24. November 2010 | Musik

„Kann nicht laut genug sein“

flickr.com/madden_sn (shaun madden)
Graz hat eine Szene für Noise-Musik, Innsbruck nicht so wirklich

mokant.at: Wie würdet ihr die Szene in Innsbruck und Umgebung einschätzen?

Nuderscher: Null. Es gibt in der p.m.k (Innsbrucker Kulturplattform, Anm.) zwar genügend Konzerte die in Richtung Drone gehen, und da scheinen die Leute auch hinzukommen, aber wir konnten trotz Anstrengungen über alle möglichen Kanäle, die Leute nicht so mobilisieren, wie wir uns das eigentlich vorgestellt hätten. Die Szene ist, im Vergleich zu Graz, allgemein sehr klein bis nicht existent.

 

mokant.at: Aber ihr wollt das Projekt im Prometheuskeller trotzdem weiterverfolgen? Nuderscher: Wir hängen beide sehr stark an dem Projekt, fühlen uns beide sehr wohl damit und haben jedes Mal Spaß daran. Natürlich, je mehr Leute kommen, desto besser. Ein gewisses Stammklientel haben wir mittlerweile, so um die fünf Leute. Die kommen wirklich jedes Mal und denen es gefällt es auch. Wir haben keinen extrem missionarischen Eifer, doch wenn wir Leute anstecken können, wenn Leute durch uns auf diesen Sound gebracht werden und wir ihr Interesse wecken können, macht das uns natürlich Freude.

Stegmayr: Wir haben auch sehr viel Zeit darin investiert, um teilweise wirklich abwegige Sachen zusammenzusuchen, im Internet aufzutreiben, zu kaufen und so weiter. Diesen Korpus, den wir jetzt vorliegen haben, zu erstellen, war mühsam, kostete natürlich sehr viel Energie und dementsprechend liegt sehr viel Herzblut darin. Aufgrunddessen ist der Ort an dem wir auflegen eigentlich sekundär. Das Projekt an sich steht.

 

mokant.at: Viele finden ja, dass sich Noise im Grunde nach nichts anhört.

Nuderscher: Bei Noise zieht keine Musikkritik und fast kein Sprechen darüber. Nur in einem ganz gewissen Rahmen. Man kann nicht wirklich großartig über die suggestive Kraft reden oder sagen, dass dieses und jenes wahnsinnig guter Noise ist. Natürlich merkt man mit der Zeit intuitiv was vielschichtiger ist oder mehr Facetten hat.

Stegmayr: Man müsste, um die Präsenz vollends zu erzeugen, auch mit anderen akustischen Mitteln, einer besseren Anlage arbeiten. Visuals wären auch ein zusätzliches Angebot sich da hineinfallen zu lassen. Eigentlich hätten wir gerne ein Raum-Klang-Erlebnis, mit dem man den Raum mit Atmosphäre füllen kann. Was Drone natürlich kann, aber vielleicht nicht für jeden ad hoc zugängig ist.

 

mokant.at: Wie wäre so ein Raum-Klang-Erlebnis vorstellbar?

Nuderscher: Wir haben einmal ein Drone-Set aufgelegt und ich habe diletantisch versucht dazu Visuals zu machen. Wir haben gemerkt, dass das der Sound für Hörer braucht, die teilweise noch dazu hingeführt werden müssen. Und natürlich Lautstärke, Lautstärke, Lautstärke, Lautstärke. Es kann gar nicht laut genug sein. Vor allem muss, gerade bei diesem Sound, die Musik schwer differenziert aus den Boxen herauskommen, damit alle möglichen Facetten wiedergegeben werden können. Da braucht es natürlich wirklich gute Anlagen.

Stegmayr: Was für einen Ortswechsel sprechen würde. Nachdem wir allerdings erst am Beginn des Projekts stehen und die Komplexität der Idee die Möglichkeiten derzeit noch übersteigt, sind wir natürlich sehr froh, dass wir das im Prometheus machen dürfen und können. Aber es ist erst der Anfang von dem was wir machen wollen.

 

mokant.at: Wie seht ihr den Aspekt des Zufalls in dieser geräuschhaften Musik?

Nuderscher: Letzenendes sind wir ja nur Vermittler, denn die Noise Sachen funktionieren letztendlich erst live wahnsinnig gut. Normalerweise ist das ja nichts zum Auflegen, denn live "passiert" Noise – im Moment, in der Improvisation.

Stegmayr: Wenn man CDs oder MP3s auflegt, hat man den Aspekt des Moments natürlich verloren. Es ist alles schon vorgefertigt, nichts ereignet sich mehr, wenn man es genau nimmt. Es hat viel mit dem Zufall zu tun.

 

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