Geld oder Liebe
Raimunds „Der Bauer als Millionär“ feiert Premiere im Schauspielhaus Salzburg
Mehr als 150 Jahre sind vergangen, seit die Zauberposse „Der Bauer als Millionär“ des österreichischen Dramatikers Ferdinand Raimund uraufgeführt wurde. Dass der Stoff auch heute noch Relevanz hat, zeigt das Schauspielhaus Salzburg und bringt das Stück auf die Bühne. Die Fee Lakrimosa (Elke Hartmann) will ihre Tochter Lottchen mit dem Sohn der Feenkönigin verheiraten. Diese Anmaßung bestraft die Feenköniging, indem sie Lakrimosa die Bedingung stellt, Lottchen (Constanze Passin) müsse vor ihrem 18. Geburtstag mit einem armen Mann verheiratet werden. Erst dann gewinne Lakrimosa ihre Feenmacht zurück. Sie übergibt ihre Tochter an den Bauern Fortunatus Wurzel (Georg Reiter). Unter seiner Obhut soll Lottchen sich in einen einfachen Mann verlieben. Beim Neid, der eine Verbindung mit Lakrimosa eingehen wollte, in Ungnade gefallen, macht dieser den einstigen Bauern allerdings zum Millionär. Erst Millionär geworden, so der Plan, will dieser seine Tochter mit einer besseren Partie verbandeln. Lottchens Liebe zum Fischer Karl scheint dem Untergang geweiht.
Der Plan scheint aufzugehen. Der ständig betrunkene Fortunatus gerät in Rage, wenn er seine Tochter gemeinsam mit dem Fischer sieht. Doch das Herz folgt bekanntlich seinen eigenen Regeln und Karl lässt sich auch nach dem Hausverbot des Vaters nicht von Lottchen abhalten. Schließlich jagt Wurzel seine Tochter aus dem Haus. Kurz darauf begegnet er seiner Jugend (Julia Gschnitzer), die sich von ihm verabschiedet. Anschließend muss er Bekanntschaft mit dem hohen Alter machen, das sich bereits ankündigt. Als gebrochener Mann wandert Fortunatus fortan durch die Lande. Währenddessen machen der Neid (Olaf Salzer) und der Hass (Timo Senff) dem Fischer Karl ihre Aufwartung. Auf einer Zauberkegelbahn kann er einen Brillantring erkegeln, trifft er alle Neune. Tatsächlich schafft er es und baut für Lottchen und sich einen Palast. Lottchen und die Zufriedenheit begegnen ihm und bringen ihn von seinen materiellen Wünschen ab. Schließlich erkennt auch Fortunatus die Nichtigkeit materieller Besitztümer …
Feen und Geister
„In diesem Stück geht's um ein Spiel der Mächtigen“, sagt Regisseur Robert Pienz. „Das ist die Feenwelt, die Geisterwelt – und die Feen, Geister und Götter spielen ja immer mit den Menschen.“ Mit großer Einfallskraft hat er Raimunds Stück inszeniert. So spielt sich ein Großteil des Geschehens zwischen großen weißen Bilderrahmen ab, die dem Ganzen eine Anmutung räumlicher Tiefe geben. „Ein Bild ohne Rahmen funktioniert sehr oft nicht, das Bild braucht den Rahmen. Mehrere Rahmen hintereinander lösen die Fläche auf und schaffen Tiefe. Genau in diesem Wechselspiel von Zweidimensionalität und Tiefenwirkung wollten wir dieses Bühnenbild gefühlt oder verstanden haben – und ich glaube, dass das gelungen ist“, erzählt Regisseur Robert Pienz. In einzelnen Szenen des Stücks sieht man auch ovale Fenster im Bilderrahmen, die sich wie bei einem Adventskalender öffnen und hinter denen Köpfe erscheinen, die Kommentare zum Stück einstreuen. Beim Wechsel von Tag zu Nacht dreht sich die Bühnenwand auf die andere Seite, darauf angebrachte funkelnde Sterne untermalen die Stimmung. Als Karl Schilf um den Brillantring kegelt, werden die Rahmen in rascher Abfolge blau beleuchtet, sodass ein Stroboskopeffekt wie in der Discothek entsteht.
Auch die Musik der eigens für die Produktion gegründeten Band „Bock auf Heidi“ funktioniert. Vom Eröffnungslied „Tränenfrau“ bis über das bekannte „Brüderlei fein“, mit dem sich die Jugend von Fortunatus Wurzel verabschiedet, bis zu „An Aschen“, einer Neuinterpretation des Aschenlieds, berühren die Lieder des Trios Ilona Lindenbauer, Christoph Lindenbauer und Manfred Wambacher durchwegs. Die Schauspieler überzeugen durch leidenschaftliches Spiel. Besonders hervorstechend ist Georg Reiter als Fortunatus Wurzel, der bereits seit 1984 immer wieder an Produktionen des Schauspielhauses mitwirkt. Aber auch Jungschauspieler wie Albert Friedl, der Fortunatus' Kammerdiener Lorenz gibt oder Constanze Passin als Lottchen beeindrucken. „Der Bauer als Millionär“ wird noch bis 15. Juni im Schauspielhaus Salzburg aufgeführt.





















































