Gaslight Anthem
Nach wie vor authentisch:
Gaslight Anthem
Gaslight Anthem boten
High-Performance-Rock'n'Roll in Wien
Auf Stadionrockallüren und Rockstargepose wird verzichtet. Gaslight Anthem stellen ihre Musik in den Mittelpunkt. Kommuniziert wird mit Instrumenten, einem hinter dem Mikrofon verstecken, verschmitzten Lächeln und Songs, die gehört werden wollen. Ja, es geht um Musik. So viel ist klar. Am wohl bislang kältesten Novembertag in diesem Jahr beehrte die US-amerikanische Folk-Soul-Punkband, Gaslight Anthem, im Rahmen ihrer Europatour die seit Wochen ausverkaufte Wiener Arena. Vor drei Jahren noch war die Band um Mastermind Brian Fallon nur Szenemenschen ein Begriff. Man tingelte mit einem sowohl mäßig bekannten als auch mäßig erfolgreichen Album durch die Lande, Headlinershows waren Mangelware, eher fiel man als ambitionierter Supportact auf und auch die knackige, mit einigen Hits versehene EP konnte an diesem Status nur wenig ändern.
Aber wie kam es zum Hype dieser durchwegs sympathischen Band? 2008 dann die Veröffentlichung ihres Vorgängeralbums „The ´59 sound“, das hohe Wellen schlug und bei Kritikern sowie Fans breiten Anklang fand. Von da an ging es schnell; eine Titelstory jagte die nächste, das deutsche Musikmagazin „Visions“ wählte das Album auf Platz drei der innerredaktionellen Jahrescharts und Auftritte auf den großen Festivalbühnen sowie bei David Letterman waren die Folge. „American Slang“, das dritte und bis dato jüngste Studioalbum, ist in diesem Sinne einfach als weiterer Schritt in diesem Entwicklungsprozess zu betrachten und führt deren Erfolgslauf fort.
Ihre Musik soll gehört werden, am Besten von so vielen wie möglich. Manche würden hinter solchen selbst definierten Zielvorgaben einen Ausverkauf vermuten. Auch, dass sie derzeit als Werbetestimonials für Levi´s Jeans parat stehen, deren Werbekampagne im Zuge der Europatour in London geshootet wurde, ließe darauf schließen. Nur stehen diesen bislang unausgesprochenen Vorwürfen auch ihr politisches und soziales Engagement entgegen. Ihr Einsatz für monetär benachteiligte Vereine oder Einrichtungen wie eine Schule aus New Brunswick oder den Hamburger Kiezfußballklub St. Pauli zeigen auch worauf ihre Musik und die damit verbundenen Wertvorstellungen fußen.
Diese Widersprüche, die das Rockbusiness bei anhaltendem Erfolg mit sich bringt, zu managen, gelingen der vierköpfigen Combo dann aber doch recht gut. Denn die Musik ist und bleibt der Hauptbezugspunkt des Gaslight Universums. Kein Green Day´sches Stadionrockgepose. Kein springsteeneskes aufgeblähtes Orchester. Keine Bühnenshow à la U2. Keine Ö3-tauglichen Mitgröl- und Mitklatschaufforderungen an das Publikum. Keine peinlichen weltverbesserlichen Plattitüden. 27 Songs – die längste Setlist bisher auf dieser Tour – und 100 intensive Konzertminuten später, beweisen, dass nichts von all dem notwendig ist um dem musikalischen Schaffen ausreichend Nachdruck zu verleihen.
Aber alles seiner chronologischen Reihe nach. Als Opener bemühen sich die englischen Sharks um Publikumsinteresse und machen einen guten Job. Solider Punkrock mit einer Portion Soul, mit britischem Akzent versehen und ein Clash-Cover zum drüber streuen, fassen ihren ersten Österreichauftritt ganz gut zusammen. Chuck Ragan gibt anschließend mit seiner Akustikklampfe Einblicke in seine Power-Country Welt. Seine Punkrockwurzel kann er nicht verbergen, hat das aber auch nicht vor. Ragan fühlt sich sichtlich wohl, genießt die Atmosphäre einer ausverkauften Halle und gibt ein Best-of-Set seines bisherigen Solisten-Daseins zum Besten. Gegen ca. zehn Uhr wird der in Punkrockkreisen allseits bekannte Totenkopf enthüllt, welchen sich nun auch Fallon und Co. zu Eigen machen, und Gaslight Anthem entern die Bühne.
Die Arena gehört ihnen, der Zuspruch des Publikums ist von Anfang an lauter Begleiter des Vierers aus New Jersey. Es geht um die Musik. So banal es klingt, so wenig selbstverständlich ist es in einer popkulturellen Phase in der Styling, Szenezugehörigkeit und intelligente Vermarktungsstrategien Gang und Gäbe sind. Ein Song folgt dem nächsten, für überlangen Applaus oder glorifizierende Selbstbeweihräucherung bleibt keine Zeit. Obwohl die Kommunikation mit dem Publikum auf ein Minimum reduziert ist, kommt es einem vor, als ob trotzdem ein ständiger Kontakt gesucht und gefunden wird. Die Songs dienen als Sprachinstrument, die nur sporadisch durch echte Interaktion unterbrochen werden.
Zwischen klassischen, aber ernst gemeinten Danksagungen, mischen sich dann doch auch ein paar Erzählungen von Fallon, die den persönlichen Zugang zur Band ermöglichen sollen. Wie es eben ist Bruce Springsteen in ihrer Heimatstadt am Gehsteig sitzend anzutreffen oder was so schlecht daran ist, noch mit 35 Jahren betrunken an der Bar zu sitzen, erzählt der Kopf der Band unaufgeregt. Was bleibt sind neben musikalischen Schmankerln, wie beispielsweise „Red at night“ akustisch und solo von Fallon vorgetragen oder dem fulminanten Ende mit „Backseats“, die Musik. Und der Glaube daran, dass nichts sonst von Bedeutung ist, als sie allein.





















































