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Mörder, Elvis und Drogensüchtige unter dem Weihnachtsbaum

Buch-Geschenketipps für Weihnachten

 

Es ist wieder soweit: an jeder Ecke steht ein Punschstand, die ersten Weihnachtskekse haben sich schon in Hüftspeck verwandelt und auf den Einkaufsstraßen tobt der Kampf um die passenden Geschenke für die Liebsten. Es weihnachtet! Aber auch diejenigen, die es dieses Jahr schon wieder versäumt haben ihre Geschenke im Sommerschlussverkauf zu erstehen, müssen noch nicht panisch werden. Mit dem richtigen Buch unter dem Christbaum lassen sich die Herzen aller Leseratten erfreuen.

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Für Krimifans mit literarischem Anspruch
Kriminalromane müssen sich häufig mit dem Vorurteil herumschlagen, nicht mehr als bloße Unterhaltungsliteratur zu sein. Pierre Chiquets neuestes Buch „Der Springer“ beweist mit seinen sprachlichen und stilistischen Besonderheiten das Gegenteil. Die Eckpfeiler der Geschichte kennt jeder Krimilesende: Zwei Freunde verlieben sich in dieselbe Frau, einer bekommt sie. Jahre später, der Kontakt zwischen den Männern ist zwischenzeitlich abgebrochen, treffen sie sich wieder und das Unglück nimmt seinen Lauf. Denn der Sieger im Kampf um die Frau lockt mit einem mehr als verführerischem Angebot: „Du kannst sie haben!“. Doch dann ist die Frau tot. Chiquet ist es mit „Der Springer“ nicht bloß gelungen die Tragik einer Dreiecksgeschichte und die Macht von Eifersucht einzufangen, sondern auch dem Leser vor Augen zu führen, dass die Dinge nicht immer so sind wie sie auf den ersten Blick scheinen. Das Besondere dieses Buches ist der Wechsel der Perspektiven im Laufe der Geschichte: während im ersten Teil das Verbrechen aus der Sicht eines Kommissars analysiert wird, lässt im zweiten Teil der Pathologe die Leiche für sich sprechen, denn „Tote schweigen nicht“. Den Abschluss bildet die Sicht des Hotelportiers, der die Gäste der heruntergekommenen Absteige besser zu kennen scheint als anfangs erwartet werden konnte. Wer am Ende einen klar gelösten Kriminalfall erwartet, wird allerdings bitter enttäuscht. Das Wer und Wie des Falles hat Chiquet zugunsten des Warum in den Hintergrund rücken lassen, die Lösung des Verbrechens überlässt der Autor seiner Leserschaft.

 

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Für junge und junggebliebene Elvis-Liebhaber
Wer zu Weihnachten keine Lust hat sich mit den Abgründen der menschlichen Seele zu belasten und bloß leichte, literarische Kost genießen möchte, greift lieber zu „Mein innerer Elvis“ von Jana Scheerer. Antje, die Protagonistin des Romans ist mollig, sie hat peinliche Eltern und eine kleine Schwester, die nervt. Außerdem wird Antje bald sechzehn. Als ob das alles nicht ohnehin schlimm genug wäre, muss sie ihre Ferien mit der Familie in Amerika verbringen. Und dann erweist genau das sich als DIE Möglichkeit, wenn Antje bloß ihre Eltern davon überzeugen könnte, mit ihr nach Graceland statt zu den Niagarafällen zu fahren. Jana Scheerer hat mit „Mein innerer Elvis“ ein witziges, skurriles und unterhaltsames Buch über das Erwachsenwerden und all seine Schwierigkeiten geschrieben. Dennoch ist der Roman nicht nur geeignete Leselektüre für Jugendliche, sondern durchaus auch für all jene gedacht, die die Zeit der Pubertät mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gebracht haben. Die Autorin lässt Antje stellvertretend für Elvis-Fans jeder Altersgruppe sprechen: „Ich liebe Elvis. Er macht die beste Musik, die ich in meinem ganzen Leben gehört habe.“ Wer Lust auf diesen Roadtrip quer durch Amerika auf den Spuren des King of Rock'n'Roll hat, sollte darauf gefasst sein, seine Lachmuskeln das ein oder andere Mal beanspruchen zu müssen. Dabei sollte er oder sie aber bitte von einem Buch mit pinkfarbenem Glitzereinband nicht mehr erwarten als ein solches zu bieten vermag.

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Sex und Drogen für jene, die hart im nehmen sind
Der Teil der Menschheit der an Elvis nichts Spannendes mit Ausnahme seiner Tablettesucht finden kann und die Techno-Szene Graceland vorzieht, greift lieber zu „Strobo“ von Airen. Bekannt wurde der Autor durch die Plagiatsvorwürfe an Helene Hegemann, die Absätze des Bloggers in ihrem eigenen Buch „Axolotl Roadkill“ übernahm ohne sie als solche zu kennzeichnen. „Strobo“ ist eine Ansammlung von Blogeinträgen, in welchen der Autor sein exzessives Leben zwei Jahre lang kommentiert. Neben Wirtschaftsstudium und Job in einer Unternehmungsberatung, gibt es für Airen nur zwei Dinge: Drogen und Techno. Er ist in den Berliner Clubs sowohl den Gleichgesinnten als auch den Drogendealern bestens bekannt. Nein, sagt er weder zu einer angebotenen Tablette noch zu einer schnellen am Männerklo geschobenen Nummer. Sein Drogenkonsum reicht von MDMA über Heroin bis zu Ketamin, Maßlosigkeit, Zügellosigkeit und Ausschweifung sind das Einzige worauf es ankommt. Genauso wenig wie Airen sich auf eine Droge festlegen möchte, will er bei der Wahl seiner Sexualpartner eingeschränkt werden: Männer, Frauen, Transsexuelle und, wenn nicht anders möglich, Prostituierte wechseln sich ab als Mittel zur Befriedigung sexueller Triebe. Und dann gibt es noch die Momente, in denen Airen über die Stränge schlägt und Tage zum Runterkommen braucht, Augenblicke, in denen die Drogen ihm die Fähigkeit sich zu erinnern rauben und Situationen, die ihn ins Gefängnis bringen. Wer nach „Strobo“ noch immer nicht genug hat, kann sich auf den Fortsetzungsroman „I Am Airen Man“ stürzen und die Drogen- und Sexexzesse des Autors in Mexiko, wo er kurzzeitig lebte, nachlesen. Alle, die sich beim ersten Teil schon nach Drogen umgesehen haben, um das Buch zu ertragen, lassen dann doch lieber die Finger davon und warten die Buchvorschläge der nächsten Woche ab.

 

 

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Aufgeblättert: Lesen statt Lernen
Aufgeblättert: „Der Maler des Verborgenen“ von John Vermeulen
Aufgeblättert: „Zwischen den Wänden“ von Johannes Epple
Aufgeblättert: „Sehnsucht nach dem Vater“
Aufgeblättert: „Philosophie für Verdorbene. Essays über Pornografie“
Aufgeblättert: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“
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