KopfhörerInnen XIX: Flogging Molly und KREISKY,
KopfhörerInnen 19:
Flogging Molly und KREISKY
Flogging Molly - Speed of Darkness
(VÖ: 31.05.2011, Borstal Beat Records)
Flogging Molly sind keine der Bands die sich gedanklich als erste aufdrängen, möchte man zum Punkrocknahen Genre auch noch das Konzept „Dunkelheit“ mitdenken. Nichtsdestoweniger hat Frontmann Dave King seit jeher nicht zuletzt durch sein Gespür für atmosphärische, nachdenkliche und oftmals auch durchaus düstere Texte bestochen. Die Tatsache, dass jene Texte von der Band jedoch zumeist in ein primär heiteres Celt-Punk Gewand mit traditionellen Instrumenten wie Mandoline, Akkordeon und Fidel gezwängt wurden, mag der Hauptgrund dafür sein, weshalb die Band oft immer noch in die Ecke der Spaßpunks und der munteren Trinkmusik gestellt wird. Auf „Speed of Darkness“, ihrer ersten Veröffentlichung die dem Begriff des Konzeptalbums bereits relativ nahe kommt, widmen sich Flogging Molly dem Thema der Finanzkriese, verortet und mit Ärger vertont im Brennpunkt Detroit.
An diesem Flogging Molly Album werden sich die Geister scheiden. Nicht aufgrund des dem Album zugrunde liegenden Konzeptes und auch nicht aufgrund eines unerwarteten Stilwechsels. Vielmehr nähert sich die Band gefährlich nahe dem Abgrund der Massentauglichkeit und der Selbstwiederholung. „Grenzwertig eingängig“ mag durchaus eine der ersten Wertungen sein, die Songs wie „Revolution“ oder „The Present State of Grace“ provozieren. Die wilde Phase der Jugend scheint hinter sich gelassen, „Speed of Darkness“ ist kein neues „Drunken Lullabies“ oder „Swagger“ deren Wurzeln noch tiefer im Punkrock lagen und auf denen Geschwindigkeit durchaus größer geschrieben wurde. Trotzdem schlittert die Band haarscharf am drohenden Abgrund vorbei und liefert ein rundes Album ab das letztendlich eher einen Reifeprozess erkennen lässt und die Band wiederholt als profunde MusikerInnen ausweist.
Ein Albumintro das sich aus einem langsam pulsierenden Gitarrenakkord in eine der schnellsten Nummern des Albums überschlägt, klassische Hard Rock Anleihen wie in „Oliver Boy (All Of Our Boys)“, sowie ein Einstieg wie zu „The Cradle of Humankind“ der ausschließlich auf Klavier und Gesang setzt, gab es so bei Flogging Molly noch nicht. Es sind Momemente wie diese, die dem Album Glaubhaftigkeit und Kurzweiligkeit verleihen. Ihrem bereits bewährtem Stil bleibt die Band ansonsten jedoch entschieden treu, erfindet sich nicht neu und wagt sich auch nicht in Gefilde vor, die HörerInnen zuvor nicht zumindest bereits erahnen könnten. Flogging Molly bedienen sich ihrem Konglomerat aus keltisch-irischem Folk und einem Rock, dem das lässige Präfix „Punk“ allerdings mitunter einfach freundschaftlich abgesprochen werden muss.
Das Konzept des Albums geht zum größten Teil auf. Im Großen und Ganzen ist es eine gutsortierte Reihe von Fight songs, ein Album das fordern will, doch dem auch angekreidet werden muss, dass es sich dafür letztendlich zu brav und zu wenig verärgert artikuliert. Ganz will sich das Bild des entlassenen und angepissten Working Class Heroes nicht einstellen, was nichts daran ändert, dass das Album an sich als klar gelungen bewertet werden kann. Für Flogging Mollys noch junges Eigenlabel „Borstal Beat Records“, stellt „Speed of Darkness“ somit einen guten Referenzpunkt dar, an den es anzuknüpfen gilt.
7,8/10
KREISKY - Trouble
(VÖ: 29.04.2011, Wohnzimmer Records/Buback Tonträger)
Es
stellt sich eine Frage: Darf man heutzutage noch einen winzigkleinen
Anflug von Patriotismus verspüren, eingedenk aller menschlichen
Lächerlichkeiten die damit zusammenhängen? Außerdem heißt man ja auch
nicht Morrissey und findet auch beim Fußball und Schneerutschen jeden
Anflug von Vaterlandsstolz affig. Doch im Falle KREISKY ist man
versucht alle theoretischen und rationalen Vorbehalte zu ignorieren und
einen leichten Anflug von Stolz, dass so eine Band aus diesem Land
kommt, zuzulassen. Auf der anderen Seite, könnte man Kreisky das Wort
selber überlassen, mit einer Textzeile aus dem letzten Album: Wir sind
nie daheim!
Patriotismus hin oder her, jedenfalls haben die sympathisch unsympathischen Burgenländer/Salzburger mit ihrem neuen Wurf „Trouble“ auf die alten Erfolgzutaten gesetzt und damit wieder ein grandioses Album mit Ecken und Kanten hingerotzt. Penetrant sägende und malmende Gitarren, die scheinbar kurz vor dem Kollaps dahinbrettern - vergleichbar mit der Phase im Rauschzustand unmittelbar vor dem kapitalen Vollrausch - treffen auf selbstreflexiv-misanthropische Texte, die Literaten wie Thomas Bernhard und Rainald Goetz alle Ehre machen. Dieses Mal verrät Wenzl der Frontmann auch auf Textebene sein (offenes) Geheimnis. Beim Track „Schliess Frieden“ raunzt er in bekannter, immer leicht blasierter Manier: „Schliess Frieden mit deiner Frustration, wandle deine Wut in Energie“.
Katharsis also, als Motor und Prinzip – damit ist eigentlich schon ein Großteil darüber gesagt, was diese Band - vor allem auch auf der Bühne – ausmacht. Das Destruktive und der Alltagsmüll werden im Exzess gefeiert und damit gleichzeitig aus dem Bewusstsein gespielt und geschrien – für Momente der Befreiung. Es ist dies ein Habitus, den man vor allem auch bei Bands aus der Postpunkära kennt und der sich bewährt hat.
Im Gegensatz zu der ebenfalls aus unseren Landen kommenden Band „Ja, Panik“, die mittlerweile zum Liebling aller Popintellektuellen avanciert ist, haben es Kreisky nicht nötig, linksidiotischen Textballast, Zitatedrescherei und Hamburgerschule-Metaebenen einzubauen. Sie bestechen alleine durch die dunkle Poesie ihrer Alltagsbetrachtungen und eben die Fähigkeit, Energie freizusetzen, wie wenige Bands heutzutage.
Da bleibt
nur noch folgende Textzeile aus „das schwarze, schwarze Meer“ zu
zitieren: „Und du weißt wie wichtig deine Lieblingsplatten sind, weil
deine Lieblingsplatten, Teil deiner Persönlichkeit sind…„
10/10
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Links dazu ...
Flogging Molly auf MySpace
KREISKY auf MySpace
Rezensionen von
und Rene NuderscherBilder von Borstal Beat Records, Wohnzimmer Records, Buback Tonträger, Klaus Mitter & Martin Stöbich





















































