03. März 2011 | Meinung

Aufgeblättert „Das weibliche Geschlecht“

mokant.at > foto: jelena vasiljevic
Karras offenbart die Ästhetik des weiblichen Geschlechts

„Das weibliche Geschlecht. Eine ziemlich ungenierte Bildersammlung“ von Nick Karras

 

Sie ist die Quelle des Lebens, Ursprung unseres Daseins, Spenderin von Lust und Sinnbild der Fruchtbarkeit. Sie ist geheimnisvoll, mystisch, vielfältig, magisch. Es geht eine mysteriöse Anziehungskraft von ihr aus, der bloße Gedanke an sie erregt, weckt Begierden und Gelüste, macht gleichzeitig aber auch Angst, denn sie ist mächtig und einflussreich. Sie, das ist die Vulva, das weibliche Geschlecht, die Verkörperung von femininer Kraft, die immer schon die Menschheit fasziniert hat. Deswegen dient die Vagina seit Urzeiten in vielen Völkern der Erde als Vorlage und Inspirationsquelle für eine Vielzahl an Abbildungen, Skulpturen, Riten und Bräuchen. Allerdings wurde die Frau aufgrund der lebens- und lustspendenden Funktion ihrer Vulva nicht nur verehrt, die Natur ihres Geschlechts hat auch zu Praktiken geführt, die Frauen von der sozialen Gruppe ausgrenzen, sie diskriminieren und zur Außenseiterin der Gesellschaft machen. Kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse sind auch heute noch ausschlaggebend für das widersprüchliche, negativ konnotierte Verhältnis, das eine Vielzahl an Frauen zu ihrer Vagina hat. Um diesem Umstand entgegenzuwirken hat der Fotograf Nick Karras einen Bildband zusammengestellt, der die Schönheit und Vielfalt des weiblichen Geschlechts vor Augen führt.

 

mokant.at > foto: jelena vasiljevic

Eine Ode an die Vulva
Wer den Bildband „Das weibliche Geschlecht. Eine ziemlich ungenierte Bildersammlung“ in Händen haltend auf ein Buch voller pornografischer Bilder hofft, wird enttäuscht werden. Nichts lag dem Künstler und Sexualwissenschaftler aus San Diego ferner als sich dem weiblichen Geschlecht als bloßem, sexuellem Objekt zu nähern und mit seinem Werk in die Ecke der Pornografie abgestellt zu werden. Im Gegenteil: Das Ziel des Fotografen war es, „die Vulva zu zeigen, wie sie ist, und zwar frei von sexistischen Untertönen oder Wertungen“. Diese Intention offenbart sich Betrachtern beiderlei Geschlechts gleichermaßen, denn die Abbildung lassen nicht Erregung, sondern primär Neugierde aufkommen. Jedes der 48 im Sammelband präsentierten Bilder zeigt eine auf ihre Art besondere und einzigartige Vulva. Bei der Auswahl der Fotos ließ sich Nick Karras nicht vom Schönheitsideal der Pornoindustrie, sondern vom Gestaltungsreichtum der Natur leiten. Gleich sind lediglich der Blickwinkel auf die weibliche Scham, der gewählte Ausschnitt, die Lichtverhältnisse, die Tonfärbung, denn alle Fotos wurden vom Künstler in schwarz-weiß geschossen und im Nachhinein in sepia gefärbt. Mindestens genauso spannend wie das Buch ist die beiliegende DVD mit einer Dokumentation zur Entstehungsgeschichte der Bilder, vielen Hintergrundinformationen, Interviews und Erläuterungen zum Projekt des Künstlers. Buch und Film ermöglichen sowohl dem weiblichem wie auch dem männlichen Geschlecht einen neuen Blick und eine veränderte, offenere Wahrnehmung der Vulva.

 

mokant.at > foto: jelena vasiljevic

Schönheitsoperationen für Blüten

Ein Blick, der die Einzigartigkeit jeder einzelnen Vagina wertschätzt und die Fülle der Formen, in welchen sie vorkommt mit Faszination begutachtet, ist auch dringend nötig. Denn der Schönheitswahn macht auch vor dem weiblichen Geschlecht keinen Halt, er fordert Gleichförmigkeit und das Streben nach einem Ideal, das nicht zu erreichen ist. Den Versuch wagen dennoch viele Frauen weswegen die Vaginaloperation mittlerweile den vierten Platz auf der Liste der plastischen Eingriffe einnimmt. Irritiert von der Unzufriedenheit so vieler Frauen mit ihrer Vulva bemüht sich Nick Karras in seinem Bildband, das im englischen unter dem Titel „Petals“, also Blütenblätter erschien, die Schönheit des weiblichen Geschlechts in seiner natürlichen Form dem Betrachter näher zu bringen. „Das weibliche Geschlecht. Eine ziemlich ungenierte Bildersammlung“ könnte auch als Aufforderung verstanden werden mal einen anderen, zugetanen und vor allem ehrfurchtvollen Blick auf die Vulva, sei es nun die eigene oder eine fremde, zu werfen. Und wann könnte der Versuch eine neue Sicht auf die weibliche Blütenpracht zu gewinnen passender sein als zum Internationalen Frauentag, der sich in einigen Tagen zum 100. Mal nähert. Ah, und zum Zeichen der Achtung Blumen nicht vergessen …

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Sie ist die Quelle des Lebens, Ursprung unseres Daseins, Spenderin von Lust und Sinnbild der Fruchtbarkeit. Sie ist geheimnisvoll, mystisch, vielfältig, magisch. Es geht eine mysteriöse Anziehungskraft von ihr aus, der bloße Gedanke an sie erregt, weckt Begierden und Gelüste, macht gleichzeitig aber auch Angst, denn sie ist mächtig und einflussreich. Sie, das ist die Vulva, das weibliche Geschlecht, die Verkörperung von femininer Kraft, die immer schon die Menschheit fasziniert hat. Deswegen dient die Vagina seit Urzeiten in vielen Völkern der Erde als Vorlage und Inspirationsquelle für eine Vielzahl an Abbildungen, Skulpturen, Riten und Bräuchen. Allerdings wurde die Frau aufgrund der lebens- und lustspendenden Funktion ihrer Vulva nicht nur verehrt, die Natur ihres Geschlechts hat auch zu Praktiken geführt, die Frauen von der sozialen Gruppe ausgrenzen, sie diskriminieren und zur Außenseiterin der Gesellschaft machen. Kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse sind auch heute noch ausschlaggebend für das widersprüchliche, negativ konnotierte Verhältnis, das eine Vielzahl an Frauen zu ihrer Vagina hat. Um diesem Umstand entgegenzuwirken hat der Fotograf Nick Karras einen Bildband zusammengestellt, der die Schönheit und Vielfalt des weiblichen Geschlechts vor Augen führt.
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