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westlicht.at/Pietro Masturzo Italien
„World Press Photo“ beeindruckt die Besucher jedes Jahr

Die Ausstellung der Pressefotografien schafft einen Überblick über das vergangene Jahr

 

World Press Photo entwickelte sich in den bisherigen 55 Jahren seines Bestehens als NGO mit Sitz in Amsterdam zur vielleicht bedeutendsten Institution für Fotojournalismus. Neben zahlreichen Programmen, die sich der Ausbildung und publizistischen Tätigkeiten widmen, liegt das Herzstück ihrer Arbeit in der Veranstaltung eines jährlich stattfindenden Wettbewerbs für professionelle Pressefotografen. Die besten Werke aus verschiedenen Sparten gehen schließlich wandern und werden in mehr als achtzig Städten weltweit einem breiten Publikum vorgestellt. In Wien kann man sie bis vierten November im Westlicht betrachten.

 

westlicht.at/Kent Klich Schweden

Politik mit anderen Mitteln
Susan Sontag sagte mal, dass die Kamera jede Person zu einem Touristen in der Realität macht. Das gilt auch für diese Ausstellung: eine Distanz des Betrachters ist unvermeidlich, doch was abgebildet wird, ist die pure Wahrheit. Bei World Press Photo sind das nicht nur, aber signifikant, Momentaufnahmen des Kampfes: Selbstmordattentat in Afghanistan, Angriffe im Irak, Steinigung in Somalia, Drogenkriege in Mexiko, Kolumbien oder Guinea-Bissau, Demonstrationen im Iran oder Kaschmir, Staatsstreich in Madagaskar, israelische Angriffe auf palästinensische Siedlungen.

Dokumente der Ereignisse im Iran spielten heuer die Hauptrolle und bekamen unter anderem die Preise für das beste Pressefoto überhaupt sowie eine spezielle Erwähnung. Pietro Masturzo gewann mit seinem Blick über die Dächer von Teheran den Hauptpreis: während tagsüber auf den Straßen gewalttätige Demonstrationen gegen die Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad stattfanden, protestierten in den Nächten ähnlich wie 1979 Leute schreiend von den Dächern ihrer Häuser. Die spezielle Erwähnung ist hingegen eine heuer neu eingeführte Auszeichnung für den Beitrag eines nicht professionellen Fotografen, der jedoch großen Nachrichtenwert bewies. Im Jahr 2009 war das das YouTube Video der auf den Straßen von Teheran während der Proteste erschossenen Studentin Neda Agha-Soltan.


westlicht.at/Paul Nicklen Kanada National Geographic

Körper und Blicke
Aus den über hunderttausend eingereichten Fotografien suchten eine Hauptjury sowie heuer zum ersten Mal auch spezielle Jurys für die Bereiche Natur, Sport und Porträt die besten Einzelbilder und Serien in zehn Kategorien aus, die auch noch Alltagsleben sowie Kunst und Unterhaltung umfassten. Trotz allem zeigt die Mehrheit der Arbeiten Menschen mit persönlichen Geschichten, die völlig unabhängig von gewalttätigen Konflikten stattfinden. Einerseits sind es Studien über den modernen Alltag, die zum Beispiel den Schönheitswahn, die Tanzlust oder den Terminstress kommentieren. Andererseits sind es Betrachtungen von Körpern, die aufgrund ihrer Besonderheiten oft marginalisiert werden, wie etwa blinde, autistische, anorexische oder transsexuelle Jugendliche. Und schließlich sind es Menschen, die durch ihre Abwesenheit das Bild prägen, wie der Schlächter, von dem nur seine abgeschlachteten Tiere übrig bleiben, oder die Obdachlosen, deren Bettzeug auf sie auf der Straße wartet.

 

westlicht.at/Gihan Tubbeh
Aber auch Blicke prägen diese Ausstellung. Etwa ein gewisser ethnographisch interessierter Blick, wenn es darum geht die Bewohner einer ehemals blühenden Arbeiterstadt, eine Roma-Siedlung, moderne Hippies und Sportfans oder modebewusste Afrikaner darzustellen. Oder der Blick als Inhalt des Fotos, wenn man zusammen mit einer alleinerziehenden Mutter ihre Nachbarschaft oder mit einer Australierin ihre durch Buschfeuer zerstörte Heimatstadt betrachtet. Die Natur dient in dieser Ausstellung aber nicht nur als Drohung, sondern auch als Entspannungselement zwischen all den konfliktbeladenen Bildern, vor allem durch die Antarktis-Fotoserie von Paul Nicklen.

Im Westlicht sind aber nicht „nur“ die rund 170 besten Pressebilder des Jahres 2009 zu betrachten. Ein besonderes Leckerbissen sind heuer sechs Computer, auf denen die Besucher das Archiv aller World Press Photo Wettbewerbe durchstöbern können.
Link dazu ...
World Press Photo Ausstellung im Westlicht

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Fotos: westlicht.at/Gihan Tubbeh (Titelbild), Pietro Masturzo Italien, Kent Klich Schweden, Paul Nicklen Kanada National Geographic, Gihan Tubbeh

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