27. Oktober 2010 | Meinung

Brenners Abenteuer

Foto: Hauptverband des Österreichischen Buchhandels
Haas sorgt für einen lustigen literarischen Abend

Wolf Haas füllt das Salzburger Republic

 

 

Wenn Wolf Haas aus seinem jüngsten Brenner-Roman „Der Brenner und der liebe Gott“ liest, lässt sich Salzburg nicht lange bitten. In Scharen strömt das Volk ins Republic, um den Großmeister des österreichischen Krimis live zu hören.

Ein schmächtiger Mann im grauen Anzug betritt die Bühne, Applaus erklingt. Es handelt sich um den fast 50-jährigen Wolf Haas, der durch seine Romane rundum Detektiv Simon Brenner bekannt wurde. Mehr als eine Million Exemplare konnte der Salzburger davon verkaufen. Haas liest eingangs einige Leserbriefe von Berufsschülern an ihn vor, die ihm breites Lob für sein Werk streuen und beim Zuschauer ob stilistischer Schnitzer für ein Schmunzeln sorgen. Zudem nennt ihn ein Bursch in der Anrede gar versehentlich „Herr Hass“.

Haas beginnt darauf, aus dem von Lena Meyer-Landrut signierten Ausgabe des Brenner zu lesen. „Wir waren beide in die gleiche ZDF-Morgenshow eingeladen“, lässt Haas das Publikum wissen.
Brenners Lieblingsansprechperson ist hier eine Zweijährige, die er 500 Kilometer zwischen Wien und München hin- und herkutschiert. Überall lebt ein Elternteil der kleinen Helena. Die Kressdorfs haben zwar viel Geld, aber zu wenig Zeit für ihr Kind. Der Bauunternehmer und die Chefin einer Abtreibungsklinik haben auch so genug zu tun.

Simon Brenner gibt sich neuerdings weniger rau als in den Vorgängerromanen und scheint angekommen im neuen Beruf – so lange er die tägliche Dosis Psychopharmaka schluckt, geht es ihm gut. Während Brenner im Tankstellenshop bezahlt, geht Helena allerdings verloren. Der neue Job scheint nun nicht mehr gesichert und Brenner macht sich auf die fieberhafte Suche nach dem Kind.

Haas' Sätze sind lang, verstrickt, aber dennoch verständlich. Die Alltagssprache, die er im Text benutzt, und der österreichische Tonfall machen das Zuhören unterhaltsam. Der Autor verliert sich gern in Nebensträngen der Handlung, die gerade das Reizvolle am Werk sind. Durch den subtilen Humor, der zwischen detektivischem Aufklären und Anbandeln mit einer Südtirolerin stets aufkommt, hat Haas das Publikum stets auf seiner Seite. Zudem gestaltet der Literaturpreisträger den Abend sehr abwechslungsreich.

Nach einem Kapitel „Brenner“ erzählt er von einem Interview mit dem Online-Standard und den zugehörigen Postings der Leser. „Die Statements werden im Schutz der Anonymität geschrieben – das Niveau kann man sich dann vorstellen“, sagt Haas schmunzelnd. Unter Pseudonymen wie „Natascha Krampus“ würde geschimpft, was das Zeug hält. „Ein Leser postet um 14:47 Uhr, mit den erfolgreichen Brenner-Romanen wolle man die Cash-Cow noch einmal durch's Dorf treiben“, verliest der Salzburger.

Und weil Wolf Haas laut Internetmeinung inzwischen auch Gedichtbände schreiben könnte, die sich verkaufen würden, nutzt er die Gelegenheit, um aus seinem neuen Werk „Die Gans im Gegenteil“ zu lesen. Während Haas liest, klammert er sich mit beiden Händen an sein Buch, sitzt gebückt. „Was ist das für ein Licht?“, fragt er einen Zuschauer. „Ein iPad“, antwortet dieser.

„Sie chatten inzwischen“, vermerkt Haas. Für weitere Unterhaltung ist gesorgt, als Haas von einer Hausaufgabenseite im Internet berichtet. Abschreiben goes Globalisierung, sozusagen. Die Jugendlichen fragen einander verzweifelt um inhaltliche Zusammenfassungen des Haas-Romans „Der Knochenmann“ mit der immer gleichen kopierten Redewendung. Der selbstironische Haas entlässt die Zuseher schließlich mit den Worten: „Danke, dass Sie gekommen sind, ich lese nicht gerne in einem leeren Saal!“

 

 

Rezension von

Foto: Hauptverband des Österreichischen Buchhandels

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