Filmriss: Stotternder Regent
Pro und Contra: „The King's Speech“
Historischer Film, GB, 2010
Der englische König George V ist tot, der älteste Sohn und geplante Nachfolger zieht die Heirat einer Bürgerlichen dem Königsthron vor und der jüngere der beiden Brüder stottert seit seiner Kindheit. Keine Therapie, die der Herzog von York (Colin Firth) noch nicht über sich hat ergehen lassen, kein Mittel, das unerprobt blieb um seinen Sprachfehler zu beheben.
Was zunächst ein schwer erträgliches, aber persönliches Leiden des Prinzen ist, stellt sich bald als Bedrohung für das englische Königreich dar. Wie soll einer, der keinen vollständigen Satz hervorbringen kann, ein Land in der schweren Zeit des Zweiten Weltkrieges regieren. Unterstützt von seiner Gattin Elizabeth (Helena Bonham Carter) wagt Albert einen letzten, verzweifelten Versuch das Problem in den Griff zu bekommen und begibt sich in die Hände des höchst unkonventionell arbeitenden Logopäden Lionel Logue (Geoffrey Rush). Es ist ein ungewöhnlicher und mühsamer Fall für den Sprachtrainer, doch es gilt den Stotterer Bertie in einen selbstbewussten König George VI zu verwandeln. In einen König, der über das Radio zum gesamten englischen Empire sprechen kann, um sein Volk über die Kriegserklärung an Deutschland zu informieren ...
Zwölf Oscar- und sieben Golden-Globe-Nominierungen sprechen für sich. Colin Firth und Geoffrey Rush in den Hauptrollen tun das übrige hinzu, um aus dem historischen Drama um den stotternden Königssohn Albert ein Kinoerlebnis der großen Klasse zu machen. Endlich wieder ein Film, bei dem die Darsteller ihr Talent unter Beweis stellen dürfen, weil ihr Können und nicht computergesteuerte Effekte im Mittelpunkt stehen. Dem Regisseur Tom Hooper gelingt das Thema um den stotternden Prinzen und die daraus resultierenden psychischen und sozialen Folgen meisterhaft auf die Leinwand zu projizieren. Nicht die historischen Ereignisse wie die Bedrohung durch die Deutschen bilden das zentrale Thema des Filmes, es ist der tragische Widerspruch zwischen Macht und Ohnmacht, Können und Sollen eines Royals, der in den Bann zieht. Die meisterhafte, schauspielerische Leistung von Colin Firth lässt den Zuseher die peinlichen Momente des Prinzen mitfühlen, er weckt trotz des sicheren Platzes im Kinosessel beim Betrachter das Bedürfnis es möge der öffentliche Auftritt schnell vorbei sein oder die Rede am Mikrofon diesmal doch klappen. Und dennoch oder gerade deswegen breitet sich beim Filmliebhaber ein Wohlbehagen aus, weil ihm 111 Minuten hochwertige Unterhaltung garantiert sind.
Contra
Jeder Film hat zumindest eine Schwäche. Ob es nun am Inhalt, den Schauspielern oder am Setting liegt – es findet sich immer ein „aber“. Manche Filme jedoch sind es wert, nicht nach dieser Schwäche zu suchen. „The King's Speech“ ist ein eindringlicher, grandioser Film, der trotz seiner Längen ein Contra nicht verdient hat.
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