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Alle Jahre wieder: Protest am 19. Oktober mit Forderungen aus 2009

Nach Vollversammlung und Sterndemo besetzten Studierende wieder das Audimax

 

Das Audimax ist für eine Nacht wieder das Audimax. Bierdosen stehen herum, es wird geraucht, gefeiert, diskutiert. Einer Gruppe von Studierenden ist es Dienstagabend gelungen, den größten Hörsaal Österreichs zurückzuerobern. Bei der Frage nach dem Wie scheiden sich die Geister. Während Medienberichten zufolge die Türen aufgebrochen wurden, spricht die ÖH-Bundesvertretung von einem unbekannten Uni-Mitarbeiter mit Schlüssel. Mittwochfrüh räumten die Besetzer das Audimax wieder.

mokant.at > foto: michaela wein

Hörsaal 10 ist voll
Schauplatzwechsel: Der Hörsaal 10 ist voll – nicht ungewöhnlich während der Einführungsübungen im Oktober. Die Türen bleiben dann offen, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Gang auch etwas mitbekommen. Doch mit bloß „voll“ ist es diesmal nicht getan. Hunderte stehen vor dem größten Hörsaal des Wiener Juridicums, bis hinaus auf die Straße. Sie starren gebannt auf die Riesen-Videowand über dem Eingang, applaudieren bisweilen und starten Pfeifkonzerte, wenn das Wort „Studiengebühren“ fällt.

Das Phänomen heißt „Vollversammlung“ und fand am Dienstag, dem 19. Oktober, österreichweit an fast allen Unis statt. Sparpläne der Regierungsriege zwangen Studierende, Rektoren und Uni-Personal zu einem Schulterschluss: Gemeinsam über Lösungen sprechen und auf die prekäre Situation der heimischen Hochschulen hinweisen. Der stellvertretende ÖH-Bundesvorsitzende Thomas Wallerberger sieht in der Teilnehmerzahl den ersten Erfolg des Tages. Auch an den Unis in Salzburg und Innsbruck etwa wurde die Tausendermarke überschritten. „Das ist ein Zeichen, das Pröll und Faymann einfach nicht mehr ignorieren können“, meint Wallerberger. In letzter Konsequenz liege die Verantwortung für die Hochschulpolitik bei der Regierungsspitze, denn: „Ich habe Zweifel daran, dass die Karl den Mut hat, gegen ihren Parteichef aufzutreten.“

 

mokant.at > foto: michaela wein

Weniger Pröll, mehr Bildung
Bei der nachfolgenden Sterndemo sehen das einige ganz ähnlich: „Weniger Pröll, mehr Bildung“ steht auf einem der Transparente. Gegen 17:30 Uhr treffen mehrere tausend Studierende der verschiedenen Wiener Unis vor dem Parlament zusammen und ziehen weiter Richtung Ballhausplatz. Megaphone und Trommelwirbel begleiten vereinzelte Vuvuzelas. Wer die Tröte nach der Fußball-WM schon eingemottet hat, skandiert mit. Evergreens wie „Bildung für alle – und zwar umsonst!“ oder „Wessen Uni? Unsere Uni!“ wecken Erinnerungen an den Geist des Audimaxismus. Allgegenwärtig auch der Klassiker „Reiche Eltern für alle!“. Die wünscht sich auch Sascha. Der Protest des 26-jährigen Studenten richte sich nicht gegen eine Einzelperson, sondern gegen die Grundeinstellung der Gesellschaft: „Es geht darum, zu zeigen, dass es hier eine Opposition gibt.“

 

mokant.at > foto: michaela wein

Träume und Luftballons
Verantwortung für die Uni-Misere tragen aber auch die Rektoren. So sehen es zumindest die Demo-Verantwortlichen. Bei der Entdemokratisierung der Hochschulen hätten sie dem Gesetzgeber viel zu bereitwillig sekundiert, lautet der Vorwurf. Den muss sich etwa Uni-Wien-Rektor Georg Winckler gefallen lassen, genauso wie Pfiffe, als er vor der Vollversammlung mit seiner dreiminütigen Ansprache beginnt. Kopfzerbrechen dürften ihm dann aber auch ein Hörsaal voller protestwilliger Studierender bereitet haben. Die träumen von „Idealismus“ und „Ausfinanzierung der Unis“. So oder so ähnlich steht es auf hunderten bunten Luftballons, die vor der Sterndemo verteilt und beschriftet werden. Die Jus-Studentin Vera wendet sich gleich direkt an Beatrix Karl: „Sie soll sich auf die Hinterbeine stellen und sich in ihrem Ressort nicht noch mehr einsparen lassen“, appelliert die 20-Jährige. Ob die Politik auf Zurufe reagieren wird, bleibt abzuwarten. Am Abend feiern die Studierenden im Audimax. Das Licht gedimmt, die Musik aufgedreht, schwelgen sie in den guten alten Zeiten. Die Uni brennt wieder – bis auf weiteres.

 

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