09. November 2010 | Musik

„In die Gosch'n hauen“

mokant.at > foto: pascal honisch
Kreisky mögen Wien, obwohl es eigentlich zu österreichisch ist

In Wien müsste man fast jedem Dritten eine in die Gosch'n hauen, meinen Kreisky

 

Am 30. Oktober spielte die österreichische Band Kreisky, anlässlich einer großangelegten Ute Bock Benefiz-Konzert-Reihe, in der Arena von und zu Wien groß auf. Die anderen beiden Bands an diesem Abend waren mit Naked Lunch und Killed by 9 Volt Batteries ebenso bekannte Vertreter der heimischen Avantgarde-Rockszene.

 

 

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mokant.at: In ein schönes Bandsandwich hat man euch da heute gequetscht. Was meint ihr, passt die Mischung?
Gregor: Ja, sie passt wirklich sehr gut. Mit Killed by 9 Volt Batteries haben wir im Winter einmal einen sehr schönen Abend in einem Klagenfurter Hotel, rauchend und Bier trinkend auf dem Balkon, verbracht.
Franz: Kalt war's.
Gregor: Kalt war's. Bis um sechs in der Früh, oder so.
Klaus: Mit so einer Touristenquetsche aus den 1960er-Jahren, Vollholz, sowas verbindet.
Gregor: Und der Herwig von Naked Lunch hat unsere zweite und dritte Platte aufgenommen. Da waren wir zwei Wochen bei ihm im Studio.
Franz: Auf den ersten Blick ist es nicht unbedingt andere Musik, die die Bands machen, aber es ist viel mehr die Liebe zum Lärm und der Musik, die einen verbindet. Man versteht das musikalische Vokabular der anderen einfach sehr gut.

 

mokant.at: Ihr habt mir einmal in einem Interview gesagt, ihr hättet „das Österreichische“ in euch. Konkretisiert das doch bitte.
Franz: Das ist irgendwie nichts Besonderes. Es ist ganz klar, dass wir in Österreich aufgewachsen sind und darum kommen Dinge in bestimmter Form zum Ausdruck. Es kann natürlich schon sein, dass, wenn jetzt beispielsweise in Dresden eine Rezension über uns erscheint, es heißt, wir würden uns so wahnsinnig mit dem Österreichischen beschäftigen. Stimmt überhaupt nicht. Mich interessiert das eigentlich überhaupt nicht, aber wenn du hier aufwächst, ist klar, dass du irgendwie österreichisch gefärbt bist. Es geht aber viel mehr ums Menschsein.

 

mokant.at: Welche Ideale habt ihr?
Klaus: Verschiedener Natur. Politische, persönliche, zwischenmenschliche und andere sehr breit gestreute Ideale. Keine Dogmen. Wir sagen nicht: „Wir wollen die oder die Band sein.“ Man hat halt eine gewisse Haltung vielen Dingen gegenüber, im Privaten, wie auch Politischen, ohne sie aber durchsetzen zu müssen.

 

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mokant.at: Bleiben wir gleich beim Politischen. Was sagen Kreisky zur Wien-Wahl?
Klaus: Durchwachsen, naturgemäß. War aber zu erwarten. Ich sehe da eher ein Österreicher- als ein Wien-Problem. Wenn beispielsweise die Leute in Deutschland unzufrieden sind, dann wandert der Protest eher nach links, bei uns traditionell nach rechts.
Gregor: Ja, die Österreicher rennen nun mal gern zu den Nazis. Nicht alle, aber ein Teil davon. Man müsste in Wien fast jedem Dritten eine in die Goschen hauen.

 

mokant.at: Stellt diese Stadt einen Zufluchtsort für euch dar, oder seht ihr euch eher als ihre Gefangenen?
Gregor: Naja. Wenn man, wie ich beispielsweise, aus dem Salzburger Land kommt, dann ist es das klare Ziel nach Wien zu ziehen. Weil's eine richtige Stadt ist.

 

mokant.at: Was macht Wien zur richtigen Stadt?
Franz: Die Größe und dass sie nicht so homogen ist, wie andere Städte. Es gibt hier wirklich sehr viele verschiedene Krätzel, deshalb kann man, selbst wenn man schon zehn Jahre da ist, immer noch völlig neue Stadtteile finden. Das hat dann schon irgendwas Großstädtisches.
Gregor: Außerdem die öffentlichen Verkehrsmittel, gutes Wasser und die maximale Entfernung einer großen Stadt zu der Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin.


mokant.at: Weltflucht oder Spiegel einer harten Realität?
Franz: Harte Realität? Das kann man so nicht sagen. Es geht ja immer um Figuren. Es sind nicht unbedingt autobiographische Texte. Es sind eher Geschichten, die man von sich selbst kennt, ins Extreme übersteigert und die Figuren haben immer etwas Angefressenes, meistens aus einem Frust heraus, weil sie bei irgendwas zu kurz gekommen sind. Weltflucht? Würde ich nicht sagen, weil sich doch jeder Text irgendwie mit der Welt beschäftigt.

 

mokant.at: Du sprichst von Figuren. Das „Du“ und „Ich“ sind ja präsent in euren Texten. Was mich zur Frage bringt: Das lyrische Ich von Kreisky: Ego oder Alter-Ego?
Franz: Es ist weiter gedacht. So ein Text beinhaltet einfach Persönlichkeiten, die jeder kennt und mit denen er sich identifizieren kann. Nur übersteigert. Aber ja klar, man muss es natürlich auch begreifbar machen und nicht zu abstrakt gestalten, damit es auch Kraft hat. Das geht natürlich am besten in der direkten Ansprache.

 

mokant.at: Wen willst du genau ansprechen?
Franz: Publikum. Wir achten nicht darauf, ob es dem oder dem gefällt. Die Leute stellen das ohnehin selbst fest.


mokant.at: Was darf man sich vom kommenden Album erwarten, wo wird aufgenommen, wann erscheint es?
Franz: Der Plan sagt momentan im April. Schauen wir einmal, ob sich das ausgeht. Wir haben das Glück gehabt, dass grundsätzlich jede Platte ziemlich gut angekommen ist, gerade was Kritiken und so weiter angeht. Wir haben selbst relativ wenig darüber nachgedacht, was wir da eigentlich tun, und so haben wir uns beim Liedermachen praktisch selbst überholt, so dass die erste Platte eher fertig war, als wir gedacht hätten. So ist ein sehr direktes Album entstanden, das uns nicht nur sehr taugt sondern auch entspricht.

 

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mokant.at: Was ist der nächste Schritt?
Martin: Man hat immer irgendwie das Gefühl so was planen zu müssen, aber das funktioniert dann meistens eh nicht. Grundsätzlich ist Deutschland ein Thema, das uns beschäftigt. Nachdem wir seit unserem letzten Album eine Booking Agentur in Deutschland haben und bei den ersten Konzerten offensichtlich gut aufgenommen wurden, ist das etwas worauf wir aufbauen können. Aber es braucht natürlich noch ein bisschen.

 

mokant.at: Ihr alle seid ja nun schon lange im Geschäft, der Erfolg hat sich aber vergleichsweise spät eingestellt. Was hat euch dazu bewogen solange an der Musik dranzubleiben?
Klaus: Das, was du als „Geschäft“ bezeichnest, gibt es für uns erst seit jüngerer Zeit.

 

Plötzlich erklingt ein E-Dur Akkord und Herwig Zamernik springt mit einer Westerngitarre bewaffnet ins Zimmer. (Gelächter)


Herwig: Also was ist jetzt, spielst jetzt mit oder nicht?

Ein weiteres Mal erklingt das ebenso simple wie eingängige Gitarren-Thema und verleiht der Frage seines Urhebers damit unverhoffte Ausdrucksgewalt. Ebenso plötzlich wie er erschienen ist, verschwindet der Naked Lunch Bassist und Fuzzman dann auch gleich wieder in den Nebenraum. Das Interview kann weitergehen.

Klaus: Wir haben immer schon derlei Dinge gemacht. Aber dass die Sachen so schön und kräftig funktionieren, wie jetzt mit Kreisky, war eigentlich selten der Fall.
Franz: Der Traum vom Musikmachen war immer vorhanden und wir haben uns auf dem Weg keine gröbere Frustration eingefangen, so dass es jetzt immer noch genauso viel Spaß macht. Vielleicht sogar noch mehr.

 

mokant.at: Wenn ihr einem Journalisten eine Frage stellen könntet, welche wäre das?
Gregor: Was hast denn du überhaupt g'lernt?
(Gelächter)

Von was lebst du denn überhaupt?

 

mokant.at: Zigaretten, Bier und Kaffee.

 

Die Protagonisten des Interviews verabschieden sich mit einem Schmunzeln voneinander.


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Kreisky

Interview führte

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Am 30. Oktober spielte die österreichische Band Kreisky, anlässlich einer großangelegten Ute Bock Benefiz-Konzert-Reihe, in der Arena von und zu Wien groß auf. Die anderen beiden Bands an diesem Abend waren mit Naked Lunch und Killed by 9 Volt Batteries ebenso bekannte Vertreter der heimischen Avantgarde-Rockszene.