Aufgeblättert: Bücher zum Valentinstag
Unsere Buchempfehlungen
– passend zum Valentinstag
„Thesen über die Existenz der Liebe“
Torben Guldberg wagt mit seinem Roman „Thesen über die Existenz der Liebe“ das beinahe Unmögliche: das Geheimnis der Liebe zu lüften. Dabei genügt es ihm keineswegs die Anziehungskraft zweier sich einander hingebender Menschen zu beleuchten. Nein, sein Vorhaben ist weit größer, umfassender, schwieriger und verlangt nach einer für alle Lebensbereiche gültigen Antwort. Darum lässt der Autor einen Erzähler fünf Jahrhunderte lang durch die Weltgeschichte reisen und Liebesgeschichten sammeln. „Versteht mich recht, ich suchte nicht nach der Liebe zu einer Frau. Frauen sterben für gewöhnlich, ich jedoch nicht, also würde jedes Mal die Einsamkeit gewinnen; ich brachte es einfach nicht mehr über mich, mit einem sicheren Verlust im Arm zu tanzen. Nein, ich suchte nach der Liebe in einer ungebundeneren, unpersönlicheren, allgemeinen Form.“
Guldbergs Weltenbummler trifft auf seiner Reise Amelie und Frans, zwei elternlose Kinder, deren Geschichte dem Lesenden nicht nur etwas über die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern auch über die Leidenschaft der Musik verraten soll. Er begegnet Gregarius, der in der Malerei das passende Ausdrucksmittel für Liebe gefunden hat. Und er lernt Hans kennen, der sein Leben der Physik gewidmet hat und versucht das Licht mithilfe von physikalischen Apparaten genauso wie mit der Kraft der Liebe einzufangen. Seine Wege kreuzen die des Philosophen Diderik, der den Sinn des Lebens in der Weisheit sucht, von seiner Leidenschaft übermannt das Glück aber nicht zu fassen vermag. Zu guter letzt macht der Erzähler Bekanntschaft mit Henrik, dem Ökonomen für den alles, auch die Liebe, käuflich ist. Diese fünf voneinander unabhängigen, von der Rahmenhandlung zu einem Roman verstrickten Geschichten sollen das Rätsel der Liebe lösen helfen. Ob der Autor uns am Ende die Antwort auf die Frage schuldig bleibt? Selbstverständlich! Und das ist gut so! Denn: „Die Antwort liegt in der Frage.“
„Daniel und die Sehnsucht nach dem Glück“
Der Roman „Daniel und die Sehnsucht nach dem Glück“ sieht von außen anders aus, als es sich von innen liest. Der Buchumschlag lässt einen romantischen bis schnulzigen Roman vermuten, der in Paris spielt. Zugegeben, Paris ist der Ort des Geschehens in Francesc Miralles´ Roman. Doch der ist keineswegs kitschig, sondern erzählt eine wahnsinnig schöne Liebesgeschichte, die zunächst keine ist.
Daniel, der Protagonist, lässt am Rückflug von Paris nach Barcelona die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren. Begonnen hat alles zu Hause, in Barcelona in der Vorweihnachtszeit. Daniel ist erfolgreicher Architekt mit eigenem Planungsbüro, erfolgreich in Job und Liebe, denn er ist seit vielen Jahren mit der attraktiven Desirée zusammen. Am Vorabend seines dreißigsten Geburtstags findet ein Abendessen mit Freunden statt, bei welchem Desirée Daniel verlässt und mit einem Freund von Daniel nach Hause geht. Daniels Welt bricht zusammen, er hinterfragt plötzlich alles, seine Wünsche und seine Vorstellung von einem glücklichen Leben. In seiner schlaflosen Geburtstagsnacht legt er eine CD ein, die das Geburtsagsgeschenk einer Freundin ist, ein und ist von der ersten Sekunde wie elektrisiert. Daniel findet sich in jedem Song der unbekannten Künstlerin Eva Winter wieder, immer und immer wieder hört er die Lieder und erinnert sich an seine bisherigen, teils skurrilen, Liebesbeziehungen. Er ist so fasziniert von der Wirkmacht dieser Musik, dass er die Künstlerin kennenlernen will. Er findet heraus, dass das nächste Konzert von Eva Winter in Paris stattfinden wird und bucht sofort einen Flug. Weihnachten steht vor der Tür, im Büro wird man ihn nicht vermissen – also nichts wie weg. In Paris versucht Daniel sich selbst und sein gutes Lebensgefühl wieder zu finden und freundet sich tatsächlich mit Eva Winter an. Mit ihr erlebt er witzige und abenteuerliche Dinge. Dann findet Daniel in einem Café ein Buch, in dem eine Emailadresse notiert ist und so beginnt eine mysteriöse Kommunikation mit einer Frau, die Daniel fasziniert.
Um das zauberhafte Ende nicht vorweg zu nehmen sei nur so viel gesagt: Das Gute liegt oft nah, auch wenn man dazu nach Paris reisen muss. Mit diesem Roman hat Francesc Miralles eine sehr verzweigte Liebesgeschichte geschrieben, die nie langweilig oder kitschig ist. Miralles wurde 1968 in Barcelona geboren, dort arbeitete er einige Jahre als Verleger und begann dann selbst zu schreiben. Er verfasst Romane, Jugendbücher und ist außerdem Musiker in zwei Bands. Sein Faible für Musik kommt auch in „Daniel und die Sehnsucht nach dem Glück“ sehr schön heraus, zitiert er hier beispielsweise Lyrics von Radiohead, Jim Morrison und den Sex Pistols.
Eine Liebesroman der anderen Art: enzyklopädisch erzählt David Levithan im „Wörterbuch der Liebenden“ die Geschichte eines Paares und versucht, die Eigenheiten, die Beziehungen ausmachen, zu ergründen. Zeit und Handlungsverlauf spielen keine Rolle; anstelle von Kapiteln steht zu Beginn beinahe jeder Seite ein Wort, das zum Thema der kommenden Sätze wird. Auf diese Weise wird von scheinbar belanglosen Begebenheiten, Gefühlen und Ängsten erzählt, ohne dabei ins Kitschige abzudriften. „gravity, n. – Schwerkraft, Anziehungskraft, f.: Ich bilde mir ein, dass du mein Leben gerettet hast. Und dann frage ich mich, ob ich mir das nicht nur einbilde.“ Levithan begleitet das Paar durch Höhen, aber auch Tiefen, lässt Betrug und Hintergehen nicht aus und führt die Leserschaft durch den Verlauf einer Beziehung, wie sie schon unzählige Male geführt wurde und trotzdem immer noch etwas Einzigartiges und Großartiges ist. Auch über Zahnseide kann auf romantische Art und Weise geschrieben werden, beweist der Autor. Nicht das erste Treffen, das Zusammenziehen an sich sind die großen Augenblicke, sondern alltägliche Kleinigkeiten, die zwei Menschen einander umso mehr brauchen lassen. Das Fehlen von Erklärungen und einem durchgehenden Handlungsverlauf machen deutlich, dass eine Erzählung über die Liebe jene Dinge nicht braucht, um das größte aller Gefühle fassbar zu machen. „ineffable, adj. – unbeschreiblich, unsagbar, Adj.: Am Ende werden diese Wörter nur ein schwacher Abglanz sein, bar aller Empfindungen, die sich in Worte nicht fassen lassen. Über Liebe zu schreiben ist letztlich so, als versuche man, das Leben selbst in ein Lexikon zu packen. Egal, wie viele Wörter es enthält, es werden nie genug sein.“ Viel näher kann man einer Liebesgeschichte nicht kommen.
Aufgeblättert nachlesen ...
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Aufgeblättert: Lesen statt Lernen
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Aufgeblättert: „Der Maler des Verborgenen“ von John Vermeulen
Aufgeblättert: „Sehnsucht nach dem Vater“
Aufgeblättert: „Philosophie für Verdorbene. Essays über Pornografie“
Aufgeblättert: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“
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