Aufgeblättert: „Die Unperfekten“
Tom Rachman: „Die Unperfekten“
„Der Printjournalismus ist tot.“ Ein Satz, dem die Redaktionen weltweit tagaus, tagein zu trotzen versuchen. Was passiert, wenn eine Tageszeitung den Anschluss verpasst und zum bedeutungslosen Blättchen verkommt, erzählt Tom Rachman in „Die Unperfekten“.
Elf Protagonisten, eine Geschichte: Eine Zeitungsredaktion in Rom, einst erfolgreich und angesehen, hat den Sprung ins Online-Zeitalter nicht geschafft und kämpft gegen schwindende Leserzahlen. Davon – unter anderem – betroffen: Lloyd Burko, der seine beste Zeit als Journalist lange hinter sich hat und es mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt; Herman Cohen, Chefkorrektor der Redaktion mit einem Hang zum Fiesen; und Ruby Zaga, die ewige Niete, gemobbt und unbeliebt. Rachman gewährt Einblicke in das Leben jedes dieser Menschen, die alle auf irgendeine Art und Weise mit der Zeitung in Verbindung stehen.
Anschluss verpasst
Die Rahmenhandlung ist das sich langsam nähernde, aber unabwendbare Ende einer Zeitungs-Ära; in deren Umfeld kommt es zu Intrigen und Lügen, zu Existenzproblemen und dem Begraben von Lebensträumen. Humorvoll erzählt Rachman eine im Grunde traurige Geschichte, ohne Medienszene oder Journalismus allzu detailliert darzustellen. Es sind die Schicksale der Beteiligten, um die es geht. Keinem von ihnen ist es möglich, die drohende Einstellung des Blattes zu verhindern: der klassische Redaktionsaufbau und dessen Abläufe können mit der modernen, innovationsbejahenden Konkurrenz nicht mehr mithalten. In dem sich abzeichnenden Chaos müssen von der Chefredakteurin bis zur Finanzchefin alle versuchen, nebenbei ihre zum Teil zerrütteten Privatleben wieder auf Vordermann zu bringen.
Der Debütroman von Tom Rachman wurde in den USA herbeigesehnt und mit Begeisterung von Lesern und Rezensenten aufgenommen. Rachman selbst weiß, worüber er schreibt: er hat als Journalist unter anderem für die Nachrichtenagentur Associated Press gearbeitet. Seine Erfahrungen fließen in die „Unperfekten“ sicherlich mit ein. Er lässt seine Protagonisten die Tücken des Alltags in einer Redaktion durchleben, lässt sie scheitern, trauern und ihr Leben neu ordnen.
Letztendlich geschieht das Unabwendbare: Die Einstellung der Tageszeitung. Wer hinter der Geschichte einen Abgesang auf den Printjournalismus vermutet, irrt jedoch. Tom Rachmans „Unperfekten“ sind zwar traurig, aber dennoch sympathisch und voller Hoffnung.





















































