Wenn Violinmusik zu Pop wird

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Yann Tiersen: Weit mehr als „nur“ Filmmusikkomponist

Yann Tiersen bezauberte in der Arena Wien

 

Er steht auf der Bühne, nimmt die Geige in die Hand, setzt an und spielt. Er spielt als würde es kein Morgen geben. Die Haare des Bogens reißen und hängen weg. Die Rede ist von Yann Tiersen. Er bewegt sich zur Musik, die so ausdrucksstark ist, dass das Publikum keinen Ton von sich gibt. Yann Tiersen schafft es ein klassisches Instrument wie die Violine so zu spielen, dass sie sich mit der Popkultur verbinden lässt.

 

Yann Tiersen ist französischer Komponist und Musiker, vor allem ist er aber Multiinstrumentalist. Er spielt Klavier, Akkordeon, Gitarre, Bass, Violine und vieles mehr. Ein Mann der so gut wie alles kann und bei den meisten seiner Veröffentlichungen ein Ein-Mann-Orchester darstellt. Meist sind seine Stücke instrumental, ab und an wirken jedoch auch Gast-Musiker mit oder Tiersen selbst singt. Doch wem ist dieser Vollblut-Musiker ein Begriff? Auf irgendeine Art und Weise eigentlich jedem, denn Yann Tiersen gestaltete die Musik zu den erfolgreichen Filmen „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Good Bye, Lenin!“. Im Grunde kennt wohl jeder die Musik von Tiersen, aber nur wenige seinen Namen. Dennoch scheint sich Yann Tiersen in den letzten Jahren einen Namen gemacht zu haben, das Konzert in der Arena ist ausverkauft.

 

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Als Support spielt das Berliner-Duo Lonski und Classen. In Österreich bisher noch nicht bekannt, was sich wohl früher oder später ändern wird. Lukas Lonski und Felix Claßen wirken schüchtern, wie ihre Musik – aber dadurch eben auch sympathisch. Hört man die Musik von weiter weg, klingt sie ein wenig wie Radiohead. Lonski und Classen machen Folktronica, wobei die elektronischen Klänge so zart und minimalistisch eingesetzt werden, dass die Lieder sanft klingen und nicht wie der nächste Tanz-Hit. Diese Einfachheit zieht sich durch alle Lieder, sowohl durch den Text als auch durch Instrumentalisierung. Das Zusammenspiel von Schlagzeug, Gitarre und Gesang erzeugt einen einzigartigen Klangraum. Die Texte sind melancholisch und spielen mit Wiederholungen, dennoch wird Spannung innerhalb des Songs aufgebaut die sich im richtigen Moment laut aber doch zurückhaltend entlädt. Musik die vielleicht melancholisch klingt, aber nicht melancholisch macht.

 

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Yann Tiersen betritt die Bühne mit seiner Band. Das Publikum klatscht und hört auf, sich miteinander zu unterhalten. Yann lächelt verlegen und beginnt zu spielen. Neben vielen Liedern aus dem neuen Album „Dust Lane“ lassen sich auch ältere Songs finden. Dust Lane, das Lied aus dem gleichnamigen Album, fängt ruhig an, steigert sich aber von Sekunde zu Sekunde. Einspielungen und monotoner Chor-Gesang unterstützen den Wahnsinn, der durch die Melodie suggeriert wird. Bei „Fuck Me“ singt Yann Tiersen leise: „I know you know we're falling into a neverending mess ... so let's get undressed, we need to feel it“. Doch auch das, wodurch Yann Tiersen wirklich bekannt wurde durfte nicht fehlen: Ein Lied aus „Amélie“. Tiersen wechselt immer wieder zwischen Gitarre und Geige. Das fehlende Klavier ist schade, doch das Violinen-Solo macht alles wieder wett. Tiersen liebt Musik, das merkt man an seiner Art zu spielen. Bei jedem Applaus lächelt er, als wäre er es nicht gewohnt positive Zurufe zu bekommen. Ein Konzert, welches zum Träumen einlädt und zeigt, dass Yann Tiersen mehr ist als nur der Filmmusik-Schreiber von „Amélie“.
Homepage von Lonksi & Classen

Rezension und Fotos von
Petra Gschwendtner

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