Zwischen den Tönen: Vermarktung
Jan, Drummer von „Mother's Cake“, über die Vermarktung der eigenen Musik
Im Leben eines Musikers kommt der Tag, an dem man ins kalte Wasser springen muss und sein Material an Radiosender, Labels, Agenturen, etc. schicken muss. Ich für meinen Teil stehe gerade noch am Beckenrand, die Zehen eintauchend und traue mich nicht so recht hineinzuspringen. Warum ich Bedenken habe und den Sprung nicht wage, hat aber auch seinen Grund.
Vielleicht sollte ich das ein bisschen näher erklären und mit dem Radio beginnen. Leider komme ich hier nicht um Kritik herum. Zwar versuchen vor allem kleinere Radiosender außergewöhnliche Musik zu fördern, die nicht ganz in das Bild der lukrativen Radiomusik passen und auch Ausnahmen bei den großen Radiosendern Österreichs sind existent.
Es scheint jedoch, dass jeder Versuch außergewöhnliche, interessante Musik zu fördern, sofort mit fallenden Quoten abgestraft wird. Wer nicht arm werden will, dem bleibt so keine Wahl. Traurig zu wissen das die kulturelle Verarmung schlussendlich auf uns selbst zurückzuführen ist – traurig zu wissen, dass es wenig Platz gibt, für die Musik, die wir machen.
Ein anderes Thema ist das Label. Vor gar nicht allzu langer Zeit wurden die Sektflaschen geköpft und wahrscheinlich mehrere Tage durchgefeiert, wenn es hieß: Wir haben einen Plattendeal. Heute kann es ein Grund zum Feiern sein, aber vor allem ist es bei genauerer Überlegung ein Grund zur Sorge. Es gibt eigentlich nur zwei Optionen: Du kommst bei einem Majorlabel unter. Finanzielle Sorgen gehören erstmal der Vergangenheit an. Jedoch wird sofort die Kastrationszange angelegt und der größte Teil deiner kreativen Möglichkeiten abgeschnitten. Schließlich bist du noch nicht berühmt genug, um musikalische Unabhängigkeit einfordern zu können.
Die zweite Option ist wohl noch kritischer. Du kommst bei einem kleineren Label unter, welches wirklich an deiner Musik und nicht nur an dem vermarktbaren Teil daran interessiert ist. Leider hat es damit auch schon sein Todesurteil unterschrieben, da ein kleineres Label noch viel mehr vom Verkauf der CDs abhängig ist. Da kommt es höchst unpassend, das genau der Teil der Bevölkerung, der die Trends legt – die Jugend –, weniger Musik kauft als saugt. Hat das Label unglaubliches Glück und schafft es doch eine dieser Bands auch groß zu machen, wird entweder das Label oder die Band von einem Majorlabel aufgekauft und der zuvor beschriebene Fall tritt ein.
Eine andere Möglichkeit gibt es noch. Ich nenne sie Band GmbH. Hierfür ignoriert man zu allererst die eigenen musikalischen Ideen und schreibt einfach einen 4-Akkorde-Hit (beispielsweise C, G, Am, F) nach dem anderen bis man sich schließlich den Hintern bei Sony oder Universal oder sonstiges breit macht. Jetzt gilt es möglichst viel Geld zu verdienen und sich einen Namen zu machen. Wichtig ist hierbei, dass man ständig in Begleitung eines guten Juristen ist, der einem möglichst viele Rechte an den eigenen Songs sichert.
Schließlich werden diese als finanzielle Basis für Phase zwei benötigt. Phase zwei: Man verlässt das Label aus welchen Gründen auch immer und fängt an, das verdiente Geld in ein Studio und einige Marketingspeziallisten und so weiter zu investieren. Kurz gesagt: Man gründet eine Art Firma, die in Zukunft versuchen wird, das Produkt – die Musik – zu verkaufen. Der riesige Vorteil hierbei: Man ist sein eigener Chef und kann seinen Namen, der ja aufgrund der Majorlabel-Jahre hoffentlich ein großer ist, dazu benutzen, die Musik zu machen, die man liebt.
Leider hat diese Idee auch einige Nachteile: Die erste Phase beinhaltet das Verkaufen der musikalischen Seele auf ungewisse Zeit und der Jurist der einem die Rechte an den eigenen Songs sichert muss erst noch geboren werden. Das Geschriebene umfasst nur einen kleinen Teil von dem, was mir durch den Kopf geht, wenn ich daran denke in die Offensive zu gehen. Glücklicherweise besitzt unsere Band ja noch zwei Köpfe mehr, die mich immer wieder daran erinnern was ich eigentlich darüber denken sollte: Was soll's. Im schlimmsten Fall bleibt uns unsere Musik.
Jan Haußels
Zwischen den Tönen nachlesen:





















































