Bildung als Zankapfel
Die ÖH hat die Parteien nach ihren Positionen zu Hochschulen und Bildung befragt
Überfüllte Hörsäle, Unterfinanzierung der Unis – spätestens seit den
Studentenprotesten letztes Jahr ist das Thema in aller Munde. Die
Österreichische HochschülerInnenschaft hat ihre Kritik an der Situation
in Fragen verpackt und sie den zur Wien-Wahl antretenden Parteien
gestellt.
Das liebe Geld
„Wir brauchen mehr Geld“, darin waren sich alle Parteien im Bezug auf
die (Unter-) Finanzierung der Unis einig. Woher das Geld kommen soll,
nicht ganz. ÖVP, BZÖ und LIF sind für Studiengebühren, die SPÖ, die
Grünen und die FPÖ wollen, dass das Universitätsbudget auf zwei Prozent
des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angehoben wird. Die KPÖ will die
notwendige Summe durch Vermögens- und Finanztransaktionssteuern und die
komplette Abschaffung des Bundesheeres erhalten.
Zugang beschränken?
Genau gleich ist auch die Aufteilung der Parteien bei der Frage, wie sie
zu Zugangsbeschränkungen stehen: ÖVP, BZÖ, LIF dafür, die anderen
Parteien dagegen. „Mit einer Studienzugangsbeschränkung könnte man die
Zeit von Studienanfängern sparen, die dann sehen, dass sie für ein
bestimmtes Studium nicht geeignet sind“, erklärt die ÖVP. Sie schlägt
dafür Selbsttests für Studierende in der Studieneingangsphase vor. Am
Donnerstag wurde von der Regierung übrigens beschlossen, dass es eine
neue Studieneingangsphase geben wird, Einzelheiten sind aber noch
unklar. Grüne und SPÖ lehnen Zugangsbeschränkungen ab, sie wollen mehr
Studierende, da Österreich im OECD-Vergleich eine niedrige
Akademikerquote hat. Dafür wollen sie, wie auch die KPÖ, einen Ausbau
des Studienbeihilfe- und Stipendiensystems. „Ziel muss es sein, dass aus
finanziellen Gründen niemandem ein Studium verwehrt bleibt“, so die
Grünen.
Arbeit umsonst
Bei der Frage, wie die Parteien zu unbezahlten Praktika stehen, sprach
die SPÖ von Investitionen der Stadt in die Forschung und
Stipendienprogrammen für wissenschaftlichen Nachwuchs. Die ÖVP verwies
an das (rote, Anm. der Redaktion) Sozialministerium, ähnlich wie die SPÖ
beim Universitätsbudget auf die ÖVP-Wissenschaftsministerin verwies.
Die Grünen wollen ein Mindesteinkommen für Praktika und deren Einbindung
in Kollektivverträge, die KPÖ fordert ein Verbot jener Praktika, die
„großteils reine Sklavenarbeit“ sind, das BZÖ findet freiwillige
unbezahlte Praktika in Ordnung. Die FPÖ fordert gerechten Lohn für
gerechte Arbeit, das LIF die Grundsicherung, die es möglich machen soll,
finanziell nicht von Praktika abhängig zu sein.
Streitpunkt Semesterticket
Konkret in die Tat umsetzen kann keine der Parteien die genannten
Forderungen, denn es handelt sich hier um Kompetenzen des Bundes, nicht
der Wiener Regierung. Nur zwei Fragen bezogen sich auf Themen, die
tatsächlich in der Kompetenz der Wiener Regierung liegen: die Fragen
nach dem Preis des Semestertickets und die nach der Höhe der Mieten. Die
SPÖ zeigt sich mit der Situation zufrieden. Das Semesterticket sei „das
günstigste Ticket, das es bei den Wiener Linien überhaupt gibt“ und auch
sehr günstig im internationalen Vergleich. Die anderen Parteien sind
nicht ganz damit einverstanden: ÖVP, FPÖ, LIF und BZÖ fordern die
Anpassung des Semestertickets an das Studienjahr von FH-Studierenden (ab
September), die Grünen wollen gratis Fahrscheine für Studenten, Schüler
und Lehrlinge, sowie generell billigere Fahrscheine. Passend dazu
verteilten sie gratis Fahrscheine als Wahlwerbung. Die KPÖ geht noch
einen Schritt weiter und will Freifahrt für alle.
Auch bei den Wohnungs-
und Studentenheimpreisen verweist die SPÖ auf die Möglichkeiten, die es
bereits von der Stadt aus gibt. Auch die Volkspartei zeigt sich mit der
Unterstützung, die es auf Wiener und Bundesebene gibt, zufrieden,
sechzig Prozent der Wiener würden bereits in geförderten Wohnungen
leben. Wenig begeistert von der Situation sind die Grünen: „Runter mit
den Mieten“ steht auf ihren Plakaten, das wollen sie etwa durch
Mietzinsobergrenzen erreichen. Die KPÖ will eine Revision des
Mietrechts, das LIF tritt auch hier für die Grundsicherung ein, die FPÖ
will einen Ausbau der Fördersysteme.
Einig sind sich die Parteien in keinster Weise – die Entscheidung,
welche Partei die in Sachen Bildung die besten Visionen hat, fällt
kommenden Sonntag die 77.000 wahlberechtigten Studierenden.
Vassilakou (Grüne): „FPÖ offen rassistisch“
Strache (FPÖ): „Grüne sind spaßbefreit“
Oxonitsch (SPÖ): „Marek Nachhilfe geben“
Marek (ÖVP): „Wir wollen mitregieren“
Sonnleitner (BZÖ): „Parteien sind tot“
Link dazu ...
10 Fragen an die Wiener Parteien





