Archiv
Viennale 2010: Wien wird für knapp zwei Wochen zur Filmhauptstadt
Ab nächster Woche ist es wieder so weit: die Viennale wird in sechs Kinos im Wiener Stadtzentrum den Heißhunger der Filmliebhaber auf gut gewürzte Raritäten und Frischfutter stillen. Die Eckdaten: das Festival dauert vom 21. Oktober bis zum 3. November, der Kampf um die Tickets beginnt am 16. Oktober, das Festivalzentrum befindet sich am „Badeschiff“, alle wichtigen Daten inklusive vollständigem Programm hingegen online. Für alle, die sich im Dickicht des Angebots verloren fühlen, folgen nun einige Koordinaten des Filmgenusses.
Die Glorreichen
Nach Wien kommen mehr als sieben Filme, die in den vorigen Monaten auf
Filmfestivals in Cannes und Venedig Preise abräumten, wie „Essential
Killing“ (Jerzy Skolimowski), „Tournée“ (Mathieu Amalric), und natürlich
die Siegerfilme „Somewhere“ von Sofia Coppola und „Lung Boonmee Raluek
Chat“ von Apichatpong Weerasethakul, der auch den diesjährigen Trailer
der Viennale unter dem Titel „Empire“ gestaltete.
Die üblichen Verdächtigen
Die Viennale wird ein kurzfristiges Zuhause auch für die neuesten Werke
von mehreren alten Bekannten und Festivallieblingen bieten. Darunter
sind das Porträt des venezolanischen Terroristen Carlos durch den Blick
von Olivier Assayas, eine weitere Londoner Geschichte von Woody Allen,
Marco Bellocchios Porträt von Benito Mussolini und das neueste
intermediale Experiment von Jean-Luc Godard. Aber auch Filme von
Catherine Breillat, Mike Leigh, Guy Maddin, Kelly Reichardt, den
Vertretern der rumänischen „neuen Welle“ Radu Muntean und Cristi Puiu
oder dem ältesten aktiven Filmemacher der Welt, Manuel de Oliveira.
Als Dokumentarfilmemacher präsentieren sich heuer unter anderem Casey Affleck mit seinem „mockumentary“ über Joaquin Phoenix, Jonas Mekas als Begleiter von Scorseses Dreharbeiten zu „The Departed“, Banksy mit seinem „street art disaster movie“ und Lou Reed mit einer Familiengeschichte. Für alle Kunstliebhaber gibt es noch Dokumentarfilme über die Rolling Stones, The White Stripes, Leonard Cohen, Phil Spector, William S. Burroughs, Jean-Michel Basquiat oder amerikanisches Genrekino. Wer hingegen Gesellschaftskritik in anderer Form sucht, dem seien Harmony Korines „Trash Humpers“ oder „Machete“ von Robert Rodriguez und Ethan Maniquis empfohlen.
Die „Nouvelle Vague“, die französische Filmwelle der späten 1950er und der 1960er Jahre, machte aus Filmkritikern Filmemacher, die eine neue Filmsprache entwickelten. Im Jahr 2010 starben gleich zwei wichtige Vertreter dieser Strömung: Éric Rohmer im Januar und Claude Chabrol im September. Die Viennale 2010 ehrt Chabrol mit der Vorführung seines Films „Le Boucher“, Rohmer mit der diesjährigen Retrospektive in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum. Abgesehen davon widmet sich das Festival in zwei Programmschienen noch vier anderen Filmemachern: in den „Special Programs“ den Videokünstlern Denis Côté und Siegfried A. Fruhauf, in den „Tributes“ hingegen dem Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten Larry Cohen sowie dem Kameramann William Lubtchansky.
Dem Publikum in Wien werden sich unter anderem Assayas, Bellocchio, Cohen, Leigh, Muntean, Puiu, Reed und Weerasethakul persönlich stellen. Das Festival der Filme – von denen wir hier auf die Special Screenings, die Stummfilme und die zahlreichen Kurzfilme noch nicht einmal eingegangen sind – wird schließlich durch das umfangreiche Rahmenangebot abgerundet: Konzerte, Filmemacher als DJs, Partys, Lesungen sowie Diskussionsrunden. Den besten der zwar traditionell raren österreichischen Filme erwartet zu guter Letzt der Wiener Filmpreis, darüber hinaus kämpfen die auf der Viennale gezeigten Filme um den Fipresci-Preis der Filmkritiker sowie den Standard-Viennale-Publikumspreis. Und für Modebewusste sind ab Samstag wieder neue Artikel verfügbar, inklusive der heißbegehrten Viennale-Tasche, diesmal in dschungelbunt.
Link dazu ...
Viennale
Artikel von




























