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Filmriss: „Vielleicht in einem anderen Leben“
Drama A/D/HU 2010
Frühling 1945: Eine 18-köpfige Gruppe ungarischer Juden wird von den Nazis Richtung Konzentrationslager Mauthausen getrieben. In einem kleinen österreichischen Dorf soll es einen Zwischenstopp geben. Die ausgehungerten und traumatisierten Menschen werden in einem Heustadl der Familie Fasching festgehalten. Die zunächst ruppig erscheinende Bäuerin Traudl Fasching (Ursula Strauss) bemerkt das Leid der Gefangenen und schmuggelt Brot und Suppe in den Heustadl. Aus Dankbarkeit für die Verpflegung und die Menschlichkeit möchte die Gruppe, eine kleine Operetteneinlage für die Bäuerin einstudieren. Traudl Fasching dürstet nach etwas Abwechslung vom täglichen Kriegsgräuel und der harten Arbeit und sie beginnt, mit ihrer Zither an den Proben teilzunehmen, und auch ihr Mann greift schließlich selbst zum Instrument. Durch die Konfrontation mit den ungarischen Juden verarbeitet das Ehepaar Fasching den bis jetzt unbetrauerten Tod des Sohnes, was sie wieder zusammenschweißt. Inzwischen ereilt das Dorf die Nachricht, dass Adolf Hitler tot ist. In Wien gibt es bereits eine provisorische Regierung. Das Ehepaar Fasching freut sich mit den Juden, doch die ausgelassene Stimmung währt nur kurz: Die restlichen Dorfbewohner entscheiden, den Heustadl zu verriegeln und niederzubrennen …
Pro: Realistisches Drama
Die gesamte Handlung erstreckt sich über ein paar Tage und lässt den Zuschauer dadurch genau hinsehen. Die Gefühle und Aussagen der Darsteller sind so realistisch, dass man sich richtig hineingezogen fühlt. Die emotionale Krise des Ehepaars, die Lösung des Konflikts, das Zulassen der Trauer um den Sohn und der schlussendlich gemeinsame Tod von Traudl und Stefan Fasching mit den vermeintlichen Fremden ist eine besonders berührende Entwicklung innerhalb der Geschichte.
Zum geschichtlichen Hintergrund des Films ist zu sagen, dass etwa ein Zehntel aller im Zweiten Weltkrieg ermordeten europäischen Juden aus Ungarn stammten. In den letzten Kriegstagen kommt es zu den sogenannten „Todesmärschen“, in denen tausende jüdische Zwangsarbeiter durch Österreich getrieben werden, um nicht in die Hände der Befreiermächte zu fallen. Die Rolle der österreichischen Bevölkerung zwischen „erstem Opfer des Nationalsozialismus“ und ständigem (Mit-)Täter ist auch in diesem Film eine Frage, die ständig präsent ist. Nur Dinge, die man nicht dem Vergessen und Schweigen übergibt, können in der Zukunft vermieden werden. Daher ist aufgrund der Thematik, der fabelhaften Besetzung und der Stimmung, die in diesem Film herrscht, „Vielleicht in einem anderen Leben“ zu empfehlen.
Contra: Unnötige Romanze
Eine kleine Sache in diesem großen Ganzen gibt es, die ein wenig irritiert, eine Mini-Geschichte in der Geschichte: Kurz nach der Verkündung von Hitlers Tod wird eine beginnende Romanze zwischen der Magd Poldi und dem Geiger der Musiker-Truppe, der bis dahin wenig in Erscheinung trat, inszeniert und als Zuschauer fragt man sich: Woher kommt die plötzliche Anziehung? Es wirkt so, als hätte den Drehbuchschreibern eine romantische Szene gefehlt und die müsse noch knapp vor dem dramatischen Finale realisiert werden. Diese Romanze ist fehl am Platz, einfach nicht notwendig, um die Geschichte zu einer Vollständigen zu machen. Klar, das Thema des Films muss man interessant finden, sonst kann es auch negative Reaktionen geben, so nach dem Motto „Nicht schon wieder ein Film über die Gräuel der Nazi-Zeit!“. Wer sich also mit zeitgeschichtlichen Themen nicht auseinandersetzen möchte, der wird an diesem Film wahrscheinlich wenig Gefallen finden. Aber ein Contra auszusprechen aufgrund der Umsetzung der Geschichte oder der Darsteller, das ist wirklich schwer möglich.
Offizielle Homepage zum Film
Rezensionen von
Alfons Kowatsch, David Jerrett

































