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Die erste Woche der Viennale ist vorüber:
Eine Zwischenbilanz von Miha Veingerl
Nach der ersten Hälfte der Viennale 2010 schafften es die dargebotenen Bilder schon mehrfach einen hitzigen Kontrast zum Kälteeinbruch in Wien zu bieten. Es folgt eine persönliche Liste der besten Filme dieser Woche. Allesamt eigentlich Filme über kleine persönliche Kriege, mit unterschiedlichen Mitteln, aber immer mit Opfern.
Bone
Ein schöner Tag in Beverly Hills. Ein weißes Paar würde gerne die Saat
ihrer Arbeit am eigenen Pool genießen. Wenn da nicht der ungebetene
schwarze Gast wäre, der sie ins Haus zerrt und beginnt Forderungen zu
stellen. Wege aus dieser Krise gibt es viele, doch alle führen zur
Zerstörung von Illusionen.
Dieser Film gehört heuer sicherlich zu den unterhaltsamsten Filmen des
Festivals. Cohen, später Autor des Drehbuchs für den hervorragenden
Kammerthriller „Phone Booth / Nicht auflegen!“ (Joel Schumacher, 2002),
schaffte mit seinem Regiedebüt ein würdiges Kind seiner Zeit, mit all
der (nicht bloß musikalischen) Coolness und experimentierenden
Schnittfreude der US-Kinematografie der 1970er-Jahre. Es ist geradezu
ein Genrecocktail – geschüttelt, nicht gerührt –, der sein Publikum
ständig überrascht, wenn er sprunghaft Themen aufgreift. Er handelt
nicht nur von Erpressung, Sex und Mord. Der Film nutzt diese und andere
populäre Elemente vor allem als Vorwand um eine Kritik des westlichen
politischen und wirtschaftlichen Systems in Zeiten des Vietnamkriegs
abzuliefern, die effektiver ausfällt als manch ein anderer über dieses
Thema produzierter einschlägiger Dokumentarfilm. „Bone“ wird noch am
30. Oktober 2010 im Stadtkino zu sehen sein.
Lung Boonmee raluek chat/Uncle Boonmee who can recall his past lives
(Apichatpong Weerasethakul, 2010)
Onkel Boonmee kann aufgrund eines Nierenversagens sein Leben nur mehr
durch medizinische Vorgänge verlängern. Während sein Körper immer
schwächer wird, begibt er sich mit Verwandten auf einen langen
Abschied, an dem er zahlreichen Weggefährten begegnet, unter anderem
seiner verstorbenen Frau und seinem vermissten Sohn in ungewohnter
Gestalt.
Es war Apichatpong Weerasethakul, der heuer Michael Haneke als
Empfänger der „Goldenen Palme“ der Internationalen Filmfestspiele von
Cannes folgte. Der thailändische Regisseur, der seit seiner Studienzeit
in Chicago auch Joe genannt wird, gelang es mit „Uncle Boonmee …“ den
vielleicht zugänglichsten Film seiner bisherigen Karriere zu machen.
Aufgrund des Erfolgs konnte er als offener Regimekritiker aber auch
nebenbei noch endlich die Zensoren in seinem Land besänftigen. „Uncle
Boonmee …“ ist ein Familiendrama als Geistergeschichte. Diese
universelle Hinterfragung der Begriffe Leben und Tod wird kombiniert
mit mysteriösen, mythischen und sogar politischen Elementen. Die einem
Traum ähnliche Struktur des Films verlangte eine kontemplative
Erzählweise und bot darüber hinaus die Plattform für teilweise ziemlich
skurrile Bilder, die man so eher von einem anderen Regisseur erwarten
würde. Der Film läuft nach dem Festival, ab dem 4. November 2010,
exklusiv im Gartenbaukino.
Un homme qui crie/A screaming man (Mahamath-Saleh Haroun, 2010)
Adam und Abdel, Vater und Sohn, arbeiten beide am selben Pool desselben
Hotels in Tschads Hauptstadt N'Djamena. Mit neuen Inhabern des Hotels
kommen jedoch Personaländerungen und der Vater verliert seinen Job an
seinen Sohn. Gedemütigt dadurch und unter Druck in kriegsähnlichen
Zuständen trifft Adam ohne groß nachzudenken eine drastische
Entscheidung.
New Crowned Hope war ein Festival im Rahmen des Mozartjahres 2006. Für
die Filmnische lud man einige internationale Regisseure ein, neue Filme
zu machen. Haroun steuerte dazu seine minimalistische Arbeit
„Daratt/Dry season“ bei, die fast keine Worte braucht, um zu
überzeugen. Wenn man Harouns letzte Arbeit, „Un homme qui crie“, nun
betrachtet, sieht man, dass sich das Thema wiederholt. Wieder geht es
um eine Vater-Sohn-Beziehung, verbunden mit Schuld und Sühne, vor dem
Hintergrund der politischen Situation im Tschad. Diesmal jedoch mit
einer anspruchsvolleren Filmsprache, mehr Dialog und präsenterer
Politik. Wenn man schließlich einen Bogen von „Bone“ zu diesem Film
führt, sieht man, dass sich in fast vierzig Jahren nur die Spieler,
nicht jedoch das Spiel veränderte – die Rolle der USA übernimmt vor
allem in Afrika langsam, aber sicher, China.
Viennale: Intro
Link dazu ...
Viennale
Artikel von
www.viennale.at/Alexander Tuma,
Blue Underground (www.blue-underground.com),
www.viennale.at/Viennale (2),




























