01. Oktober 2010 | Meinung

Zwischen den Tönen: Eintagsfliegen

mokant.at > foto: peter unterthurner
Keine Eintagsfliegen. Mother's Cake sind Jan, Yves und Benedikt

Jan, Drummer von „Mother's Cake“,

über die Plage der Eintagsfliegen

Eigentlich sollte man meinen, Hingabe und Talent seien die Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Musikbusiness. Jetzt, da ich mich so langsam mit der eigenen Band „Mother's Cake“ vorantaste, Videos veröffentliche, Songs aufnehme und Konzerte spiele, klingt das fast schon nach Utopie in meinen Ohren.
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Klar geht man davon aus, dass das gewisse Quäntchen Glück, die richtigen Kontakte und Dreistigkeit nicht schaden können. Das aber anscheinend alles auf Selbstvermarktung im Web 2.0 abzielt, was so viel heißt wie „Freunde“ hinzuzufügen, die man eigentlich nicht kennt, Heucheleien zu posten, um den ein oder anderen Abonnementen zu ködern und jeden erdenklichen Schritt – angefangen vom eigenen Stuhlgang bis hin zu ganz gewöhnlichen Tagesabläufen – öffentlich zu dokumentieren, hätte auch ich mir nicht erträumen lassen.

Immer mehr bekommt man den Eindruck, einen Proberaum zu mieten, sei überflüssig. Die vielen Stunden, die man an den eigenen Songs feilt, wirken lächerlich, wenn man wieder ein Chart-Meisterwerk vorgespielt bekommt, das es meisterlich schafft, dem Hörer vorzugaukeln, etwas Neues zu sein und meistens dann doch nur eine Kopie des vorherigen Hits ist. Vielleicht sollte man das Geld in ein Büro und die entsprechenden Samples investieren, um doch noch den Weg in die Musikszene zu schaffen? Ich weiß es nicht.

 

mokant.at > foto: peter unterthurner

Natürlich ist mir bewusst, wie oft schon darüber geklagt und geurteilt wurde. Umso verwunderlicher finde ich es, wie der Großteil einer Bevölkerungsschicht, in den Medien auch Bildungselite genannt, anscheinend kein Interesse mehr daran hat, sich auch musikalisch nicht auf das Übliche zu beschränken. Musik hat Entertainment zu sein, tanzbar zu sein. Auch mit drei Promille noch. Das war sie früher auch, nur dass man von den Konzerten heute noch spricht. Dass das mit den meisten sogenannten Weltstars der heutigen Zeit passieren wird, wage ich zu bezweifeln.

Kann man es ihnen vorwerfen? Eigentlich nicht. Sind sie doch nur das Produkt eines im Schatten Stehenden und nicht die Verwirklichung ihrer selbst. Nur was dagegen tun? Vielleicht würde es schon reichen mal wieder wirklich bewusst zuzuhören. Dann trennt sich ganz schnell originelle von eintöniger Musik. Auf eines kann ich nämlich auch in Zukunft sehr gerne verzichten: Konzerte, bei denen eine Nummer nach der anderen runtergespielt wird, mit diesen ach so rührenden Zwischenansagen versehen, damit auch der letzte Vollidiot sich bestätigt fühlt.

 

Zwischen den Tönen nachlesen ...


Links dazu ...
Livestage (am 1. Oktober: Konzert von Mother's Cake)
Local Heroes 2010
Mother's Cake auf MySpace

Artikel von
Jan Haußels


Fotos von

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