04. März 2011 | Meinung

Filmriss: Liebe und Sex auf der Waagschale

filmladen.at
„Last Night“: ein Film über Irrwege und Prüfsteine der Liebe

Pro und Contra: „Last Night“
Romantik-Drama, FR, US 2010

Jung, erfolgreich und glücklich verheiratet: Joanna (Keira Knightley) und Michael (Sam Worthington) scheinen auf den ersten Blick das perfekte Paar zu sein. Doch dann bemerkt Joanna auf einer Firmenfeier ihres Mannes, wie dieser vertraute Blicke mit seiner gutaussehenden Arbeitskollegin Laura (Eva Mendes) austauscht. Vor einigen Jahren musste das Paar schon mal eine Krise meistern, steht ihre Beziehung erneut auf dem Prüfstand? Der Samen des Zweifels ist gesät und wird genährt von der Tatsache, dass Michael gemeinsam mit Laura auf eine Dienstreise

nach Philadelphia fährt. Aber nicht nur für den Geschäftsmann nimmt eine Nacht, die seine Grundsätze auf die Probe stellt, ihren Lauf. Denn Laura begegnet zufällig ihrer alten Liebe Alex (Guillaume Canet) und schnell werden die noch immer vorhandenen Gefühle der beiden füreinander deutlich. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Massy Tadjedin rollt in ihrem Debütfilm „Last Night“ die Geschichte des Paares Joanna und Michael für eine Nacht auf. 90 Minuten lang steht die Frage, ob sie der Versuchung standhalten können oder sich der verlockenden Verführung hingeben, im Mittelpunkt.

 

mokant.at montage > filmladen.at
Kinoerlebnis mit Tiefgang oder verschwendete Zeit?
Pro: Vertraute Liebe vs. verbotene Sinnlichkeit
Nachdem wir dem Valentinstag sei Dank sämtliche Liebeskitschfilme über uns ergehen lassen mussten, dürfen wir uns endlich wieder auf einen Film freuen, der große Gefühle mit dem nötigen Tiefgang thematisiert. „Last Night“ wagt einen Blick hinter die Kulissen der rosaroten Liebeswelt und offenbart die dunklen, zwielichtigen Ecken der leidenschaftlichen Verlockungen, erotischen Betörungen und sinnlichen Reize. Der Film beleuchtet die gerne verschwiegenen Winkel der Alltagsroutine, der Gewöhnung und des Immergleichen in langjährigen Partnerschaften. Und er hinterfragt die konventionelle Beziehung an sich, ohne belehren, moralisieren oder bewerten zu wollen: Ist es möglich zwei Männer gleichzeitig zu lieben? Lebt die Liebe manchmal nur weiter, weil sie die Probe einer Partnerschaft nicht bestehen muss? Lassen sich Liebe und Sex trennen? An welchem Punkt beginnt Fremdgehen? Nicht nur die Geschichte und ihre großartige emotionale und tiefsinnige Umsetzung überzeugen, nein auch die Besetzung. Weibliche Kinobegeisterte dürfen sich an dem süßen französischen Schauspieler Guillaume Canet und den überaus gutaussehenden Avatar-Darsteller Sam Worthington erfreuen. Männlichen Zusehern bleibt bei der hübschen Keira Knightley und der Sexgöttin Eva Mendes die Spucke weg. Tut gut mal wieder zum Nachdenken, Philosophieren aber auch Phantasieren angeregt den Kinosaal zu verlassen!

Contra: Wertendes Ende
Der Film endet mit einer Szene, in der es dem Zuschauer so vorkommen könnte, als wäre eine einzige Nacht voll bewusst gewollter Leidenschaft und Körperlichkeit nicht so schlimm wie eine Nacht, in der körperlich nicht viel, aber emotional sehr viel passiert ist. Eine angedeutete Wertung der Art von Fremdgehen ist absurd und das eigene schlechte Gewissen relativiert das Misstrauen dem Partner gegenüber auch nicht. Das Ende des Films ist offen und der Zuschauer fragt sich, wie wohl die Fortsetzung dieses Films aussehen würde. Oder will es lieber doch nicht wissen. „Last Night“ ist kein klassischer Beziehungs-Kisten-Film mit flotten
Dialogen, Streitszenen oder sonstiger Action, dieser Film erzählt bedächtig seine Geschichte. Er nimmt sich Zeit, um die Gefühle und Eindrücke der Figuren in der aktuellen Situation zu transportieren. Dafür muss man sich eben auch Zeit nehmen. Sam Worthington als in Versuchung gebrachter Ehemann Michael ist ganz passabel, viel mehr Ecken und Kanten hingegen hat Guillaume Canet, der Joannas Ex-Boyfriend aus Pariser Zeiten spielt. Keira Knightley ist eine erstaunlich gute Darstellerin der jungen Ehefrau, trotzdem würde man ihr gerne einen Keks schenken – und zwar einen Triple Chocolate Chip Cookie, für ein paar extra Kalorien und zur Stärkung der Nerven.

Filmriss nachlesen ...


Link dazu ...
Homepage zum Film

Rezensionen von



Erzähle von uns:


 

Kommentare (0)






Erlaubte Tags: <b><i><br>Kommentar hinzufügen:


mkant.at collage > foto: (c) thimfilm.at
Mika Kaurismäkis
Mama Afrika im Filmriss
© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Bildagentur Zolles; Fotograf: Markus Wache
Wie man eine richtige Hofdame wird, lernt man in Schönbrunn