Aufgeblättert: „Das alte Kind“
„Das alte Kind“ von Zoë Beck und „Das letzte Kind“ von John Hart
Dieses Wochenende ist es wieder soweit: Es ist Halloween und damit besteht Gruselpflicht! Monster, Vampire, Gespenster und Co. eignen sich selbstverständlich um jenen, die sich gerne und freiwillig ängstigen, einen zarten Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Aber diejenigen unter uns, die seit Jahren aufgehört haben an das Ungeheuer im Schrank oder das Monster am Klo zu glauben, brauchen realmögliche Geschichten, um Furcht zu verspüren. Romane mit Mördern, Perversen und Psychopathen, die potentiell auch unsere nähere Umgebung bedrohen könnten, lehren uns an gewittrigen und einsamen Leseabenden das Fürchten. Zwei davon sind: „Das alte Kind“ und „Das letzte Kind“. Diese beiden Bücher tragen einen ähnlichen Titel, weisen in ihrer Handlung allerdings keine Parallelen auf.
Dunklen Geheimnissen auf der Spur mit Zoë Beck
„Das alte Kind“ ist ein Thriller mit scheinbar zwei unabhängigen
Handlungssträngen: Einerseits eine junge Frau mit aufgeschnittenen
Pulsadern in der Badewanne, die jeder für selbstmordgefährdet hält und
die um ihr Leben bangt. Doch je größer ihre Furcht, umso weniger wird
sie von der Umwelt in ihren Ängsten ernst genommen. Andererseits eine
verzweifelte Mutter, der nach einem Krankenhausaufenthalt ein fremdes
Kind untergeschoben wird, für das sie nicht sorgen will, weil es nicht
ihre Tochter ist. Als einzige von der Verwechslung überzeugt, versucht
sie ihr „altes“ Kind zu finden und verliert dabei immer mehr an
Glaubwürdigkeit seitens ihrer Umgebung.
Der Roman fängt die Verzweiflung, Angst und Einsamkeit der
Protagonistinnen, deren Geschichten sich im Abstand von dreißig Jahren
abspielen und anfangs keine Gemeinsamkeit zu haben scheinen, ein. Es
bleibt für den Leser kein Geheimnis, dass das Ziel des Thrillers darin
liegt, die Frauen und ihre Schicksale am Ende, der Kapitel für Kapitel
abwechselnd erzählten Geschichten, zusammenzuführen. Das zeitliche Hin-
und Herspringen sorgt dementsprechend für Spannung und verhindert das
Aufkommen von Eintönigkeit, allerdings sollte ein guter Thriller mehr
können als mühsam Langeweile zu vermeiden. Hartgesottene Thrillerfans
werden mithilfe dieses Buches nicht an ihre benötigte Adrenalindosis
kommen, jenen die erste Erfahrungen im dunklen Genre der Literatur
suchen, sei „Das alte Kind“ durchaus empfohlen.
Herzrasen und Atemstillstand mit John Hart Lesern mit bereits
vorhandenen Thrillerkenntnissen sei John Harts „Das letzte Kind“ ans
Herz gelegt. Dieses mit dem „Ian Fleming Steel Dagger“ als bester
Thriller des Jahres ausgezeichnete Buch bietet nicht nur Hochspannung,
die einem stellenweise den Atem stocken lässt, sondern auch
Gesellschaftskritik. Die Handlung umfasst mehrere tragische Charaktere,
jeder mit seinem Anteil am Verlauf der Geschichte: Ein Jahr ist
mittlerweile vergangen seit dem Verschwinden von Johnnys
Zwillingsschwester Alyssa. Für den 13-jährigen Jungen war dieses Jahr
eine Zeit voller Enttäuschungen und Schicksalsschläge, an denen die
Familie zerbricht. Der Vater flieht scheinbar vor den Geschehnissen und
verlässt Frau und Sohn ohne sich wieder zu melden. Die Mutter betäubt
ihre seelischen Schmerzen mit Alkohol, Tabletten und einem prügelnden
Freund. Keiner bis auf Johnny und den vom Fall besessenen Detektiv Hunt
glaubt mehr an Alyssas Rückkehr.
Plötzlich scheint sich das Grauen zu wiederholen: Erneut verschwindet
ein Mädchen in der nach außen hin so normal und bürgerlich wirkenden
Kleinstadt. Trotz Warnungen, Verbote und Ermahnungen hat Johnny es sich
in den Kopf gesetzt die beiden Mädchen zu finden und dem Schrecken ein
Ende zu setzen. Die Suche nach der Wahrheit offenbart bittere Einblicke
in die scheinbar heile Welt einer Stadt und zwingt einen Jungen
Verantwortung in einem Maß zu übernehmen, das selbst Erwachsene
überfordern würde. Aber seine Obsession, die Suche nach seiner
Schwester fortzusetzen, kann durch kein Hindernis gebremst werden. Sein
Bedürfnis, Nachforschungen über das Verbrechen anzustellen, wird für
ihn zu einem Zwang, ähnlich dem Drang des Lesenden das Buch ohne
Unterbrechung, aber mit Herzklopfen, weiterzulesen. Möglicherweise
kommt der Leser am Ende zum gleichen Schluss wie Johnny, der „hatte
bald gelernt, dass es keinen sicheren Ort gab, nicht im Garten und
nicht auf dem Schulhof, nicht auf der Veranda und nicht auf der stillen
Straße am Rand der Stadt. Keinen sicheren Ort, und niemanden, der einen
beschützte.“
Links dazu ...
Zoë Beck im Bastei Lübbe Verlag
John Hart im C. Bertelsmann Verlag
Rezension von





















































