Wien im Lesefieber
Die Buch Wien 10 lockte dieses Jahr tausende Leseratten in die Messe Wien
Einer Studie zufolge lesen Österreicher elf Bücher pro Jahr. Inspiration für neuen Lesestoff und sinnvolle Weihnachtsgeschenke konnte man sich bei der zum dritten Mal stattfindenden internationalen „Buch Wien“ holen. Vom 18. bis zum 21. November wurden in der Messe Wien die Neuerscheinungen des Buchjahres 2010 präsentiert. Die Halle D der Messe Wien bot mit ihrer Gesamtausstellungsfläche von über siebentausend Quadratmeter eine Bleibe für etwa 250 Aussteller, davon mehr als die Hälfte nationale.
Leselust in Wien
Neben Büchern aller Produktgruppen fanden sich auch Zeitschriften, Hörbücher und E- Reader. Die ewige Frage „Kann sich das Buch im Zeitalter der digitalen Medien noch behaupten?“ wurde auch in diesem Jahr wieder mit einem „Ja!“ beantwortet. „Trotz neuer Informationstechniken hat das Buch einen festen Platz in der Gesellschaft, das zeigt das Umsatzplus des Buchhandels in diesem Herbst. Das Buch bleibt das Medium des gesicherten Wissens“, so Gerald Schantin, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels in seiner Begrüßung vergangenen Donnerstag.
Auch wenn in der alltäglichen Mediennutzung das Buch nach Internet und Fernsehen kommt, verbringt der Durchschnittsösterreicher circa dreißig Minuten am Tag lesend. Bei 96.000 Neuerscheinungen pro Jahr im deutschsprachigen Raum kann man leicht den Überblick verlieren, so auch auf der „Buch Wien“. Unheimlich viel gäbe es zu entdecken, zu erforschen und zu lesen. Das Positive an einer Messeveranstaltung ist jedoch, dass sich alles „an einem Fleck“ befindet und man bei Interesse auch jederzeit zuschlagen und die auserwählten Bücher kaufen kann.
Große Namen und viele Bücher
In zahlreichen Außenstandorten in der ganzen Stadt fanden im Rahmen der Messe über dreihundert Veranstaltungen für Erwachsene und Jugendliche wie Buchpräsentationen, Signierstunden und Autorengespräche statt und brachten Stars aus der Literaturszene nach Wien: Am Donnerstag wurde die Gratisbuch-Aktion „Eine STADT. Ein BUCH“ unter Beisein von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Autor Dai Sijie gestartet. Der in Frankreich lebende chinesischer Schriftsteller Sijie und sein Roman „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ (2001) standen heuer im Mittelpunkt der Aktion, bei welcher hunderttausend Stück dieses Buches verschenkt wurden. Lesen ist und bleibt eine Möglichkeit über den Tellerrand zu blicken und „eine andere Kultur kennenzulernen“, so der Kulturstadtrat.
Am Samstag hatten die Besucher der Messe die Gelegenheit, die berühmte Krimi-Autorin Donna Leon über ihr außergewöhnliches aktuelles Projekt, „Tiere und Töne“ (Diogenes), sprechen zu hören. Als Liebhaberin barocker Musik versammelt Leon hier ihre Lieblingsarien von Georg Friedrich Händel, begleitet von zwölf fabelhaften Geschichten über die Tiere in Händelarien (kongenial illustriert von Michael Sowa). Ihre Wurzeln vergaß sie nicht, so las sie auch aus „Schöner Schein: Commissario Brunettis achtzehnter Fall“.
Der Eintrittspreis wurde im Vergleich zum letzten Jahr von neun auf sieben Euro reduziert, was eine Öffnung nach Außen und mehr Besucher hinein bringen sollte. Das hat sich ausgezahlt, immerhin kamen in diesem Jahr dreitausend Personen mehr als im Jahr davor.
Die „Buch Wien“ ist insgesamt ein bunter Ort der Begegnung zwischen Autor, Verleger, Übersetzer und Lesepublikum, was diese mehrtägige Veranstaltung zu einer Besonderen macht. Davon überzeugte sich am Sonntag auch Bundespräsident Heinz Fischer, der sich über das Engagement des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels freut und dass „die Menschen dafür gewonnen werden, dass sie lesen“.
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Buch Wien
Artikel von
Natalie Chrstos

























