Brenners Abenteuer
Wolf Haas füllt das Salzburger Republic
Wenn Wolf Haas aus seinem jüngsten Brenner-Roman „Der Brenner und der
liebe Gott“ liest, lässt sich Salzburg nicht lange bitten. In Scharen
strömt das Volk ins Republic, um den Großmeister des österreichischen
Krimis live zu hören.
Ein schmächtiger Mann im grauen Anzug betritt die Bühne, Applaus
erklingt. Es handelt sich um den fast 50-jährigen Wolf Haas, der durch
seine Romane rundum Detektiv Simon Brenner bekannt wurde. Mehr als eine
Million Exemplare konnte der Salzburger davon verkaufen. Haas liest
eingangs einige Leserbriefe von Berufsschülern an ihn vor, die ihm
breites Lob für sein Werk streuen und beim Zuschauer ob stilistischer
Schnitzer für ein Schmunzeln sorgen. Zudem nennt ihn ein Bursch in der
Anrede gar versehentlich „Herr Hass“.
Haas beginnt darauf, aus dem von Lena Meyer-Landrut signierten Ausgabe
des Brenner zu lesen. „Wir waren beide in die gleiche ZDF-Morgenshow
eingeladen“, lässt Haas das Publikum wissen.
Brenners Lieblingsansprechperson ist hier eine Zweijährige, die er 500
Kilometer zwischen Wien und München hin- und herkutschiert. Überall
lebt ein Elternteil der kleinen Helena. Die Kressdorfs haben zwar viel
Geld, aber zu wenig Zeit für ihr Kind. Der Bauunternehmer und die
Chefin einer Abtreibungsklinik haben auch so genug zu tun.
Simon Brenner gibt sich neuerdings weniger rau als in den
Vorgängerromanen und scheint angekommen im neuen Beruf – so lange er
die tägliche Dosis Psychopharmaka schluckt, geht es ihm gut. Während
Brenner im Tankstellenshop bezahlt, geht Helena allerdings
verloren. Der neue Job scheint nun nicht mehr gesichert und Brenner
macht sich auf die fieberhafte Suche nach dem Kind.
Haas' Sätze sind lang, verstrickt, aber dennoch verständlich. Die
Alltagssprache, die er im Text benutzt, und der österreichische Tonfall
machen das Zuhören unterhaltsam. Der Autor verliert sich gern in
Nebensträngen der Handlung, die gerade das Reizvolle am Werk sind.
Durch den subtilen Humor, der zwischen detektivischem Aufklären und
Anbandeln mit einer Südtirolerin stets aufkommt, hat Haas das Publikum
stets auf seiner Seite. Zudem gestaltet der Literaturpreisträger den
Abend sehr abwechslungsreich.
Nach einem Kapitel „Brenner“ erzählt er von einem Interview mit dem
Online-Standard und den zugehörigen Postings der Leser. „Die Statements
werden im Schutz der Anonymität geschrieben – das Niveau kann man sich
dann vorstellen“, sagt Haas schmunzelnd. Unter Pseudonymen wie
„Natascha Krampus“ würde geschimpft, was das Zeug hält. „Ein Leser
postet um 14:47 Uhr, mit den erfolgreichen Brenner-Romanen wolle man
die Cash-Cow noch einmal durch's Dorf treiben“, verliest der Salzburger.
Und weil Wolf Haas laut Internetmeinung inzwischen auch Gedichtbände
schreiben könnte, die sich verkaufen würden, nutzt er die Gelegenheit,
um aus seinem neuen Werk „Die Gans im Gegenteil“ zu lesen. Während
Haas liest, klammert er sich mit beiden Händen an sein Buch, sitzt
gebückt. „Was ist das für ein Licht?“, fragt er einen Zuschauer. „Ein
iPad“, antwortet dieser.
„Sie chatten inzwischen“, vermerkt Haas. Für weitere Unterhaltung ist
gesorgt, als Haas von einer Hausaufgabenseite im Internet berichtet.
Abschreiben goes Globalisierung, sozusagen. Die Jugendlichen fragen
einander verzweifelt um inhaltliche Zusammenfassungen des Haas-Romans
„Der Knochenmann“ mit der immer gleichen kopierten Redewendung. Der
selbstironische Haas entlässt die Zuseher schließlich mit den Worten:
„Danke, dass Sie gekommen sind, ich lese nicht gerne in einem leeren
Saal!“





















































