Aufgeblättert: „Wenn gefährliche Hunde lachen“
„Wenn gefährliche Hunde lachen“
von Maxi Obexer
Flucht in der Literatur
Ein regelrechter Boom ist am deutschsprachigen Literaturmarkt zu verzeichnen: Bücher über Asyl, Flucht und Migration sind derzeit en masse in den Bücherregalen zu finden. Auch und vor allem aus Österreich, etwa Susanne Scholls „Alleine zu Hause“ (Ecowin Verlag, 2011), das das Misstrauen gegenüber Flüchtlingen thematisiert, oder Ludwig Lahers Roman „Verfahren“ (Haymon Verlag, 2011), der mit eindeutig erhobenem Zeigefinger auf die österreichische Asylpolitik zeigt. Aus dieser Masse versteht es „Wenn gefährliche Hunde lachen“ jedoch herauszustechen. Die Südtiroler Autorin Maxi Obexer schreibt aus der Sicht einer Betroffenen und hat hierfür eine interessante Ich-Perspektive gewählt. Im Buch wechseln sich Dialoge, Briefe, Tagebucheinträge und Schilderungen ab. Das macht die Erzählung genauso dynamisch, wie eine Flucht an sich wohl sein muss.
Dabei könnte der Roman „Wenn gefährliche Hunde lachen“ auch durchwegs als die Dokumentation einer wahren Fluchtgeschichte durchgehen. Jede einzelne Szene im Buch hört man so oder so ähnlich im Gespräch mit Asylwerbern und -werberinnen oder kennt sie aus Medienberichten. Diese Sehnsucht nach Europa und Freiheit, die uns Maxi Obexer durch Helen erzählt, ist keine fiktive Annahme, es ist die gelebte Realität von hunderten Menschen, die sich in diesem Moment auf der Flucht befinden. Der Wunsch, in Europa zu leben, wird für Helen der einzige Überlebensantrieb. Die Vorstellung, bald einer Arbeit nachgehen und in einer Demokratie leben zu können, lässt die Nigerianerin ihre Flucht überstehen. Zumindest bis sie an ihrem großen Ziel angelangt ist.
„Wenn dieser ganze Trip einmal abgeschlossen ist wie ein Kapitel, auf das ich verwundert zurücksehen kann, dann werde ich damit beginnen, über Dinge zu schreiben, die ich gesehen habe, über Dinge, an die man sich gewöhnt, einfach nur, weil es sie gibt, obwohl sie niemals sein dürften. Darüber, wie etwas normal wird, was niemals normal sein dürfte. Darüber, wie man beginnt, Dinge hinzunehmen, die nicht hinnehmbar sind. Vielleicht auch darüber, warum es normal scheint, dass schwarze Menschen, die auf dem Weg nach Europa sind, so viel Unerträgliches hinzunehmen haben. (…) Möglich, dass man mir nicht glauben wird. Vielleicht ist es ein Zeichen dafür, dass in ihrem Kopf nicht die Schrecken untergebracht sind, die es ihnen leichter machen würden, mir zu glauben. Mir nicht zu glauben, bedeutet vielleicht nur, dass sie noch Menschen sind (…).“
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Maxi Obexer im Folio-Verlag
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