Ein Filmfestival wird politisch
mokant.at Rezension:
Das identities Queer Film Festival
Alle zwei Jahre lädt das Identities Queer Filmfestival zu stimmungsvollen Abenden und Kino sämtlicher filmischer Genresmit queeren Inhalten ein. Vorstellungen bei denen die Möglichkeit geboten wird, sich einen Überblick über den „state of the art of queer film“ zu gewinnen, werden noch bis zum 12.Juni im Filmcasino, im Top Kino sowie im Gartenbaukino abgehalten. Das Erkennen von alltäglichen Problemen, Vorurteilen und der Bildung von Stereotypen steht auch dieses Jahr wieder weit oben auf dem Programm. Wer in diesem Jahr jedoch noch eine Karte erstehen und in das ausgefallene Kinovergnügen eintauchen will, sollte sich beeilen, denn der Andrang ist groß, viele Vorstellungen bereits ausgebucht und Restkarten machen sich rar.
mokant.at hat sich am identities-Festival für dich zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten, näher angesehen, um dir einen Einblick darüber geben zu können, was dich auf dem queeren Filmfestival in diesem Jahr erwartet.
Politik und Alltag als filmische Basis
Beim diesjährigen identities-Filmfestival wird vor allem aus politischen Gründen dem Thema „Familie“ großer Wert beigemessen. Das kommt nicht von ungefähr, trat doch am ersten Jänner letzten Jahres das Gesetz zur „Eingetragenen Partnerschaft in Österreich“ in Kraft, welches homosexuellen Paaren zwar die Möglichkeit einer rechtlichen Absicherung bietet und analog zur Ehe betrachtet werden kann, jedoch auch markante Unterschiede zu letzterer beinhaltet. Im Besonderen das Verbot der künstlichen Befruchtung, sowie der Adoption führt weiterhin zu hitzigen Diskussionen. Laut identities sind daher „Real existente Familien- und Beziehungskonzepte queerer Paare und Eltern im Alltag ein wesentlicher Fokus des heurigen Festivalprogramms.“
El último verano de la boyita (ARG/ESP/FR)
Weil ihre Schwester gerade mitten in der Pubertät steckt und sich ihre
Gedanken mehr um Jungs und Push-ups drehen, bleibt wenig Platz für
Geschwisterliebe und die kleine Jorgelina, die versucht ihrer Schwester
auf Schritt und Tritt zu folgen. Kein Wunder also, dass sich die beiden
Mädchen immer wieder in die Haare kriegen. Da kommt Jorgelina der
Ausflug mit ihrem Vater zur Ranch gerade recht. Sie verlässt den lieb
gewonnenen Wohnwagen, die „Boyita“, und macht sich auf den Weg zu ihrem
bevorstehenden Abenteuer in die argentinische Pampa. Dort gibt es
Pferde, einen See und den schüchternen Jungen Mario, der darauf besteht,
sogar bei der glühenden Hitze, sein Hemd anzubehalten. Er trainiert
jeden Tag intensiv für das baldige Pferderennen. Ihr Vater erklärt, dass
das Wettrennen eine Art Fixpunkt und Ritual darstellt. Nach dem Rennen
soll Mario kein Junge mehr sein, sondern als Mann anerkannt werden.
Obwohl Mario aussieht wie ein gewöhnlicher Junge benimmt er sich manches
Mal etwas eigengartig. Die aufgeweckte Jorgelina spürt bald, dass er
versucht etwas vor ihr zu verbergen. Als die beiden eines Tages nach dem
gemeinsamen Ausritt von ihrem Pferd steigen, bemerkt sie, dass auf dem Sattel Blut zu sehen ist. Sofort nimmt sie an, dass ihre Menstruation begonnen
hat, was nicht weiterhin beunruhigend ist. Verwundert ist sie jedoch,
als sich ihre Kleidung als sauber herausstellt, dafür aber Marios Hose
beschmutzt ist. Es beginnt eine Geschichte über das Anderssein und eine
Liebe, die sich über alle Geschlechtergrenzen hinwegsetzt.
Auf einer Bühne sitzen sich zwei alternde Männer gegenüber. Der eine in einem rotem Samtanzug, der andere eher unscheinbar in einem weiten Hemd. Sie sehen sich gemeinsam alte Dias und Filmaufnahmen von den Frauen an, die sie einst waren. Orlando Fargin war einer der ersten, der sich in den 1960ern einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Das war zu einer Zeit als sogar noch das „tolerante“ Schweden Homosexualität verbot. Er hing im Park herum, ließ sich von Polizisten aufs Wüsteste beschimpfen und wartete, bis ihn ein alter Herr nach Hause nahm. Doch die Sehnsucht nach einer richtigen Partnerschaft war zu groß – sich unters Messer zu legen schien die einzige Lösung zu sein.
Michael Johansson hingegen ließ sich erst mit 50 Jahren operieren, in der Hoffnung dass sich die Situation im Allgemeinen bessern würde. Bisher immer als „unmännlicher Mann“ abgetan, wollte er sich damit in ein Rollenmuster einfügen in dem er akzeptiert und wertgeschätzt werden würde. Doch er hatte unrecht: er wurde nur noch unglücklicher. „Für meine Performance als Frau hätte ich einen Oscar verdient!“, sagt er jetzt. Nach der zweiten Geschlechtsumwandlung will er endlich wieder der Michael sein, den er von früher kennt, wieder, in der Hoffnung durch die Operation sein Leben in den Griff zu bekommen.
Der Film ist ein intimer Dialog zwischen zwei Menschen, der die Situation der Transsexuellen in einem Rückblick auf medizinische, soziale und politische Umgänge verdeutlicht. Das minimalistische Setting ist dabei genug um es den beiden, grundverschiedenen Männern zu ermöglichen, ihre sehr unterschiedlichen Erfahrungen zu schildern, Vergleiche anzustellen und über Veluste zu sprechen.





















































