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Die Ausstellung der Pressefotografien schafft einen Überblick über das vergangene Jahr
World Press Photo entwickelte sich in den bisherigen 55 Jahren seines Bestehens als NGO mit Sitz in Amsterdam zur vielleicht bedeutendsten Institution für Fotojournalismus. Neben zahlreichen Programmen, die sich der Ausbildung und publizistischen Tätigkeiten widmen, liegt das Herzstück ihrer Arbeit in der Veranstaltung eines jährlich stattfindenden Wettbewerbs für professionelle Pressefotografen. Die besten Werke aus verschiedenen Sparten gehen schließlich wandern und werden in mehr als achtzig Städten weltweit einem breiten Publikum vorgestellt. In Wien kann man sie bis vierten November im Westlicht betrachten.
Politik mit anderen Mitteln
Susan Sontag sagte mal, dass die Kamera jede Person zu einem Touristen
in der Realität macht. Das gilt auch für diese Ausstellung: eine Distanz
des Betrachters ist unvermeidlich, doch was abgebildet wird, ist die
pure Wahrheit. Bei World Press Photo sind das nicht nur, aber
signifikant, Momentaufnahmen des Kampfes: Selbstmordattentat in
Afghanistan, Angriffe im Irak, Steinigung in Somalia, Drogenkriege in
Mexiko, Kolumbien oder Guinea-Bissau, Demonstrationen im Iran oder
Kaschmir, Staatsstreich in Madagaskar, israelische Angriffe auf
palästinensische Siedlungen.
Dokumente der Ereignisse im Iran spielten heuer die Hauptrolle und
bekamen unter anderem die Preise für das beste Pressefoto überhaupt
sowie eine spezielle Erwähnung. Pietro Masturzo gewann mit seinem Blick
über die Dächer von Teheran den Hauptpreis: während tagsüber auf den
Straßen gewalttätige Demonstrationen gegen die Wiederwahl von Mahmud
Ahmadinedschad stattfanden, protestierten in den Nächten ähnlich wie
1979 Leute schreiend von den Dächern ihrer Häuser. Die spezielle
Erwähnung ist hingegen eine heuer neu eingeführte Auszeichnung für den
Beitrag eines nicht professionellen Fotografen, der jedoch großen
Nachrichtenwert bewies. Im Jahr 2009 war das das YouTube Video der auf
den Straßen von Teheran während der Proteste erschossenen Studentin Neda
Agha-Soltan.
Körper und Blicke
Aus den über hunderttausend eingereichten Fotografien suchten eine
Hauptjury sowie heuer zum ersten Mal auch spezielle Jurys für die
Bereiche Natur, Sport und Porträt die besten Einzelbilder und Serien in
zehn Kategorien aus, die auch noch Alltagsleben sowie Kunst und
Unterhaltung umfassten. Trotz allem zeigt die Mehrheit der Arbeiten
Menschen mit persönlichen Geschichten, die völlig unabhängig von
gewalttätigen Konflikten stattfinden. Einerseits sind es Studien über
den modernen Alltag, die zum Beispiel den Schönheitswahn, die Tanzlust
oder den Terminstress kommentieren. Andererseits sind es Betrachtungen
von Körpern, die aufgrund ihrer Besonderheiten oft marginalisiert
werden, wie etwa blinde, autistische, anorexische oder transsexuelle
Jugendliche. Und schließlich sind es Menschen, die durch ihre
Abwesenheit das Bild prägen, wie der Schlächter, von dem nur seine
abgeschlachteten Tiere übrig bleiben, oder die Obdachlosen, deren
Bettzeug auf sie auf der Straße wartet.
Im Westlicht sind aber nicht „nur“ die rund 170 besten Pressebilder des Jahres 2009 zu betrachten. Ein besonderes Leckerbissen sind heuer sechs Computer, auf denen die Besucher das Archiv aller World Press Photo Wettbewerbe durchstöbern können.
World Press Photo Ausstellung im Westlicht
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