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Diese Reportage ist im Rahmen des mokant.at-Workshops „Journalismus 2.0“
entstanden
Irgendwo fällt laut eine Stahltür in die Angeln, statt Kinderlachen krähen vereinzelt Raben. Schnee und Eis haben den Wiener Prater fest im Griff. In der kalten Jahreszeit verirren sich nur selten Touristen unter das Riesenrad. Geschäfte sind geschlossen und mit Eiszapfen behangen. Nur ein paar hartnäckige Geschäftsleute harren aus. Einer von ihnen ist Herr Fritz. An der Kasse eines Autodroms löst er in Ruhe Sudokus, während er auf Besucher wartet. „Eiskalt – alles gefriert um uns herum“, dröhnt es aus den Lautsprechern, doch das stört Fritz nicht. Viel friedlicher sei es im Winter mit nur wenigen Besuchern während der sechsstündigen Öffnungszeit. „Wie viele genau kommen, kann man nicht sagen“, meint der Kassier.
Heuer liegen die Besucherzahlen des Wurstlpraters voraussichtlich bei rekordverdächtigen drei Millionen. Nur ein kleiner Anteil davon entfällt auf die Zeit außerhalb der Hauptsaison von 15. März bis 31. Oktober. In den umsatzschwachen Wintermonaten sperren die meisten Prater-Unternehmer daher einfach zu. Herr Rózvan hat es mit seiner kleinen Pony-Koppel nicht so leicht. Langsam drehen die Tiere ihre Runden über den gelben Sand. Auch wenn sie niemand reitet, müssen sie in Bewegung bleiben. „Heute ist noch niemand gekommen“, sagt Rózvan resigniert. Ein ähnliches Problem hat Herr Juvanovic von der benachbarten Kart-Strecke, wo den ganzen Tag die Motoren laufen. „Das ist wegen der Kälte“, erklärt Juvanovic, der an der beheizten Kassa Fahrtickets verkauft. Die Karts ließen sich nur schwer wieder starten, würden die Motoren abgestellt. Außerdem „glauben die Leute sonst, da ist zu.“ Auch zu Weihnachten und an Silvester habe die Bahn geöffnet.
Zumindest ein paar Touristen haben den menschenleeren Prater für sich entdeckt. In kleinen Gruppen, mit Kameras bewaffnet, streifen sie über die zugeschneiten Wege zwischen den Attraktionen – und amüsieren sich. „Schön“ findet etwa eine neuseeländische Familie auf Europa-Reise den Vergnügungspark. Die ältere Tochter schaut das vereiste Stahlgerüst einer Achterbahn hinauf: „Im Sommer macht das sicher Spaß.“
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