Filmriss: Rock'n'Roll-Rebell John Lennon
Filmriss Pro und Contra: „Nowhere Boy“ Musikfilm, GB/CDN, 2009
John Lennon (Aaron Johnson) ist gerade einmal 15 Jahre alt als plötzlich sein Onkel George einen Herzinfarkt erleidet und stirbt. Von nun an leben er und seine Tante Mimi (Kristin Scott Thomas) alleine in dem trostlosen Haus – denn Mimi legt großen Wert auf Etikette und Anstand, hört Klassische Musik und verachtet jegliche Form von Ausschweifung. Doch davon will der junge Unruhestifter nichts wissen. Lieber bringt er sich in allerlei Schwierigkeiten, wird wochenlang der Schule verwiesen und erlaubt sich alle möglichen gefährlichen und geschmacklosen Scherze. Auf der Beerdigung von Onkel George lernt John seine leibliche Mutter Julia (Anne-Marie Duff) kennen die ihn verließ, als er gerade einmal zehn Jahre alt war. Es stellt sich heraus, dass sie all die Jahre nur wenige Meilen von dem Haus seiner Tante entfernt lebte. Nun beginnt ein neues Kapitel in Johns leben: Endlich ist er erfüllt von einem Gefühl des andauernden Glücks – seine Mutter führt ihn in den Rock'n'Roll ein und eröffnet dem Teenager eine ganz neue, atemberaubende Welt, in der das Limit nur vom Himmel bestimmt werden kann. John beschließt spontan eine Band zu gründen und lernt auf diesem Wege den talentierten Gitarristen Paul McCartney (Thomas Brodie Sangster) kennen, der ebenfalls seine Mutter verlor. Doch die Frage danach, wieso Julia John damals verstoßen musste, hängt wie eine riesige Gewitterwolke über dem bunt-wilden Leben der beiden und muss schließlich doch ausgesprochen werden.
„Nowhere Boy“ spiegelt das Leben des jungen Genies John Lennon wieder, als er noch keine musikalische Legende war, sondern ein verwirrter, unverstandener Teenager mit einem leichten Hang zur Selbstdarstellung und der Unfähigkeit, Barrieren anzuerkennen. Diesen Film sollte man sich unbedingt, wenn möglich, auf Englisch ansehen, denn die englische Aussprache verleiht so mancher Situation einen interessanten, stilvollen Touch, der bei der Übersetzung verloren gehen würde. Auch die vielen musikalischen Untermalungen sind ausgesprochen gut eingesetzt und verdeutlichen die Seele der damaligen Zeit – die Kluft zwischen den Konservativen und den wilden Rock'n'Rock-Hörern und die Schwierigkeiten, das jeweils gegenübergesetzte anzuerkennen. Lebenslustig und amüsant zeigt sich der „Nowhere Boy“ bis er dazu gezwungen wird, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und seinen eigenen Weg zu gehen – die Entwicklung vom verlorenen Teenager zum jungen Mann, der die Welt ergründen und sich darin eine Existenz aufbauen will, nimmt hier ihren Lauf. Und gerade das ist ein Teil von John Lennons Leben, der selten gezeigt und beschrieben wird, von dem Nicht-Beatles-Fans selten gehört haben und der diesem Film hoch angerechnet werden sollte. Denn obwohl Lennons Leben sicher die eine oder andere ausgefallenere Eskapade zu bieten hat, ist gerade dieser Teil seiner Jugend prägend und damit nicht zuletzt entscheidend für seinen gesamten weiteren Werdegang.
Contra: Manie um tote Künstler
Allem Anschein nach lässt sich mit der wiederaufkommenden Beatles-Mania immer noch bestens Geld verdienen, zumindest beweist das der „Nowhere Boy“, der versucht, jetzt auch noch den Teenager John Lennon auf einer gefühlsduseligen Ebene schmackhaft zu machen. Die „remastered Blue“- und „Red“-Albums, die 2010 herauskamen, kann man diesbezüglich natürlich nicht auslassen, genauso wie die „Love“-CD, die 2006 in den Verkauf kam. Obwohl diese CDs zwar neue Einblicke für die besonders harten Fans unter uns bedeuten, so sind sie hauptsächlich dazu da, sich gut zu verkaufen. Und das tun sie auch, denn sonst würde das ewige Thema „Beatles“ nicht immer und immer wieder in den Vordergrund gerückt und zum hundertsten Mal neu aufgerollt werden. Obwohl also „Nowhere Boy“ uns einen sehr netten Einblick in das Leben des jungen Lennon verschafft, das so oder so ähnlich verlaufen sein könnte, ist er nicht zuletzt deswegen entstanden, um sich an Beatles-Fans zu verkaufen oder neue zu gewinnen, die ihrerseits weiter an dem Beatles-Hype-Rad drehen können. Wie gut man das findet, kann sich jeder selbst überlegen. Natürlich kann man nicht anzweifeln, dass John Lennon, wie auch die Beatles, vieles geleistet haben und sich ihren Hype hart erarbeitet haben. Wenn jedoch das Publikum, das wenig Ahnung von der Entstehung und dem Werdegang der Künstler hat, meint, sich um jedes Fünkchen (Fehl-)Information oder Interpretation scharen zu müssen, das ihm hingeworfen wird, kann etwas nicht in Ordnung sein mit dieser Welt.





















































