Modisches (Über-)Treiben
Fünf Tage lang war ein Zelt vor dem MQ
Schauplatz von vielfältigen Modestichproben
Letzten Sonntag ging die zweite „MQ Vienna Fashion Week“ nach fünf Tagen Modeschauen, Partys und Society-Drumherum zu Ende. Zu sehen gab es wieder viel von den üblichen Verdächtigen der österreichischen Upperclass-Mode: Thang de Hoo gewohnt gediegen und opernballtauglich, Callisti für den figurbetonten Auftritt der toughen Millionärsgattin und für die kecke Tochter gab es Retroschmus von Lena Hoschek. Neben aufgewärmten, bereits in Berlin gezeigten Schauen, beispielsweise der zuletzt genannten, und des Münchners Marcel Ostertag, der mit schönen Mousselin-Variationen in Two-Tone-Kontrasten, plissiert, und hübsch um die Hüfte modelliert, überzeugt, lud man auch mehr oder weniger bekannte Labels aus dem näheren – Ungarn, Rumänien, Spanien – und ferneren Ausland – USA und Thailand – ein.
Thailändischer Höhepunkt
Als stilles Highlight erwiesen sich die kollektiv präsentierten Defilees
von vier Newcomer-Designern aus Thailand, die durch zeitgemäßes,
international anmutendes Schnitt- und Farbgespür herausragten. Das Label
„Surreal Objects“ zeigte kurze, halbtransparente Etuikleider mit
Käferschmuckfront, die im grünlichen Spektrum des Insektenpanzers
opulent schimmerten und Lust auf mehr Mode aus Bangkok machten. Ein
klares Plus also für das internationale Trendscouting der Veranstalter.
Schade aber, dass richtungsweisende Modemacher aus Österreich, der
künstlerische Mittelbau sozusagen, kaum vertreten waren und sich die
Auswahl der heimischen Kleidermacher als nicht-repräsentativ auswerten
lässt.
Die teils fragwürdige Relevanz der präsentierten österreichischen Labels und die dramaturgisch durchwachsene Programmierung der Modeschauen-Slots war nicht der einzige Grund warum die „MQ Vienna Fashion Week“ nicht das einhält, was der groß klingende Titel der Veranstaltung verspricht.
Die Tickets sind frei käuflich, der Platz in der Front-Row ebenso. Wo sonst auf jeder Modewoche gnadenloses Einlassregime und Platzhierarchie herrscht, und diese Exklusivität mitunter den Reiz der Teilhabe bedingt, wird in Wien versucht, das Konzept „Fashion Show“ zu demokratisieren – mit dem Ergebnis, dass sich der Besuch eher wie ein Wohlfühl-Happening anfühlt, als Ladies-Night-Out für beste Freundinnen sozusagen. An sich nicht Schlechtes, die Wiener Bürofrau am Wochenende ein wenig Fashion-Sexluft schnuppern zu lassen, aber ob im unkritischen Raum eines Selbstbeweihräucherungs-Events tatsächliches Modegeschehen und Innovation passieren können, bleibt zu bezweifeln.
Von wegen Schickimicki
Link dazu ...
MQ Vienna Fashion Week 2010
Rezension von




















