26. November 2010 | Gesellschaft

An Luxus schnuppern

mokant.at > foto: raimund appel
Luxus wohin das Auge blickt, auf der Luxusmesse „Luxury, please“

Vonwegen Sparen: Bei der Luxusmesse wird die Dekadenz noch groß geschrieben

 

„Die Reichen verprassen unser Geld“, schreien die Demonstranten vor der Wiener Hofburg am 19. November unentwegt, während sich im Inneren die vermeintlich Reichen inspirieren lassen, für was sie ihr Geld ausgeben könnten. Natürlich zieht die Luxusmesse „Luxury, please“ aber nicht nur die oberen Zehntausend an. Auch der Otto-Normalverbraucher schaut sich hier neugierig um, was Luxus in Form von Konsumgütern so alles bedeuten kann.

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Luxus für 39 Euro
Zum fünften Mal jährte sich heuer die Luxusmesse „Luxury, please“ in der Wiener Hofburg und zeigte auf viertausend Quadratmeter was einem entgeht, wenn man nicht zu den oberen Zehntausend zählt. Doch anders als erwartet führt dies nicht zu Neidausbrüchen und Zweifeln gegenüber der eigenen Existenz, sondern verschafft einem die Gewissheit, dass das nötige Kleingeld oft in geschmackunsicheren Händen landet. Für 39 Euro Messeeintritt ist diese Erkenntnis zu haben. Unzählige Messestände mit Strassstein-Popart, die derzeit unter der neureichen Kunstmäzenatentum wohl besonders beliebt ist, Lederbildern und Goldlandschaften auf Leinwand, sind die Inseln der Geschmacklosigkeit, die dem normalsterblichen Publikum genügend Anlass boten, um sich über mangelndes ästhetisches Empfinden und Feinsinnigkeit des Parvenüs zu belustigen.

 

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Stille Pracht und leiblicher Komfort
Neben dem unfreiwillig Humorvollen wurde für Liebhaber des Understatement auch klassische Handwerkskunst präsentiert, wie etwa Glaskultur der Wiener Glasmeister Lobmeyr oder Herrenmaßschuhe von Paolo Scafora. Ab siebentausend Euro kann man schon ein wahrlich wohliges Bett des britischen Herstellers „VI Spring“ sein Eigen nennen, versicherte der überaus höfliche Firmenvertreter. Diamantbesetzte Falkenhauben von Tiroler Goldschmied waren das Highlight der Messe und ließen die Dimensionen von wahrer Exklusivität erahnen – Luxus beginnt dort, wo die „Luxury, please“ aufhört beziehungsweise nicht hinsieht. Plastische Chirurgie, Riesenfernseher und Pelzmantel gehören nicht dazu.

 

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Nachhaltiger Luxus
Das Thema „Nachhaltigkeit“ war das Motto der diesjährigen „Luxury, please“, bodenständiger als in den Vorjahren sollte es werden: So durfte man in einem Salon Mitarbeitern ausgewählter Wiener Manufakturen bei der Arbeit über die Schultern schauen und entdeckte hie und da grüne Akzente in der Design- und Interieurabteilung.

Am Heldenplatz demonstrierte derweil ein überschaubarer Protestzug der Sozialistischen Linkspartei und der KPÖ gegen das dekadente Treiben in der Hofburg, während die Regierung Sparpakete schnürt. Doch die Party im Inneren war lauter.

 

Bildergalerie dazu ...
Gold-Pferd und Cola-Kleid

Link dazu ...
Luxury, please

Artikel von
Patricia Paula Konarzewski

Fotos von



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