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KopfhörerInnen 01:
Kanye West und Marnie Stern
Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy
Mit seinem neuen Album führt Kanye West vor, wozu Hip Hop in seiner Agonie noch fähig sein kann. Kam in diesem Jahr mit dem Solo-Album von Big Boi schon ein wunderbares Album in diesem Genre heraus, das sich allerdings eher den sonnigen Themen und Beats zuwandte, so könnte das Album von West dessen teuflischer, narzisstischer und abgründiger Bruder sein. Hip Hop wird hier endgültig als eine Kunstform vorgeführt, als ein komplexes und in sich differenziertes System, das vielerlei Einflüsse zulässt, ohne dabei aufzuhören, Hip Hop zu sein.
Was hier an Samples, an Sounds und an Einflüssen stattfindet, findet wohl so schnell keinen wirkliche Vergleichspunkt. Von King Crimson und Black Sabbath, über Aphex Twin und Bon Iver, bis hin zu Rhianna und Jay-Z ist hier alles möglich und vor allem auch schlüssig in den Albumkontext eingepasst. West geht hier aufs Ganze und versucht ein Album zu machen, das bleibt und die Zeit überdauert. Es besteht kein Zweifel daran, dass er selbst daran glaubt, dieses auch gemacht zu haben.
Erstaunlicherweise hält das Album aber diesen Anforderungen Stand, es ist weitestgehend makellos und über Strecken atemberaubend geworden. Es mögen sich Neider und Kritiker dieser Platte finden, diesen wird aber wohl zurecht vorgeworfen werden können, dass sie die Person Kanye West, der ein arroganter Egomane sein mag, mit der grandiosen Musik gleichsetzen und diese Abneigung in die Musik hineintragen.
JedeR der sich dieser Platte unvoreingenommen nähern kann, wird ein Sammelsurium an Ideen und ein schier endlose Ansammlungen von waghalsigen Arrangements wiederfinden.
9,5/10
Marnie Stern - Marnie Stern
Ein schlichter und doch kaum hoch genug einzuschätzender Verdienst von Marnie Stern ist es, das Tapping und das Solo der Einbettung in eine Klimax entzogen zu haben. Bei Stern gibt es daher auch, wenn man es genau betrachtet, keine Soli, die auf ein Ziel hin steuern würden, die den Höhepunkt eines Songs darstellen, nachdem alles zerfällt und nur mehr auf das Ende und das letzte Aufbäumen wartet. Die Bewegungen ihrer Soli und ihrer Tapping-Eskapaden sind vielmehr kreisend, nicht teleologisch. Es wird niemals deutlich, wohin diese Elemente ihrer Musik führen sollen, sie sind wie selbstverständlich in die Lieder eingewebt, beinahe natürlich und organisch. Marnie Stern verbindet dabei auf einzigartige Weise die Einfachheit und die Rohheit von Punk mit Elementen, die man eher dem Prog-Rock oder dem Metal zuschreiben würde. Ihre Musik ist dabei aber weder Punk, noch Rock, noch Metal, sondern etwas, das darüber hinaus weist. Sie nimmt die Energie des Punk, eine gewisse Riot-Grrrl Attitüde und das technische Vermögen eines Eddie Van Halen, um sich bei keinem dieser Einflüsse allzu lange aufzuhalten, sondern um daraus eine eigene Ideen, eine singuläre Vision zu entwerfen. Bei ihr wird vor allem das Tapping zu einer Metapher für einen hypernervösen Menschen, der Marnie Stern selbst auch ist. Es gelingt ihr selten zu schlafen, sie verbringt die Nachstunden lieber mit ihrer Gitarre und mit ihren Liedern. Die Finger klopfen beim Tapping auf die Saiten, doch hier ist es keine technische Spielerei, sondern ein Sinnbild für einen Menschen, der abwartet, um zuzuschlagen, der der Dinge harrt, die auch ihn zukommen. Marnie Stern wartet ab und klopft dabei unruhig mit den Fingern, statt auf die Tischkanten eben auf ihren Gitarrensaiten. Das Album „Marnie Stern“ ist dabei der willkommene Soundtrack für alle Wartenden und Unruhigen, die sich nicht mit dem musikalischen status quo zufrieden geben wollen. Wer die Musik von Marnie Stern hört, wird vielleicht auch nicht mehr schlafen können, dafür hat er sich aber eine musikalische Welt erarbeitet, die um so vieles bunter ist als die Musik, die man gemeinhin als Indie-Rock bezeichnet.
Rezension von

































