Revolution und Sehnsucht
Im „Roten Salon“ erschienen zahlreiche Gäste, um Mel's Heimspiel zu lauschen
Gute, hörenswerte Musik entsteht fernab von der seit den Neunzigerjahren um sich greifenden Castingshowkultur – das lässt sich nach einem Abend mit den hervorragenden Musikern Mel und ihrem Begleiter Stootsie sowie der Vorband My Name is Music sagen. Denn derart authentische und begeisternde Musik entsteht sicher nicht unter Dieter Bohlens Fittichen. Phoebe Hall betritt in einem kurzen schwarzen Minikleid mit großer Aussparung im Rückenbereich und hellrosa Perücke die Bühne im Roten Salon in der ARGE Kultur Salzburg, während sich ihr Kollege in abgeranzten Jogginghosen und oben ohne präsentiert.
Auf seiner Brust prangt in Rot der Name der Band, „My name is Music“. Mit brünetter Wuschelhaarfrisur und einer Brille mit dickem schwarzem Rand sieht er aus, als hätte er soeben eine Zeitreise aus den Siebzigern angetreten. Altmann sitzt und spielt auf einer roten E-Gitarre und Phoebe singt dazu. Das Duo beginnt das erste Lied „Smooth Revolution“ zu interpretieren.
Lieder für die Freiheit
Phoebe Hall und Niki Altmann gründeten My Name is Music im Sommer 2007 unter dem Namen „Margaret and Apoll“. Der Stil des Duos lässt sich am ehesten in die Schublade „Voice 'n' Bass“ einordnen. Die Songs sind kraftvoll und fordern Freiheit ein: Freiheit, das zu tun, was einem Spaß macht und eine politische Revolution. Die Musik der beiden scheint aus tiefster Seele zu kommen, da ist etwas, das nach draußen getragen werden muss. Phoebe Hall tanzt in rot-weißen Strümpfen und Sneakers zu den eingängigen Songs. Gelegentlich unterstützt sie Altmann nicht nur stimmlich, sondern steuert den Liedern Töne einer Hi-Hat bei, die sie im Rhythmus zu Altmanns Gitarre anklingen lässt. Ein echter Mitsinghit könnte „Paralyzed“ werden, indem die Sängerin andere, die ihr Fesseln auferlegen wollen, anklagt.
Das Ende der Popmusik besingt das Duo schließlich in „Pop is dead“. Die Freude am Performen ist den Neomusikern deutlich anzumerken, Phoebe Hall strahlt, wenn sie ihre Lieder singt und beide interagieren geschickt mit dem Publikum. Den Performance-Höhepunkt findet der Auftritt schließlich, als Hall sich ihre rosa Perücke vom Kopf reißt und ein dunkler Kurzhaarschnitt zum Vorschein kommt. Das kreative Duo räumt schließlich die Bühne für Mel und Michael „Stootsie“ Steinitz, der die Sängerin auf E-Gitarre und Keyboard begleitet. Er spielt auch in der Band „The SeeSaw“.
Tiefe Melancholie
Mel trägt ein ärmelloses Top, das die zahlreichen Tätowierungen auf ihrem Arm gut sichtbar macht und Jeans. Während „My Name is Music“ in der Interaktion mit den Zuhörern voll aufgingen, sind hier die Worte zwischen den einzelnen Liedern eher spärlich gesetzt. Stootsie begrüßt das Publikum mit den Worten, Nik Altmann hätte ihm jetzt leider die Bühnenshow gestohlen – schließlich ziehe sonst er immer sein T-Shirt aus. „Mit so vielen Gästen hätte ich nicht gerechnet“, sagt Mel. Die Sängerin, die eigentlich Melanie Mayr heißt, beginnt mit dem Song „Stars“, der sich auf dem aktuellen Album „Escape the Cold“ findet.
Erst im Sommer 2007 begann die junge Frau mit dem Schreiben eigener Songs. Die Lieder zeichnet eine unaufgeregte Intensität aus, die man sonst selten findet und sind im Folk beheimatet. Mel begleitet sich beim Singen mit Akustikgitarre und bläst zwischenzeitlich Mundharmonika. Die Stücke erzählen von einer tiefgreifenden Melancholie, dem Wunsch nach Liebe und Sehnsucht. Faszinierend ist die Diskrepanz zwischen Mel als der schüchternen, jungen Frau, wie sie sich auf der Bühne präsentiert, und der Intensität der Lieder, die sie mit vollkommener Hingabe präsentiert. So haucht die Sängerin zwischen den einzelnen Stücken oft nur ein „Dankeschön“ ins Mikrophon. Während dem Musizieren beugt sich die junge Frau tief über die Gitarre. Das Duo fährt mit dem Stück „Changing“ fort, das auf der gleichnamigen Debüt-EP zu hören ist. „Fellow for a Lifetime“ erzählt schließlich erneut von der großen, bedingungslosen Liebe.
Auch mehrere Coverversionen interpretiert Mel, darunter a-has „Sun Always Shines on TV“ aus dem Jahre 1985. Zwei weitere Musiker gesellen sich nach einer Weile auf die Bühne, einer von beiden ist Nik Altmann. Nachdem die Musiker in perfekter Harmonie gemeinsam gespielt haben, lächelt Mel zum ersten Mal breit. Als finales Stück spielen Mel und ihre Bandmitglieder schließlich „Read your Mind“, das wohl bekannteste ihrer Lieder, das den Abend in konstanter Intensität ausklingen lässt. Auf musikalische Neuigkeiten der jungen österreichischen Künstler „My Name is Music“ und Mel darf man sich jedenfalls freuen.





















































