Zwischen den Tönen: Eintagsfliegen
Jan, Drummer von „Mother's Cake“,
über die Plage der Eintagsfliegen
Klar geht man davon aus, dass das gewisse Quäntchen Glück, die
richtigen Kontakte und Dreistigkeit nicht schaden können. Das aber
anscheinend alles auf Selbstvermarktung im Web 2.0 abzielt, was so viel
heißt wie „Freunde“ hinzuzufügen, die man eigentlich nicht kennt,
Heucheleien zu posten, um den ein oder anderen Abonnementen zu ködern
und jeden erdenklichen Schritt – angefangen vom eigenen Stuhlgang bis
hin zu ganz gewöhnlichen Tagesabläufen – öffentlich zu dokumentieren,
hätte auch ich mir nicht erträumen lassen.
Immer mehr bekommt man den Eindruck, einen Proberaum zu mieten, sei
überflüssig. Die vielen Stunden, die man an den eigenen Songs feilt,
wirken lächerlich, wenn man wieder ein Chart-Meisterwerk vorgespielt
bekommt, das es meisterlich schafft, dem Hörer vorzugaukeln, etwas
Neues zu sein und meistens dann doch nur eine Kopie des vorherigen Hits
ist. Vielleicht sollte man das Geld in ein Büro und die entsprechenden
Samples investieren, um doch noch den Weg in die Musikszene zu
schaffen? Ich weiß es nicht.
Natürlich ist mir bewusst, wie oft schon darüber geklagt und geurteilt
wurde. Umso verwunderlicher finde ich es, wie der Großteil einer
Bevölkerungsschicht, in den Medien auch Bildungselite genannt,
anscheinend kein Interesse mehr daran hat, sich auch musikalisch nicht
auf das Übliche zu beschränken. Musik hat Entertainment zu sein,
tanzbar zu sein. Auch mit drei Promille noch. Das war sie früher auch,
nur dass man von den Konzerten heute noch spricht. Dass das mit den
meisten sogenannten Weltstars der heutigen Zeit passieren wird, wage
ich zu bezweifeln.
Kann man es ihnen vorwerfen? Eigentlich nicht. Sind sie doch nur das
Produkt eines im Schatten Stehenden und nicht die Verwirklichung ihrer
selbst. Nur was dagegen tun? Vielleicht würde es schon reichen mal
wieder wirklich bewusst zuzuhören. Dann trennt sich ganz schnell
originelle von eintöniger Musik. Auf eines kann ich nämlich auch in
Zukunft sehr gerne verzichten: Konzerte, bei denen eine Nummer nach der
anderen runtergespielt wird, mit diesen ach so rührenden
Zwischenansagen versehen, damit auch der letzte Vollidiot sich
bestätigt fühlt.
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Links dazu ...
Livestage (am 1. Oktober: Konzert von Mother's Cake)
Local Heroes 2010
Mother's Cake auf MySpace
Artikel von
Jan Haußels
Fotos von





















































