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Alfred Dorfer zieht Bilanz über sein bisheriges Leben
Ein fünfjähriger Junge in Mantel und Hut, der breit grinsend vor dem Haus seiner Oma steht. Hinter ihm steht Alfred Dorfer in einem schwarzen Jackett, die Haare bereits leicht angegraut. Es handelt sich um die gleiche Person, die via Fotomontage für das neue Kabarettprogramm auf einem Plakat vereint wurden. Dorfer zieht in „bisjetzt“ Bilanz über sein bisheriges Leben, erzählt von seinem Volkschuleintritt 1968 bis heute.
Alfred Dorfer ist zu Gast in der ARGEkultur Salzburg, zahlreiche Besucher sind gekommen. Seine Band, bestehend aus Peter Herrmann, Günther Paal und Lothar Scherpe, eröffnet den Abend musikalisch, kurz darauf beginnt Dorfer zu erzählen. Entstanden sei er durch „Zeltteilung“ bei einem Campingurlaub. „Ein echter Kalauer“, witzelt der Kabarettist, der einen hellblauen Pullover trägt. „Die Innenpolitik lasse ich heute aus, mir geht sie nicht ab, Ihnen?“, fragt Dorfer. Der gebürtige Wiener erzählt von Privatem wie der Geburt seines mittlerweile 20-jährigen Sohns, aber auch von Politischem wie der Hainburg-Besetzung 1984. Seine Jugend verbrachte Dorfer im Gemeindebau, wo er Wienerisch erlernte, da bei ihm zuhause Hochdeutsch gesprochen wurde. In seiner Jugend begann er, mit Kopfhörern Musik zu hören und lernte damit ein Stück Freiheit kennen. Dorfer webt auch Performance-Elemente in sein Stück mit ein. Mit großer Lust an der Bewegung tanzt der hagere Endvierziger über die Bühne. Er bedient sich anderer Programme wie seinem ersten Programm Schlabarett, Indien bis hin zum aktuelleren „fremd“.
Heimat und Indien
Nach seiner Matura begann Dorfer ein Studium der Theaterwissenschaften und der Germanistik, das er abbrach, allerdings nachträglich abgeschlossen hat. „Schlafen bis elf und anschließend aufstehen, weil man zu faul zum Liegenbleiben ist“, fasst der Kabarettist diesen Lebensabschnitt zusammen. Eine nicht nur positive Beziehung hat Dorfer zu seinem Heimatland Österreich. „Stehen wir mal alle auf und gehen im Raum herum und auf mein Signal hin setzen sich alle und versuchen, einen Stuhl zu bekommen. Die, die keinen bekommen hat, schimpfen wir, schließlich braucht jede Gruppe einen Sündenbock!“, bringt Dorfer bedenkliche Tendenzen in der Gesellschaft auf den Punkt.
Problematisch sei aber auch Österreichs Umgang mit der eigenen NS-Vergangenheit. „Wir waren das erste Opfer“, stellt der 49-Jährige ironisch fest. Kritisch sieht er auch den Heimatbegriff und singt mit seiner Band ein Satirelied auf heuchlerische Hüttengaudi und allzeit bereite Skilehrer in Tirol. Beim Auszug aus dem Stück „Indien“, das 1993 erstaufgeführt wurde, kommt Josef Haders Stimme aus dem Off. Die zwei Beamten Heinz Bösel und Kurt Fellner machen sich auf ihre Tour durch Niederösterreich, um Gasthäuser zu bewerten. Die beiden werden Freunde. Fellner erkrankt schließlich an Hodenkrebs.
Denken und positives Denken
Auch die überall beschworene „Kreativität“ zieht Dorfer durch den Kakao. „Es gibt Denken und positives Denken. Machen wir aus diesem Land einen Workshop!“, stellt der Kabarettist fest. „Optimismus ist eine Form von Informationsmangel“, sagt Dorfer weiter. Auch auf das Thema Midlifecrisis kommt der Wiener zu sprechen. „Für die Jüngeren: Das ist das Gefühl, da müsste doch noch was kommen, aber es kommt nichts“, erklärt Dorfer und spielt zum besseren Verständnis Auszüge seines Programms „Alles Gute“ aus dem Jahr 1993. AHS-Lehrer Robert Brenneis wird 30 und will seine Fähigkeiten zum Rocker unter Beweis stellen, es kommt allerdings keiner zur Party. Zum Anlass der Feier müssen sich die Bandmitglieder Partyhüte und –nasen aufsetzen.
Alfred Dorfers Programm „bisjetzt“ ist eine gelungene Werkschau über das bisherige Schaffen eines Künstlers, der bereits seit mehr als 25 Jahren auf der Bühne steht. Seine ersten Kabarettauftritte fanden 1984 als Teil der Gruppe „Schlabarett“ statt, der auch Peter Wustinger und Andrea Händler angehörten. Gewohnt kritisch versucht der Wiener sowohl die eigene als auch die politische Geschichte der letzten 49 Jahre Revue passieren zu lassen und trägt in raschem Tempo und viel Körpereinsatz das Stück vor. Kollege Günther Paal darf ein paar Sätze als vertrottelter Siebzigerjahre-Hippie beisteuern, während Peter Hermann und Lothar Scherpe den Kabarettisten rein musikalisch unterstützen. Dorfer erweist sich als nachdenklich und kritisch und bringt das Publikum mit bitterbösem Humor zum Lachen. Wer „bisjetzt“ bisher verpasst hat, hat noch ausreichend Möglichkeiten, dies nachzuholen und informiere sich über die Bühnentermine.
Liebe Krise 2.0
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