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KopfhörerInnen 12:
Diesmal mit Radiohead und den Beatsteaks

 

Radiohead – The King Of Limbs
(VÖ: Self-Released: http://thekingoflimbs.com/)
Radiohead krankt seit einigen Veröffentlichungen immer wieder an ein und demselben Problem, das sich relativ einfach beschreiben lässt. So ist es zweifellos so, dass sie mit „Kid A“ eines der maßgebendsten, abenteuerlichsten Indie-Alben überhaupt veröffentlicht haben. Auch wenn das Album zum Teil stark nach Aphex Twin klang, auch Autechre belehnte und auch ansonsten nicht dafür zurückschreckte, den ein oder anderen Act das legendären Warp-Labels, sagen wir mal, als Inspiration zu nutzen, so war gerade die Transferierung dieses elektronischen Avantgarde-Frickel-Klangbastelei-Zeugs in den Mainstream von größtem Interesse und darüber hinaus auch noch von Erfolg gekrönt, denkt man zum Beispiel an die Nummer 1 Platzierung in den USA. Radiohead waren zum subversiven Act geworden, die ihre künstlerische Vision der breiten Masse als etwas verkauften, das der neue heiße Scheiß war.
Diese breite Masse, der man normalerweise die Aufmerksamkeitsspanne eines Hamsters und einen ebensolchen Musikgeschmack zu unterstellen versucht war, hörte sich nunmehr eine Band an, die ihre Tracks zerstückelte und einen Bruch vollzog, der so von kaum einer Gitarren-Indie-Rock-Band gewagt worden war. „Kid A“ kam, das muss erwähnt werden, fast ohne Gitarren aus. Es war eine elektronische Platte, die, oh Wunder, dennoch nach Radiohead klang, was vor allem der traumwandlerischen, immer den kurz bevorstehenden Suizid beschwörenden, abgrundtief traurigen Stimme von Thom Yorke zu verdanken war. Radiohead blieben was sie sind, und das, obwohl sie beinahe ihr gesamtes Klanggerüst ausgetauscht hatten. Der Vorgänger „Ok Computer“ verblasste, eine der besseren Indie-Platten der 90er-Jahre, vor diesem abgründigen Meisterwerk.

 

Dennoch sollte etwas passieren, das Radiohead sich in diesem Ausmaß nicht ausgemalt hatten: die AnhängerInnen und HörerInnen ihrer Musik hatten mehr und mehr Sehnsucht nach der Gitarre, nach dem konventionellen Song, nach richtigen Liedern, nicht mehr nur nach diesem Kunst-Blödsinn, der ihn Wahrheit eh nur von einer kleinen Masse verstanden wurde. Zurück zu den Wurzeln war der Schlachtruf, den sich auch Radiohead bald zu Herzen nehmen würden. Ob sie dies aufgrund dessen taten, weil sie auf ihre Fans hörten (was für eine künstlerische interessante Band ja überhaupt nicht geht), oder ob sie schlichtweg ihre eigenen musikalischen Grenzen erreicht hatten, ist nicht genau überliefert. Ablesen kann man diesen Prozess, diesen Rückschritt der immer wieder als Fortschritt verkauft werden will, aber an ihren Platten.


So auch an „The King Of Limbs“. Auf dieser Platte ist nichts neu, alles altvertraut. Die Beats knattern wie je zuvor, die Stimme schwelgt wie eh und je und die Songs sind um so vieles besser als der Rest der sie umgebenden Indie-Meute, wie sie es schon immer waren. Dennoch macht sich auf ihrem neuen Album die gepflegte, natürlich wie immer traurige und leicht suizidale, Langeweile breit. Zu „The King Of Limbs“ kann man immer noch gepflegt vor sich hin leiden, kann man immer noch darauf warten, bis einem die Stimme von Thom Yorke Tröstung verspricht. Vielleicht stimmt ja die Aussage von Liam Gallagher der darauf hinwies dass, während er Champagner aus dem Stöckelschuh einer Prostituierten trank, Yorke lieber die Welt retten wollte. Vielleicht hätte er sich einfach mehr um die Musik und um den Fortschritt der Band kümmern und sich weniger um das Wohlergehen der Erde sorgen sollen. „The King Of Limbs“ ist, und man möchte das über eine Band, die einst die Welt bedeutete, nur ungern sagen: zum Teil nichtssagend, mittelmäßig. Das Album ist weniger revolutionär als „Kid A“, hat die schlechteren Songs als „Ok Computer“ und ist nicht so konsequent wie Thom Yorkes Solo-Album „The Eraser“. Ein Album somit, das man haben kann, aber nicht zwingend haben muss. Die 7 Euro für den Download auf der Radiohead-Homepage ist es dann aber wohl doch wert. Der nächste Schritt für Radiohead wäre wohl eine richtig interessante, progressive Platte zu machen oder auch die Flucht in die Selbstironie zu wagen. „The King Of Limbs“ kommt diesem, leider nicht selbstironischen Umgang mit den eigenen Sounds und Elementen, manchmal zu nahe.
6,5/10


Warner

Beatsteaks – Boom Box
(VÖ: 28.01.2011, Warner)
Es ist eine Leistung, wenn man einen Sender einschaltet, der ohnehin schon immer mehr in Indie-Mainstream-Mittelmaß ertrinkt und unterzugehen droht, und dann ein Lied hört, das selbst in diesem Kontext noch negativ auffällt. Fast jedes Lied auf „Boom Box“ könnte auf diese Weise auffallen.
„Boom Box“ ist schmerzende Mittelmäßigkeit, absolute Abwesenheit von Fähigkeiten in Bezug auf Melodieführung, Riffing und Innovation. Eine Platte, nach deren hören man am liebsten schweigen möchte. Worüber man nicht reden will, darüber soll man schweigen. Reden sollte man nur um darauf hinzuweisen, wie abgrundtief schlecht „Boom Box“ geworden ist. Wenn „Boom Box“ irgendetwas ist, dann eine Platte für Leute, die eigentlich keine Musik mögen.


Nach diesen Hinweisen sollte man abermals schweigen. Dann soll der Hinweise folgen, eine Platte aufzulegen, die den Nachgeschmack von „Boom Box“ wegspült. Und genau das wird der Rezensent jetzt tun.
2,0/10

 

 

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