09. Dezember 2010 | Meinung

Glattauer in Salzburg

Hörbuch Hamburg
„Gut gegen Nordwind“-Autor Glattauer fesselte sein Publikum

Der österreichische Schriftsteller begeisterte bei seiner Lesung das Publikum

 

Bekannt wurde der fünfzigjährige Wiener Schriftsteller Daniel Glattauer vor allem durch seinen E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“. Mehr als 500.000 Ausgaben des Bestsellers wurden verkauft, zudem bekam Daniel Glattauer den Hörbuch-Award für mehr als 100.000 verkaufte Hörbücher. Vergangene Woche machte der Autor Station im Literaturhaus in der Strubergasse in Salzburg.

 

Erste Gedichtversuche startete der Wiener bereits im jugendlichen Alter von 17 Jahren, der große Erfolg kam allerdings erst in den letzten Jahren: Daniel Glattauer ist ein Autor, dessen Namen heute fast jeder kennt. Auch die Besucherdichte in den engen Räumlichkeiten des Salzburger Literaturhaus spricht eine deutliche Sprache – Glattauer ist einer, den man nicht mehr vorstellen muss. Mit seinem E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“, der inzwischen auch als Theaterversion an den Wiener Kammerspielen oder im Salzburger Kleinen Theater erfolgreich aufgeführt wird, begeistert er ein Massenpublikum primär weiblicher Leserinnen. Der erste Glattauer-Roman wurde 1997 publiziert: „Theo und der Rest der Welt“. Aus dem Gesamtband „Theo. Antworten aus dem Kinderzimmer“ liest Glattauer auch an diesem vorweihnachtlichen Dezemberabend. 1994 wurde Glattauers Neffe Theo geboren. Daraus entwickelt sich Glattauers erstes Buchprojekt. Jährlich sollen in der Tageszeitung Der Standard Porträts über das heranwachsende Kind erscheinen. Auf unterhaltsame Weise sollen die Entwicklungsschritte eines Menschen festgehalten werden. Theo protestiert lediglich bei einer Passage, in der er der nicht übergroßen Liebe zu seinen Meerschweinchen bezichtigt wird – der Junge besteht auf eine Gegendarstellung. Als Theo vierzehn ist, erscheint die letzte Kolumne und der inzwischen Jugendliche durfte abschließend auch seinen Onkel interviewen, um das Experiment zu vollenden.

 

Hörbuch Hamburg

Schönbrunn und Bibione
Der Autor trägt Jeans, eine dunkelblaue Weste, ein dunkelblaues Shirt und eine Hornbrille. Er beginnt mit der Geschichte über einen Zoobesuch in Schönbrunn, bei dem Theo drei Jahre alt war. Als solcher ist er radikal in seinen Meinungen und kanzelt Tiere, die ihn langweilen, rasch mit einem „Genug!“ ab. Für großes Amüsement sorgt auch die nächste Episode, bei der Theo ebenfalls drei Jahre alt ist. Gemeinsam mit den Großeltern verlässt der Junge Wien für einen dreiwöchigen Sommerurlaub in Italien. Die Grenze, für die der Junge schon Stunden im Voraus seinen Pass bereit hält, erweist sich nach vier Stunden Fahrt allerdings als wenig spektakulär. Auch unterscheidet sich Italien in den Augen des Kleinkinds zunächst nicht groß von Österreich, die Großeltern schaffen es aber dank gut entwickelter Animationsfähigkeiten, dem Kind einen spannenden Sommerurlaub am Campingplatz zu verschaffen. Besonders lustig ist auch die Schilderung eines Billa-Einkaufs mit Theo, der wie viele Dreijährige gern Leute anspricht, in diesem Fall mit „Wer bist du?“ Die Reaktionen darauf sind überwiegend freundlich.


Hörbuch Hamburg
Feiner Beobachter
Glattauer erweist sich als feiner Beobachter von Alltagssituationen und schafft es, simple Anekdoten auf äußerst unterhaltsame Weise zu erzählen. Er liest laut und klar und schafft etwas, das bei Lesungen nicht selbstverständlich ist: Das Publikum durch die schlichte Qualität der Geschichten und den starken Ausdruck zu unterhalten und die Aufmerksamkeit der Zuhörer problemlos zu halten. Während der Autor darum bemüht ist, die Zuhörer nicht länger als nötig zur Aufmerksamkeit anzuregen, wird deutlich, dass diese gerne noch mehr Kostproben seines Werks hören würden. Glattauer schreibt Literatur, die die Massen anspricht. Populäre Literatur ist qualitativ oft minderwertig, heißt es – nicht aber in diesem Fall. So betont Tomas Friedmann, Leiter des Literaturhaus Salzburg, viele würden Populäres abkanzeln. Wer aber so viele Bücher wie Glattauer verkaufe, müsse auch einen gewissen Nerv treffen. Die Geschichte einer Liebe, die sich zwischen zwei Mail-Schreibern entspinnt, wie sie „Gut gegen Nordwind“ erzählt, passe in eine Zeit, in der der Großteil der Menschen online unterwegs ist und dort auch Bekanntschaften macht. Aufgrund des großen Erfolgs sei er auch bereit gewesen, eine Fortsetzung zu schreiben, erzählt Glattauer.

 

mokant.at > foto: alexandra metz
Passend zur Jahreszeit liest Glattauer schließlich aus „Der Karpfenstreit. Die schönsten Weihnachtskrisen“. Dass das vermehrte Zusammenrücken der Familien in den Feiertagen Quell für Stress birgt, ist sicher jedem bekannt. Auch adventszeitliches Vanillekipferl-Futtern gehört zum jährlichen Ritual der Vorweihnachtszeit, bei dem Glattauer durch jahrelange Beobachtung alle sieben Arten der Kipferlkonsumenten ausmachen konnte. Als Kenner der familiären Reizthemen unterm Christbaum erweist sich der Autor auch auf diesem Themengebiet als scharfer Beobachter, der mit seinen Analysen zu den Feiertagen unterhalten kann. Beim entspannten Büchersignieren können Fans einen besonderen literarischen Abend ausklingen lassen.

 


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Fotos: Hörbuch Hamburg (3)

 

 

 

 

 

 



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