Vielleicht sollte ich mich von einem Felsen stürzen und so vom Leben verabschieden, dachte er. Damit ich mich wenigstens dieses eine Mal von dem Joch meines Körpergewichts befreit wähnen kann. Fliegen, noch so ein Ehrgeiz, den ich aufgeben sollte, dachte er. Ein Gedanke, der von großer Wehmut begleitet war“. „Der Maler des Verborgenen“ ist für all jene, die nicht gleich zu einem Sachbuch über den Meister greifen wollen die perfekte Gelegenheit, um sich auf die Ausstellung „Leonardo da Vinci – Mensch, Künstler, Genie“ einzustimmen. Also nichts wie Buch kaufen, lesen und sich anschließend von Mona Lisas geheimnisvollem Lächeln in der Minoritenkirche bezaubern lassen.

 

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John Vermeulen im Diogenes Verlag

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